Spannungsgeladen präsentiert sich die „Jazzaret Dance Company“ beim Jahresempfang der Stadt im Tollhaus. Die exklusive Choreografie setzt sich damit auseinander, was Gerechtigkeit in einer Gemeinschaft bedeuten kann.
Spannungsgeladen präsentiert sich die „Jazzaret Dance Company“ beim Jahresempfang der Stadt im Tollhaus. Die exklusive Choreografie setzt sich damit auseinander, was Gerechtigkeit in einer Gemeinschaft bedeuten kann. | Foto: jodo

Kunst und Kommunikation

Politikprominenz beim Jahresempfang im Tollhaus Karlsruhe

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Straffe Folienbänder fesseln die Tänzerinnen auf der Bühne – und der spannungsgeladene Auftritt des Ensembles fesselt die Zuschauer. Gerechtigkeit für jeden in einer Gemeinschaft, die sich häufig unbarmherzig zeigt, ist das Thema der Choreografie. Temporeich und voller Anspielungen, setzt die „Jazzaret Dance Company “ unter der Leitung von Sarah Kiesecker einen fulminanten Glanzpunkt beim Jahresempfang der Stadt zum Thema „70 Jahre deutsche Verfassung“.

 

Kultur und Kommunikation bietet der Abend den geladenen Karlsruhern und Gästen im Kulturzentrum Tollhaus im Kreativpark Alter Schlachthof. Hunderte Menschen füllen den großen und den kleinen Saal, die Innenbalkone, Flure und das Foyer mit permanentem Summen. Schon vor dem Programmstart entfaltet sich eine gelungene Mischung aus „Who’s who“, manchem Wiedersehen, gelassenem Geplauder und genüsslichem Nippen am Saft von Streuobstäpfeln oder ausgereiften Reben. Erste Lieder der Sängerin Laura Ries, der jungen Senkrechtstarterin aus Östringen, unterstützen die Stimmung.

Generalbundesanwalt Peter Frank zu Gast

Seine lockere Atmosphäre verdankt der Abend den vielen erkennbar gut aufgelegten Gästen, Musik, Tanz und Kabarett und dem Geschick der Programmgestalter sowie des Sicherheitsmanagements. Generalbundesanwalt Peter Frank ist zu Gast, was erklärt, warum wachsame Männer in schwarzen Anzügen mit Kabel am Ohr Treppen und Balkone im Tollhaus beobachten. Im Publikum sind auch Verfassungsrichterin Sibylle Kessal-Wulf und Verfassungsrichter Ulrich Maidowski, der türkische Generalkonsul in Karlsruhe, Nevzat Arslan, sowie die Karlsruher Polizeipräsidentin Caren Denner in Uniform.

OB Mentrup eifert SWR-Moderation Stephanie Haiber nach

Moderatorin Stephanie Haiber vom SWR lenkt das Eröffnungs-Zwiegespräch mit Oberbürgermeister Frank Mentrup erfrischend. Sie bettet die erwartbaren Grußformeln ein und leitet elegant über zu den erwartbaren Karlsruher Ereignissen 2019. Mentrup greift Haibers leichten Tonfall auf. Seinen neuen Präsidententitel aus dem Vorsitz im Rat der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) werde er in Karlsruhe nicht strapazieren, verspricht Mentrup.

Schlosslichtspiele im Sommer

Der Oberbürgermeister wirbt für die Schlosslichtspiele im Sommer und die Kommunal- und Europawahl am Tag nach dem bundesweit beachteten Verfassungsfest in Karlsruhe vom 22. bis 25. Mai. Schließlich fordert er, angesichts großer Hoffnungslosigkeit in vielen Regionen der Welt möge sich Karlsruhe als Koordinatorin des EU-Projektes „Urbane Mobilität“ europaweit oder gar global engagieren.
Die Karlsruher Band „Labana“ steuert ihren Dany-Martinez-Sound bei, zu dem sich die Gäste müde tanzen können.
Die Karlsruher Band „Labana“ steuert ihren Dany-Martinez-Sound bei, zu dem sich die Gäste müde tanzen können. | Foto: jodo
Umstrittene gesellschaftliche und politische Fragen diskutieren und im Gespräch um Lösungen ringen, das will die Stadt Bürgern mit dem Empfang erleichtern. Dementsprechend wird die Gästeschar möglichst bunt gemischt. „Ich bin nach dem Zufallsprinzip eingeladen worden“, erklärt ein 70-jähriger Gast aus Grünwinkel, der in einer Programmpause vor dem Tollhaus raucht.

Lokale Politikprominenz zu Gast beim Jahresempfang

Drinnen ist der Herr mit der Krücke schon den Karlsruher Staatssekretärinnen Katrin Schütz (Wirtschaftsministerium) und Gisela Splett (Finanzministerium) aus der Stuttgarter Landesregierung begegnet. Die Bundestagsabgeordneten Ingo Wellenreuther (CDU) und Michael Theurer (FDP) aus dem Wahlkreis Karlsruhe bewegen sich in der Menge, nicht anders als die Karlsruher Landtagsabgeordneten Alexander Salomon und Ute Leidig (Grüne).
Auch die Ex-Oberbürgermeister Gerhard Seiler und Heinz Fenrich sind dabei, Gerlinde Hämmerle, ehemalige Karlsruher Regierungspräsidentin, sowie Dieter Ludwig, „Vater“ des weltweit bekannten Nahverkehrssystems in und um Karlsruhe, als weitere Ehrenbürger.
Wer will, spricht die Bürgermeister Gabriele Luczak-Schwarz, Bettina Lisbach und Martin Lenz an, Amtsleiter und natürlich – gerade jetzt vor der Kommunalwahl – Stadträtinnen und Stadträte, erkennbar an ihren hellen Namensschildern am Revers.

Wer hat eigentlich Recht?

„Wer hat eigentlich Recht?“ Das überlegt Dominik Herzog, Rechtsanwalt und Kabarettist, launig und hinreißend melodiös in seinem Spezialbeitrag zu 70 Jahren Grundgesetz. In der Residenz des Rechts wird er vielleicht besonders gut verstanden. Jedenfalls lachen die Zuhörer im kleinen Saal herzhaft. Seine Charakterstudien aus deutschen Gerichtssälen sprechen für sich – vom Richter mit der Radlerhose unter der Robe bis zu selbstgerechten Staatsanwälten, die Herzog schlicht „Streber“ schilt.

Helene Fischer auf der Ukulele

Als der Kabarettist zur E-Ukulele Herbert Grönemeyer und Helene Fischer imitiert und in Popsong-Refrains statt von „love“ (Liebe) von „law“ (Gesetz) singt, hat er den Saal gewonnen. Er erntet einen Extra-Applaus für seine Smartphone-Dokumentation, bevor sich die Gäste zum Dany Martinez-Sound der Karlsruher Band „Labana“ müde tanzen.