Geht neue Wege: Der Karlsruher Designer Riaz Dan vertreibt sein Label nun in Pop-up-Stores. Seinen ersten temporären Laden hat er in der Erbprinzenstraße. Zwei Monate lang – dann geht es für ihn weiter nach Amsterdam. | Foto: Peter Sandbiller

Pop-up-Stores in Karlsruhe

Läden mit Vergänglichkeit

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Plötzlich sind sie da. Ploppen wie aus dem Nichts auf. Quasi über Nacht. Pop-up-Stores bereichern inzwischen auch die Karlsruher City. Im Februar herrschte hinter dem Schaufenster in der Erbprinzenstraße 26 noch gähnende Leere. Seit Anfang März residiert in dem Laden auf der Einkaufsmeile zwischen Postgalerie und Ettlinger Tor der Designer Riaz Dan.

Gekommen, um wieder zu gehen

Der Karlsruher Designer ist aber nicht gekommen, um zu bleiben: Spätestens Anfang Mai werden die Kleiderstangen und die Deko in der Erbprinzenstraße wieder verschwunden sein. Die Fashion-Karawane wird weiter nach Amsterdam und Wien ziehen.

Die klassische Boutique stirbt aus

„Riaz Dan & Friends Pop-up-Store“ nennt der 23-jährige Riaz Dan sein temporäres Projekt. „Die klassische Boutique stirbt aus. Die Mieten in den Innenstädten sind hoch, das können sich fast nur noch Filialisten leisten“, sagt er. „Auf Messen treffe ich immer wieder Designer mit coolen, jungen Labels, die an einem ähnlichen Punkt stehen wie ich – wir brauchen mehr Vertrieb, aber das ist teuer.“

Riaz Dan produziert seine Kollektion in Neureut

Drei Jahre lang führte Riaz Dan, der seine Kollektion in einem Atelier im Karlsruher Stadtteil Neureut produziert, eine eigene Boutique in der Kaiserpassage. Für ihn eine lehrreiche Erfahrung mit der Erkenntnis: Entweder man ist Einzelhändler oder Designer. „Es war ein wahnsinniger Zeitaufwand. Entwerfen, Schnitte machen, sich um die Produktion kümmern und noch den Laden betreiben – das alles unter einen Hut zu bringen ist sehr schwer“, sagt er ohne Umschweifen. Deswegen hat er sich für den Vertriebsweg Pop-up-Store entschieden.

Mode, Schmuck, Möbel und ein Barbershop

Riaz Dan hat noch andere Designer und Produzenten mit einbezogen. „Der Kunde soll überrascht werden, etwas Neues entdecken.“ Der Karlsruher Goldschmiedemeister Heinz Laible ist dabei, es gibt puristische Möbel von „designSolutions“ aus Bad Tölz und Schmuck aus Kimonostoff von dem kanadische Label „Sugar Blossom“. Es gibt Bio-Gin aus Wien und Wein aus der Pfalz. Seinen Bart kann man sich auch gleich noch trimmen lassen oder die Augenbrauen in Form zupfen. Das übernehmen die Jungs von Barbershop Karlsruhe.

Buy now or cry later

Aufgepoppt ist auch etwas in der Kaiserstraße 145, in der Nähe des Marktplatzes. „Buy now or cry later“, die Botschaft ist klar: Kaufe jetzt, oder weine später – denn schon nach einiger Zeit werden die Regale und Tische wieder leergeräumt sein. Das „Damenzimmer“aus Bruchsal, das schon einen Pop-up-Laden in Durlach aufgehen ließ, macht nun erneut auf sich aufmerksam. Es gibt Mode, Accessoires, Kosmetik und Geschenkartikel.

Citymanager Sascha Binoth freut sich über jeden Pop-up-Store

Für Sascha Binoth sind Pop-up-Stores ein „hochinteressantes Konzept“. Der Karlsruher Citymanager freut sich über jeden „Ladenpilz“, der in der Innenstadt aus dem Einzelhandels-Boden schießt. „Das Citymarketing ist für alle, die etwas umsetzen wollen, der richtige Ansprechpartner“, wirbt Binoth um kreative Köpfe. „Wir helfen gerne dabei, eine Leerfläche zu finden.“ Und leerstehende Läden gibt es einigen in der City, was dem Passanten nicht verborgen bleibt. Wie viel Fläche aktuell leersteht, sagt die Wirtschaftsförderung der Stadt auf BNN-Anfrage nicht, sie verweist auf eine laufende Erhebung.

Stadt Karlsruhe plant ebenfalls wieder einen „Pop-up-Store“

Die Stadt selbst ging ebenfalls schon unter die „Pop-up-Store“-Betreiber: Im November 2016 startete das K3 Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro in Zusammenarbeit mit der Fettschmelze und der Karlsruhe Fächer GmbH einen städtisch initiierten Pop-up-Store in der östlichen Kaiserstraße (die BNN berichteten). Geplant war, das Geschäft nur in der Vorweihnachtszeit zu öffnen. Wegen großen Zuspruchs blieb der Laden aber rund zwei Monate offen. Mehr als 60 Aussteller, Künstler und Kreative aus der Region verkauften dort ihre Produkte. Angeschlossen war ein Café. „Es hat uns viele Impulse gegeben“, sagt Dirk Metzger vom K3 Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro und verrät nur soviel: Es ist bereits wieder etwas in Planung.

 

Andreas Preißler setzte in seinem Laden „Unikat“, den er gemeinsam mit seinem Bruder Michael betreibt,  schon auf Pop-up-Konzepte, als dieser Name noch gar nicht sehr geläufig war in Karlsruhe. | Foto: Peter Sanbiller

Zu den Pionieren in Sachen Pop-up-Stores zählen Andreas und Michael Preißler, die seit 20 Jahren den Einzelhandel in Karlsruhe bereichern. Schon 2016 eröffneten sie in ihrem Laden „Unikat“ im Passagehof einen Pop-up-Store im Untergeschoss, wo sich kleine Manufakturen und Designer aus Karlsruhe und der Region präsentierten. Im vergangenen Dezember konnten die Kunden an den Adventssamstagen ebenfalls kleine Design-Labels entdecken – wie „cork. bags. more“ aus Karlsruhe oder „Bimbesbox“ aus Rheinzabern.

Für kleine Labels ist es eine Chance, auf sich aufmerksam zu machen

Der Einzelhandel müsse neue Wege gehen, sagt Andreas Preißler. Eines dieser möglichen Wege seien Pop-up-Stores. „Von einem solchen Konzept profitieren alle“, findet der 42-Jährige. „Für die kleinen Labels ist es eine Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Man muss Synergien nutzen – es bringt nichts, wenn jeder für sich ein Süppchen kocht.“ Das Konzept sei zudem eine gute Möglichkeit, Leerstand in der Stadt zu bespielen. „Und für die Kunden bietet es Abwechslung und immer wieder Neues.“

Immer mehr Kunden suchen die Regionalität

In ihrem „Unikat“-Store setzen die Preißler-Brüder ebenfalls auf den schnellen Wechsel. Ihre Ware beziehen sie ausschließlich von Labels und Produzenten aus Europa. „Die Sachen werden in kleinen Serien gefertigt, dadurch haben wir nur wenige Stückzahlen bei uns im Laden. Was weg ist, ist weg. Wöchentlich kommt dafür neue Ware rein. Der Kunde findet so immer etwas Neues“, sagt Andreas Preißler, der bei den Verbrauchern eine Gegenbewegung feststellt. „Viele Kunden haben keine Lust mehr auf die immer gleichen Shoppingmalls. Sie suchen die Regionalität – und die können nur inhabergeführte Geschäfte bieten.“