Eine Bühne für die Zukunft: Auf der Konferenz Zukunftstüftler auf dem Gelände der Technologiefabrik Karlsruhe gab es Vorträge, Workshops und Showeinlagen rund um das Thema Digitale Transformation zu erleben.
Eine Bühne für die Zukunft: Auf der Konferenz Zukunftstüftler auf dem Gelände der Technologiefabrik Karlsruhe gab es Vorträge, Workshops und Showeinlagen rund um das Thema Digitale Transformation zu erleben. | Foto: Markus Gilliar

Digitale Transformation

Premiere der „Zukunftstüftler“ lockt mehr als 800 Gäste nach Karlsruhe

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Mehr als 800 Gäste sind der Einladung des Karlsruher Start-ups Neohelden gefolgt, das in Zusammenarbeit mit der Technologiefabrik die Konferenz für Akteure der digitalen Transformation aus Wirtschaft, Start-up-Szene und Wissenschaft organisiert hat.

Was brauchen Start-ups, Unternehmer und Wissenschaftler, um erfolgreich arbeiten zu können? Richtig: erstmal einen Kaffee. Und so bildet sich bereits morgens eine Schlange vor dem kleinen, dreirädrigen Lieferwagen, aus dem auf der Zukunftstüftler-Konferenz das heiß begehrte Wachmacher-Getränk serviert wird. Mehr als 800 Gäste sind der Einladung des Karlsruher Start-ups Neohelden gefolgt, das in Zusammenarbeit mit der Technologiefabrik die Konferenz für Akteure der digitalen Transformation aus Wirtschaft, Start-up-Szene und Wissenschaft organisiert hat.

Innovation und Menschlichkeit

In einer abwechslungsreichen Jonglage verdeutlicht der Künstler und Berater Fabian Seewald die Themen, mit denen Start-ups wie Großkonzerne zu tun haben: Wie gelingen disruptive Innovationen? Ist der Mensch bereit für ein solch schnelles, exponentielles Wachstum? „Es braucht Vertrauen“, sagt Seewald, während er Ringe kreisen lässt, sie dann aneinanderreiht: „In der digitalen Welt bedeutet das: Blockchain.“

Mit einem Plädoyer, kurz vor dem „Fridays for Future“-Aktionstag doch einen „Wednesday with Wisdom“ auf der Zukunftstüftler-Konferenz zu begehen, appelliert er daran, bei aller Hochgeschwindigkeits-Innovation immer auch das große Ganze zu sehen und mit Vernunft zu agieren, in der analogen Welt durch persönliche Gespräche das für die digitale Zusammenarbeit nötige Vertrauen aufzubauen.

Und dazu gibt es reichlich Gelegenheit an diesem sonnigen, aber herbstlich kühlen Mittwoch. Auf dem Außengelände sowie im Inneren der Technologiefabrik stellen Aussteller ihre Projekte und Produkte vor, es gibt über den Tag verteilt verschiedene Vorträge und Workshops.

„Startup Autobahn“ in Karlsruhe

Als Hauptbühne dient ein großer schwarzer Truck des Stuttgarter Automobilkonzerns Daimler, dessen Innovationsplattform „Startup Autobahn“ Partner der Veranstaltung ist – für das Unternehmen eine gute Gelegenheit, mit innovativen Start-ups aus Karlsruhe ins Gespräch und vielleicht ins Geschäft zu kommen.

Dazu werden an diesem Tag auch so genannte Reverse Pitches veranstaltet, bei denen Unternehmen wie Daimler, T-Systems oder der SWR vorab konkrete Probleme definiert haben und ausgewählte Start-ups ihre Lösungen präsentieren dürfen. Die Gewinner haben die Chance, ihre Geschäftsidee gemeinsam mit dem Unternehmen umzusetzen.

In den Vorträgen und Workshops ist viel von „Thinking“ zu hören, gemeint ist jeweils die effektive Anwendung gewisser Denkweisen im Unternehmen. So erläutert etwa Klaus-Peter Frahm, Leiter Innovation Management bei der Deutschen Presseagentur, die Vorteile des „Product Thinking“ im Produktmanagement. Ganz spielerisch und analog funktioniert das so genannte „Puppet Thinking“, das die Teilnehmer in einem Workshop ausprobieren dürfen: Sie sollen denken wie Puppenspieler, die im Dreierteam eine selbst gebastelte Puppe zum Leben erwecken – das funktioniert nur durch Teamwork.

Unternehmer und Wissenschaftler als Zukunftstüftler

Doch Innovation braucht nicht nur Kreativität, sondern kommt oft auch aus der Wissenschaft in Form von neuen Materialien oder Technologien. Beim Science Slam treten ein Gründer, ein promovierter Pharmakologe und ein Poet – eigentlich Poetry Slammer – an. Emir Puyan Taghikhani forscht zum Zusammenhang zwischen fortschreitendem Nierenversagen und dem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei dem Proteine eine Rolle spielen.

Er ist extra aus Erlangen zu den Zukunftstüftlern angereist. „Es ist wichtig, dass Unternehmen miteinander sprechen, um Innovationen zu ermöglichen“, findet er. „Hier sind sehr viele Leute, die konkrete Berufserfahrung haben, während ich ein krasser Theoretiker bin.“ Deshalb sei es gut für ihn und andere Wissenschaftler, „mal rauszukommen“ und zu überlegen, welchen Anwendungsnutzen die eigene Forschung haben kann.

Aussteller sind zufrieden

Für digitale Anwendung in Simulationen oder beim automatisierten Fahren entwickelt das Karlsruher Start-up Atlatec dreidimensionale Straßenkarten. „Das hat sich heute total gelohnt“, sagt Tom Dahlström am Ausstellerstand. Er habe unter anderem mit vielen interessierten Studenten gesprochen. An das studierende Personal komme man als Technologieunternehmen nicht immer so leicht, erklärt Albert Groz am Stand der Firma TruPhysics, die Software mit Künstlicher Intelligenz für Roboter entwickelt – und mittlerweile auch den passenden, flexibel einsetzbaren Roboter.

Seine Bilanz des Tages: „Mega.“ Die im Vergleich zu anderen Konferenzen extrem preisgünstige Veranstaltung sei sehr gelungen. „Ich habe mein Ziel heute erreicht: viel Austausch.“ Das deckt sich mit der Einschätzung der Organisatorin Cathrin Heumann von den Neohelden: „Das Feedback war durchweg positiv.“