Die Barbara Gonzaga Gemeinschaftsschule in Bad Urach hat durch einen allzu laxen Umgang mit Prüfungsaufgaben alle Realschulen in Baden-Württemberg in Mitleidenschaft gezogen: Der Prüfungsauftakt im Fach Deutsch musste verschoben werden. Foto: dpa

Geplatzter Realschultermin

Polizei ermittelt in Prüfungsaffäre

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Schlamperei an Gemeinschaftsschule

Für die Sicherheitspanne, die den Termin für die erste Mittlere-Reife-Prüfung platzen ließ, ist keine klassische Realschule, sondern die Barbara-Gonzaga-Gemeinschaftsschule in Bad Urach verantwortlich: Wie das Kultusministerium bekanntgab, hat eine Lehrkraft das Kuvert mit den Prüfungsaufgaben für das Fach Deutsch sogar zeitweise zuhause in der Wohnung aufbewahrt. Mehrere Personen hätten die geheimen und versiegelten Unterlagen wechselnd in Obhut gehabt – aber nicht immer in Sichtweite. Unbekannte hatten das Siegel aufgebrochen und den Umschlag geöffnet. „Fest steht, dass die Schule entgegen den Sicherheitsvorgaben keine lückenlose und sichere Verwahrung der Prüfungsaufgaben sichergestellt hat“ , ließ Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) mitteilen. Sie habe deshalb die Ermittlungsbehörden eingeschaltet.

„Weitere Schritte“ gegen Schule?

Noch sei unklar, welche Einzelperson für das folgenreiche Malheur verantwortlich ist. Der Fall werde mit den Schulbehörden und der Polizei aufgearbeitet. Gegenüber der Schule halte man sich „gegebenenfalls weitere Schritte“ vor, erklärte Eisenmanns Sprecherin.  Die Sicherheitsauflagen seien klar und auch bei allen Schulleitungen bekannt: Die Prüfungsunterlagen müssten unverzüglich in Tresoren, Stahlschränken oder abschließbaren Räumen verwahrt werden, sobald sie beim Schulamt abgeholt wurden. Auch der Realschullehrerverband (RLV) steht angesichts der Panne in Bad Urach vor einem Rätsel: „In all den Jahren ist mir so etwas noch nicht untergekommen“, erklärte Landesvorsitzende Karin Broszat im BNN-Gespräch.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) behält sich „weitere Schritte“ gegen die Schule vor. Foto: Weißbrod

Mit dem „Angstfach“ Mathe geht es nun los

Die Verbandsvorsitzende und langjährige Realschulrektorin bedauerte, dass die Schüler nun am Freitag mit dem „Angstfach“ Mathematik in den Prüfungsreigen zur Mittleren Reife starten müssen. Auch der Landesschülerbeirat beklagte den zusätzlichen „Stress“ für die Zehntklässler, weil die schriftliche Deutsch-Prüfung vom 18. April auf den 27. April verschoben werden musste. Er forderte, dass die neuen Prüfungsunterlagen stattdessen digital an die Schulen verschickt und vor Ort ausgedruckt werden. Das lehnt das Kultusministerium jedoch ab – weil dann die Sicherheit erst recht nicht gewährleistet sei.

40 000 Prüfungsunterlagen werden nachgedruckt

Die neuen Deutsch-Prüfungsunterlagen müssen nun für 40 000 Schüler nachgedruckt und dann an die Schulämter verteilt werden. Organisatorisch ist das aufwendig, inhaltlich hingegen kein großes Problem:  „In jedem Prüfungsdurchgang werden für jede schriftliche Prüfung drei Aufgabensätze bereitgehalten“, teilte das Kultusministerium mit.