Ein Traditionslokal: Edoardo Morcelli bewirtete ein halbes Jahrhundert lang Gäste in seiner Pizzeria Centrale in der Sophienstraße. Doch nun hört der Italiener auf und geht in den Ruhestand
Ein Traditionslokal: Edoardo Morcelli bewirtete ein halbes Jahrhundert lang Gäste in seiner Pizzeria Centrale in der Sophienstraße. Doch nun hört der Italiener auf und geht in den Ruhestand | Foto: jodo

Gastronomie

Arrivederci, Padrone Edoardo: Pizzeria Centrale in Karlsruhe schließt nach 50 Jahren

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Eigentlich wollte Edoardo Morcelli, als er 1968 aus dem norditalienischen Livigno nach Karlsruhe kam, nur einem Freund dabei helfen, dessen Lokal aufzubauen, um dann zurückzukehren. Die damalige Pizzeria Corona d’Oro gibt es schon lange nicht mehr, dafür aber die Pizzeria Centrale in der Sophienstraße 59, die Morcelli 1970 eröffnet hat.

von unserem Mitarbeiter Ulrich Krawutschke

Gerne erzählt der Italiener von den erstaunten Fragen wie „Lasagne, Cannelloni, was ist das denn?“, die damals gestellt wurden. Kaum Deutsch sprechend, nur mit Kaffeemaschine und Backofen ausgestattet, ging es los. „Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt“ erinnert er sich.

Mit dabei Schwester Lia. Sie war für Pasta zuständig, er für Pizzen. Viele Jahrzehnte blieb die gute Zusammenarbeit so, bis Lia vor Jahren in Ruhestand trat und nach Livigno zur Familie zurückkehrte. Jetzt, nach 50 Jahren, naht auch das Ende der Pizzeria Centrale in der Innenstadt.

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Der letzte Öffnungstag steht vor der Tür

Am 24. Februar öffnet der bald 75-jährige Edoardo Morcelli mit etwas Wehmut letztmals die Türen seiner längst zum Kultlokal gewordenen Pizzeria Centrale. „Anfangs hatten wir überwiegend Studenten als Gäste. Und die meisten blieben uns treu, viele über die ganzen 50 Jahre“, erzählt der Gastronom.

Es hat oft lange Nächte gegeben

Edoardo Morcelli

Die einstigen Studenten kamen später als Juristen, Beamte oder Geschäftsleute immer wieder, „oft mit ihren Familien“, erinnert sich Morcelli. „Daraus sind Freundschaften entstanden und es hat oft lange Nächte gegeben, einfach eine wunderbare Zeit, die ich nicht missen möchte und für die ich dankbar bin“.

Der Erfolg der Pizzeria Centrale, sagt Edoardo Morcelli, war nicht selbstverständlich, „denn bei unserer Lage gab es keine Laufkundschaft und es mangelt auch an Parkplätzen“. Großen Anteil am Erfolg misst er seiner Schwester Lia bei: „Sie hat mir im Lokal den Rücken frei gehalten. Es war eine tolle Zusammenarbeit.“

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Morcellis Liebe zum KSC stößt auf Gegenliebe

Seiner Liebe zum Karlsruher SC hat er auch zu verdanken, dass viele KSC-Spieler über Jahrzehnte sich gerne von ihm bekochen ließen. Die Zeit für ein Schwätzchen hat sich Morcelli immer gerne genommen – bei den Spielern ebenso wie bei anderen Gästen.

„Unser Erfolg war der persönliche Kontakt. Ich bin heute noch bekannt wie ein bunter Hund.“ Jetzt ist Morcelli dabei, die Weichen für eine weitere gastronomische Nutzung des Lokals zu stellen. Ihn selbst zieht es nicht nach Livigno. Er bleibt Karlsruhe treu.