Fritz Walter mit dem WM-Pokal 1954, neben ihm Horst Eckel. Der Mann, der Walter stützt, ist Reinhard Gromer aus Unteröwisheim. Der Nachlass Walters, darunter eine Kopie der Trophäe, die bis 1970 vergeben wurde, wird doch nicht versteigert. | Foto: dpa

Der Nachlass Fritz Walters

Pokale und Saumagen-Orden

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Vom „Fußballkampf Italien B gegen Südwestdeutschland 1939“ brachte er eine Plakette mit der Silhouette Frankfurts mit. Eine hohe Silbervase mit Blütendekor erinnerte an das Länderspiel „Turkiye – Almanya 1951“ und ein kurioser aber „dekorativer Zigarettenspender in Form eines Fußballs“ an den deutschen Meistertitel 1953. In der Pfalz wohl nicht fehlen darf ein Saumagen. Jedenfalls ein stilisierter Magen hinter Glas. Fritz Walter wurde diesen Saumagenorden 1995 verliehen. Der große deutsche Fußballer hat das meiste aufbewahrt, was ihm zu seiner aktiven Zeit, wie im sportlichen Ruhestand überreicht wurde.

Pokale und Nippes

Daraus entstand eine überreiche Sammlung von Trophäen-Nachbildungen, kleinen Pokalen, Urkunden, Erinnerungsstücken, Fotos und zahlreiche Humpen, Schnapsgläser oder Aschenbecher.
Es wäre also jede Menge Nippes dabei gewesen, bei der vorgesehenen Versteigerung von Walters Nachlass in Heidelberg. Aber auch die kleinen Teile oder die große Fotodokumentation seiner Hochzeit 1948 mit Ita Bortoluzzi hätten Fußballfans gern in ihren Besitz genommen. Ganz abgesehen von den besonders wertvollen Stücken. Wie jener Uhr, die Bundestrainer Seppl Herberger nach dem WM-Triumph 1954 in Bern für alle seine Spieler als Geschenk anfertigen ließ. Verziert mit den Wappen jener Fußballverbände gegen die Deutschlands Elf in der Schweiz antrat.

 

Diesen Weltpokal, den Coupe Jules Rimet, erhielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nach dem „Wunder von Bern“. Kapitän Fritz Walter bekam eine Kopie, die sich nun in seinem Nachlass befindet. | Foto: dpa

Heidelberger Versteigerung abgesagt

Oder eine Nachbildung des alten Weltmeisterpokals, des bis 1970 vergebenen Coupe Jules Rimet. Oder die blauen Spielerausweise von den Weltturnieren 1954 und 1958. Was Sammler angesichts von 290 Versteigerungsposten mit 1 000 Einzeldingen in freudige Hoffnung versetzte, ein Stück von Walterkuchen abzubekommen, ließ bei anderen die Alarmglocken schrillen. Nun können der krisengeschüttelte 1. FC Kaiserslautern und seine Fans, das Deutsche Fußball-Museum oder die Fritz-Walter-Stiftung beruhigt sein. Der Nachlass wird nicht in alle Welt verstreut. Der Hauptsponsor des Drittligisten FCK, Harald Layenberger, kauft alle Stücke auf. Die Versteigerung bei Kunst & Kuriosa wurde abgesagt.

Alle Stücke bisher in Alsenborn

Darüber zeigte sich auch jener Mann froh, der die Dinge bislang in seinem Museum aufbewahrte: Bernd Luzi. Die Walters hatten keine Kinder, so kam Luzi als Erbe zu den Dingen aus dem Wohnhaus des Paars in Alsenborn. Er hatte wohl in den vergangenen Jahren vergeblich versucht, eine neue Institution für die Sammlung zu finden. Nun kann in Ruhe ein Platz für gute Stücke daraus gesucht werden.

Premierenspiel gegen den 1. FC Pforzheim

Als 17-Jähriger stieß Fritz Walter zur ersten Mannschaft des FCK. Das Premierenspiel gegen den 1. FC Pforzheim endete 5:5. Mit 19 absolvierte der junge Pfälzer sein erstes Länderspiel und erzielte gleich drei Tore. Eines seiner wichtigsten Spiele machte Walter 1945 vor nur wenig Publikum im russischen Kriegsgefangenlager in Rumänien. Der Kommandant entdeckt die Technik des Deutschen und die Lagerpolizisten sorgen dafür, dass der Sportler nicht nach Russland abtransportiert wurde, sondern in seine Heimatstadt entlassen. So konnte er zweimal deutscher Meister werden und bis 1958 als überragender Mittelfeldspieler 61 Länderspiele absolvieren.

Ein Kugellager als Motiv

Zum Ligaabschied 1959 erhielt er vom 1. FC Schweinfurt einen Pokal in Form eines Kugellagers und von der Bundeswehr 1990 noch eine Modelkanone. Der Wirbel um alle diese Dinge hat auch den einzig noch lebenden Weltmeister von 1954 nachdenklich gemacht: Horst Eckel, der Weggefährte Walters, möchte, dass seine persönlichen Andenken in der Familie bleiben. Am Freitag wurde er 87 Jahre alt.