Eine Idylle ist die Altrheininsel Rappenwört. Mit dem geplanten Polderbau Bellenkopf/Rappenwört auf der Gemarkung von Karlsruhe und Rheinstetten sind erhebliche Eingriffe in die geschützte Landschaft verbunden – unter anderem soll die Hermann-Schneider-Allee (im Hintergrund) höher gelegt werden.
Eine Idylle ist die Altrheininsel Rappenwört. Mit dem geplanten Polderbau Bellenkopf/Rappenwört auf der Gemarkung von Karlsruhe und Rheinstetten sind erhebliche Eingriffe in die geschützte Landschaft verbunden – unter anderem soll die Hermann-Schneider-Allee (im Hintergrund) höher gelegt werden. | Foto: jodo

Keine Resonanz

Polder Rappenwört: Letzter Anlauf in Sachen Minimierung

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Das geplante Großprojekt Polder Bellenkopf/Rappenwört greift erheblich in einen sensiblen Naturraum ein – und die Stadt ist mit ihren Einwendungen, die auf eine Minimierung der geplanten Eingriffe zielen, im wesentlichen gescheitert oder auf eine Hoffnungsebene verschoben.

Gegen die Dimensionen des geplanten Polder-Bauwerks lässt die planfeststellende Behörde, das Regierungspräsidium, de facto keine Einwendungen zu. Dies lässt sich aus den Unterlagen für die Gemeinderatssitzung am Dienstag, 9. April, entnehmen. Die Tendenz hat sich schon bei den öffentlichen Anhörungen abgezeichnet.

Erneuter Anlauf

Nun unternimmt die Stadt einen erneuten Anlauf, an den verbliebenen Stellschrauben in Sachen Minimierung von Eingriffen noch zu drehen Der Gemeinderat war zuletzt im Mai 2018 mit der Planung des Polders befasst. Hierbei hat das Gremium mehrheitlich das Land zu verschiedenen Prüfungen zur Minimierung der Eingriffe in Natur und Landschaft aufgefordert.

Dabei ging es um eine mögliche Einstellung der geplanten ökologischen Flutungen ab einer Abflusshöhe von 2 600 Kubikmetern pro Sekunde am Pegel Maxau, mögliche Konsequenzen für die Hermann-Schneider-Allee oder die Dimensionen der nicht minder umstrittenen geplanten Spundwand zum Schutz des Rheinstrandbades. Außerdem sollte der Damm XXV so geplant werden, dass weniger Wald zum Opfer fällt.

Kritik aus Rheinstetten

Auch einen weiteren Graben hält die Stadt für verzichtbar. Hintergrund war auch die grundsätzliche Kritik, die vom einstigen Rheinstettener Bürgermeister und Wasserbauexperten Bertold Treiber an den Dimensionen des Projekts geäußert wurde.

Die Antwort des Regierungspräsidiums ist klar: Ökologische Flutungen sind notwendig, ihre Höhe darf nicht begrenzt werden, die Bau- und Schutzmaßnahmen müssen so bleiben wie ursprünglich geplant. Eine Debatte, wie oft der wirkliche Hochwasserfall (sogenannter Retentionsfall) eintritt, hält man nicht für relevant.

„Ein verändertes Wiederkehrintervall führt nicht dazu, dass auf ökologische Flutungen verzichtet werden kann oder diese im Umfang geringer werden können. Die geplanten Bau- und Schutzmaßnahmen müssen sich nach der Höhe der Flutung im Retentionsfall richten, unabhängig davon wie häufig er eintritt“, heißt es in den Unterlagen.

Wald muss weichen

Was die Höherlegung der Hermann-Schneider-Allee angeht, bleibt diese offenbar bei 2,10 Meter. Hier plant das Regierungspräsidium mit einer „Eingriffsbreite“ von 31 Metern (bisher 25 Meter), dafür müssen 2,5 Hektar Wald weichen. Hier versucht die Stadt nun mit einem Bündel von Vorschlägen, das Schlimmste zu verhindern.

Die Stadt sieht noch Verminderungspotenzial durch steilere Böschungen und Sonderlösungen an ökologisch besonders sensiblen Stellen. Sollte es möglich sein, dass die Straßenbahn und der Individualverkehr auf einer Fläche geführt werden können, will die Stadt auf den Planungsträger mit dieser Idee zukommen.

Stadt bezweifelt Angaben des Regierungspräsidiums

Dies würde weitere Fläche sparen. Einen Brückenbau („Aufständerung“) statt einer Höherlegung sieht die Stadt in den Konsequenzen besonders kritisch, verweist auf erhebliche Eingriffe bereits in der Bauphase, aufwendige Bauarbeiten sowie erhebliche Anschlussprobleme und Ersatzstraßen während der Bauzeit. Sowohl was die Kosten wie die Ausdehnungen angeht, bezweifelt die Stadt hier die Angaben des Regierungspräsidiums.

Der Polder ist Teil des Integrierten Rheinprogramms. Er erstreckt sich von Neuburgweier bis zum Rheinhafendampfkraftwerk. Er soll im Falle eines Hochwassers 14 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen.