Der Kommunal-o-mat soll gerade Erstwählern eine Orientierungshilfe bieten, um die eigenen Positionen mit denen der antretenden Parteien und Wählervereinigungen abzugleichen. Entwickelt wurde er vom Stadtjugendausschuss in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Karlsruher Schülervertreter sowie den Jugendausschüssen der Parteien. | Foto: pr

Kommunal-o-mat in Karlsruhe

„Politisierung fördern und fordern“

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Nicht nur Erstwählern bietet der Kommunal-O-Mat des Stadtjugendausschusses eine Orientierungshilfe für die kommende Gemeinderatswahl. In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Karlsruher Schülervertreter und den Jugendorganisationen der Parteien entstanden 29 Thesen, mit denen vor allem Jugendliche die passende Partei oder Liste für sich finden sollen.

Nicht nur Erwachsene dürfen bei der Kommunalwahl am 26. Mai ihre Stimme abgeben, auch etwa 5 000 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren sind wahlberechtigt. Doch gerade diese Erstwähler sind oft unsicher, welche Partei oder Liste die richtige für sie ist, von wem ihre Interessen am besten vertreten werden. Der Stadtjugendausschuss hat nun in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Karlsruher Schülervertreter (AKS) und den Jugendorganisationen der Parteien in Karlsruhe die zweite Auflage des Kommunal-O-Mats veröffentlicht.

Einfache Bedienung und jugendorientierte Themen

Mit Hilfe von 29 Thesen können Jung- und Altwähler die eigenen Positionen mit denen der Parteien vergleichen. Das Farbschema ist an die Ampelfarben angelehnt, man kann den Thesen zustimmen, sie ablehnen oder ihnen neutral gegenüber stehen. Findet man ein Thema besonders relevant, kann man es mit nur einem Klick doppelt gewichten. Die Thesen sollen besonders die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen abbilden. Viele betreffen das Schulwesen, Freizeitgestaltung oder den öffentlichen Nahverkehr. Aber auch umwelt-, verkehrs- oder sozialpolitische Themen kommen zur Sprache, etwa die Frage einer zweiten Rheinbrücke oder die Förderung von Eingliederungsmaßnahmen für Arbeitslose.

„Ich fand es spannend, mit den anderen Jugendverbänden zusammenzuarbeiten und auch mal mit anderen Meinungen konfrontiert zu werden“, sagt Mathilde Göttel, Vertreterin der Linksjugend Solid. Um die Thesen wurde zum Teil heftig gerungen, sie sollten so wenig suggerierend wie möglich formuliert werden. Man habe eine neutrale Plattform schaffen wollen, auf der alle Parteien vertreten sind.

Schnelle Übersicht, aber auch weiterführende Informationen

Hat sich der Wähler durch alle 29 Thesen geklickt, kann er in einer Übersicht noch einmal alle Meinungen zu den jeweiligen Themen vergleichen. Fährt man mit der Maus über die verschiedenfarbigen Kästchen, öffnen sich weitere Informationen zu den Standpunkten der einzelnen Parteien, die diese selbst formuliert haben. Mit einem weiteren Klick gelangt man zu deren Internetauftritten.

Mein Eindruck ist, dass es vielen Jugendlichen mittlerweile peinlich ist, keine politische Meinung zu haben.

In Zeiten von „Fridays for Future“ haben Kinder und Jugendliche nicht nur zum Klimaschutz eine Meinung. Markus Eldracher vertritt die Junge Union und ist überzeugt, dass die Jugendlichen heute politisch interessierter sind als früher. „Mein Eindruck ist, dass es vielen Jugendlichen mittlerweile peinlich ist, keine politische Meinung zu haben.“ Dieses Interesse an Politik kommt aber nicht von ungefähr. „Die Politisierung der Jugend muss gefördert und gefordert werden. Wenn es daheim nicht gelebt wird, auch mal Sachen mitzuentscheiden, fordert man als Jugendlicher dieses Recht auch anderswo nicht ein“, glaubt Marco Dawid, Beisitzer im Vorstand des Stadtjugendausschusses.

Bereits zweite Auflage des Kommunal-o-mats

Die Fachbereichsleiterin Jugendverbände und Politische Bildung im Stadtjugendausschuss, Barbara Ebert, findet es „fantastisch“, dass der Kommunal-O-Mat weitergeführt wird. „Er ist auch gut geeignet, um ihn als Werkzeug der politischen Bildung im Unterricht zu nutzen“, so Ebert. Drei Testklassen haben sich bereits durchgeklickt. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesprogramm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Insgesamt hat es etwa 5 000 Euro gekostet. 2014 nutzten ungefähr 12 000 Menschen die erste Auflage, für die diesjährige Wahl rechnen die Macher mit mindestens genauso vielen Klicks.

Der Kommunal-O-Mat richtet sich zwar ausdrücklich an Jugendliche, aber auch ältere Wähler können damit die eigenen Positionen mit denen der Parteien vergleichen. Besonders benutzerfreundlich ist dabei, dass die Seite auch ohne Darstellungsprobleme über das Smartphone aufrufbar ist. Das WordPress Plug-in lässt sich außerdem ganz einfach in andere Webseiten einbinden, so kann der Kommunal-O-Mat auch für weitere Wahlen zur Verfügung gestellt werden. Mannheim habe bereits Interesse bekundet.

Der Kommunal-o-mat ist unter https://www.kommunalomat-ka.de erreichbar.