Frisch zurück aus der Mittagspause: Homer und Herrchen Marcus Weiß bewegen sich jeden Mittag eine halbe Stunde. | Foto: Fabry

Marcus Weiß

Präsenz ist Trumpf

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Wer die Büroräume von Virtual7 in Karlsruhe betritt, wird überschwänglich von Homer begrüßt. Homer ist der Unternehmenshund des Consulting- und Softwareunternehmens – benannt nach Homer Simpson. Er ist der ständige Begleiter von Marcus Weiß, einem der beiden Geschäftsführer.

Der 43-jährige Wirtschaftsingenieur hat sein Unternehmen bereits 1996 während des Studiums am Karlsruher Institut für Technologie gegründet. Damals studierte er im dritten Semester, programmierte noch selbst, und die Firma hieß Web Solutions bis sie 2006 umfirmiert wurde. Inzwischen beschäftigt das Software- und Consulting-Haus knapp 90 Mitarbeiter. Der Fokus liegt heute auf der Entwicklung individueller Software für Kunden wie die Bundesagentur für Arbeit oder deutsche Steuer- und Finanzbehörden. Viele der Mitarbeiter arbeiten vor Ort bei den Unternehmen.

„Ursprünglich wollten wir Altenheime ins Internet bringen,“, sagt der Unternehmer über das erste Geschäftsmodell bei der Gründung. Relativ schnell realisierten er und sein damaliger Geschäftspartner, die beide in Altenheimen gearbeitet und so ihr Studium finanziert hatten, dass sich die Zielgruppe zu der damaligen Zeit nicht dafür interessiert hat. 2004 war Weiß zudem bei der Gründung eines Start-ups beteiligt, das Prepaid-Karten für Handys als Codes online zur Verfügung gestellt hat. Dieses Unternehmen wurde 2010 an Verivox verkauft.

Weiß pendelt von Gaggenau nach Karlsruhe

Weiß lebte bis vor acht Jahren in Karlsruhe, schätzt heute allerdings den Arbeitsweg von Gaggenau in die Fächerstadt, um etwas Distanz und Zeit zum Abschalten zu haben. Wegen seinem Wohn- und auch seinem Geburtsort bezeichnet er sich selbst scherzhaft als „Landei“.

Manchmal genügt es, Gespräche zu führen oder zu motivieren.

Der Geschäftsführer arbeitet zum Großteil am Hauptsitz in Karlsruhe, aber auch in der Niederlassung in München. Mit den Niederlassungen in Rumänien und der Schweiz steht er stets in Kontakt, eine weitere Dependance in Nürnberg ist geplant. Für ihn ist wichtig, dass es eine unternehmergeführte Firma ist und die Mitarbeiter sehen, dass der Chef vor Ort angesprochen werden kann und Präsenz zeigt. „Der Erfolgsfaktor ist, dass man täglich dabei ist“, sagt der Gründer. Mittlerweile lernt er jedoch auch loszulassen, da die Mitarbeiter selbst Verantwortung übernehmen. „Manchmal genügt es, Gespräche zu führen oder zu motivieren“, so der Wahl-Gaggenauer weiter. Fast alle Ideen kommen mittlerweile vom Team selbst. Dazu gibt es beispielsweise sogenannte „Passion Sessions“ in denen jeder völlig frei Ideen entwickelt und vor den Kollegen präsentiert.

Eigene jährliche Konferenz

Die Mitarbeiter genießen viele Freiheiten – von Homeoffice über Budgetverantwortung bis hin zu Weiterbildungsbudgets. Außerdem groß geschrieben wird die Einbindung der Familie und Partner bei Familientagen oder Weihnachtsfeiern. „Die Mitarbeiter sind viel unterwegs. Das müssen die Partner verstehen“, so der Unternehmer, der sich mit einem Team umgeben möchte, das begeistert ist von dem, was es macht, es gut macht und selbst immer wieder besser werden möchte. Eine jährliche eigene Konferenz beinhaltet deswegen einen Team- und zwei Knowhow-Austauschtage.

Umzug nach Durlach geplant

Es gab jedoch auch bescheidenere Zeiten: 2003 war das Unternehmen kurz vor der Insolvenz, weil viele Kunden Pleite gegangen waren. Auch 2014 ging es schlecht. Daraufhin haben Weiß und sein Partner das Geschäftsmodell verändert. Inzwischen läuft es wieder besser. „Das Unternehmen wächst gesund profitabel“, so der 43-Jährige, der den Mitarbeitern etwas zurückgeben möchte. In den nächsten Jahren möchte er weiter expandieren. Wichtig sei vor allem, sich in dem immer schneller werdenden Markt zu behaupten und agil anzupassen. Deshalb wird die Strategie jährlich angepasst. Räumlich wird es auch eine Veränderung geben: Ende des Jahres werden die Büros in der Durlacher Raumfabrik fertig, wo sich das Team noch mehr zu Hause fühlen soll als aktuell in der Zeppelinstraße.

Sport zum Abschalten

In seiner Freizeit fährt der Geschäftsführer gerne mit dem Mountainbike im Schwarzwald, trainiert für den Triathlon oder geht im Sommer Kitesurfen. Zwei Mal ist er außerdem den Alpencross gefahren. Sport hilft ihm beim Abschalten, allerdings benötigt er ein Ziel. Glücklicherweise ist seine Partnerin ähnlich sportbegeistert. Auch mit den Kollegen wird es oftmals sportlich – etwa beim Squash-Spielen, bei Jogging-Treffs oder bei Läufen wie dem B2RUN.

Handwerklich talentiert

Wenn Weiß darüber hinaus Zeit findet, arbeitet er handwerklich am eigenen Haus, errichtet dort zum Beispiel eine Sauna oder eine Terrasse.

Engagement und Netzwerke

Ganz ohne Beruf geht es aber auch in seiner Freizeit nicht: Seit 1998 ist Weiß Mitglied im Cyberforum und seit 2010 beim Bund der Jungunternehmer, wo er sich als Regionalvorsitzender für den Verband engagiert.