Einfach und familiär – so kennen und schätzen die Gäste das „Da Nino“ in der Hardtstraße 22. Der älteste Italiener im Karlsruher Stadtteil Mühlburg schließt Ende Juli.
Einfach und familiär – so kennen und schätzen die Gäste das „Da Nino“ in der Hardtstraße 22. Der älteste Italiener im Karlsruher Stadtteil Mühlburg schließt Ende Juli. | Foto: Jörg Donecker

„Da Nino“ schließt im Juli

Pizza, Pasta und Persönlichkeit

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Eigentlich sieht Severino Ferrini es gelassen: Das Gebäude in der Hardtstraße 22, in dem er seit gut 41 Jahren seine Trattoria „Da Nino“ betreibt, wurde verkauft und soll im Herbst abgerissen werden. Das nimmt der Pächter Ferrini zum Anlass, in den Ruhestand zu gehen. „Ich bin jetzt 69 Jahre alt“, sagt er. Die Nachricht vom Verkauf des Gebäudes sei zur richtigen Zeit gekommen. „Sonst hätte ich vielleicht noch ein paar Jahre weitergemacht.“

Familie Ferrini kam 1964 nach Karlsruhe

Eigentlich habe er ja gar kein Gastronom werden wollen, erzählt der gebürtige Italiener, der 1964, im Alter von 15 Jahren, mit seiner Familie aus der Toskana nach Karlsruhe kam. „Ich wollte erstmal nur fünf Jahre weitermachen, mein Vater war Gastronom“, erklärt er. Doch dann habe er seine Stammkundschaft nicht aufgeben wollen, nur um beruflich neu anzufangen.

„Viele meiner Gäste kennen mich noch aus der Zeit, als wir das Lokal in Neureut-Kirchfeld hatten“, sagt Severino Ferrini, dessen Bruder Massimo viele aus der Karlsruher Stadtpolitik und als Vorsitzenden des Bürgervereins Mühlburg kennen.

Da Nino, das bin ich

Seit 1977 hat Severino, genannt Nino, das gastronomische Erbe seines Vaters in Mühlburg weitergeführt. Seine Frau Teresa ist für die Küche zuständig, die aus dem „Da Nino“ ein für das ländliche Italien typisches kleines Speiselokal macht, eine Trattoria eben. „Einfach und gut“, beschreibt Nino die Karte, auf der neben Tagliatelle Mare Monte oder Gnocchi auch Pizza steht.

Die familiäre Atmosphäre der ersten Pizzeria im Stadtteil Mühlburg schätzen auch Besucher aus Neureut, aus Ettlingen, Eggenstein oder Linkenheim. Sogar die Karlsruher Profi-Boxerin Regina Halmich hat im „Da Nino“ eine Widmung hinterlassen.

Einfache italienische Küche – und viel Persönlichkeit

Hinter der Theke sorgt der Wirt für das Wohl seiner Gäste, die – wie in einer echten Trattoria – oft auch nur auf ein Bier und ein Schwätzchen mit dem freundlichen Gastgeber vorbeikommen. „Da Nino, das bin ich“, erklärt der Mann mit dem grauen Bart und dem immer noch hörbaren italienischen Akzent stolz. Denn die Gäste gingen vor allem seinetwegen in das Lokal in der versteckt gelegenen Ecke zwischen Entenfang-Kreuzung und dm-Zentrale.

„Ich weiß nicht was, aber irgendwas hab’ ich“, sagt er lächelnd. Er strahlt aus, was landläufig als typisch italienisches Charisma gilt: Er spricht lebhaft, die Hände immer in schwungvoller Bewegung. Aufs Foto für die Zeitung möchte er trotzdem nicht.

Irgendwas wird mir fehlen

Bis zum letzten Samstag im Juli hat „Da Nino“ geöffnet, dann will Nino Ferrini in Urlaub fahren. „Und am 15. September gebe ich die Schlüssel ab.“ Ist es schlimm für ihn, dass das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert abgerissen wird? „Jein“, meint Nino Ferrini. „Irgendwas wird mir schon fehlen, aber ich bin 69, alles hat seine Zeit.“ Eine offizielle Abschiedsfeier soll es nicht geben, sagt er bestimmt – auch wenn sein Bruder Massimo da anderer Ansicht sei.

„Da kommen dann alle zum letzten Mal“, sagt Nino Ferrini, „das kann ich nicht. Ich bin zu emotional.“ Er hat Grußkarten für die Stammgäste drucken lassen, mit einem Foto des Gebäudes. „1977 – 2018: Eine Ära geht zu Ende“ steht darauf. „Wahrscheinlich werde ich viele Tränen weinen“, sagt Nino Ferrini – und eine oder zwei glitzern dabei schon in seinen Augenwinkeln.