Schwitzen an der Heißmangel
Wie in der Sauna fühlen sich Jenny und Thomas Schütz im Hochsommer an ihrer Heißmangel. Das 180 Grad Celsius heiße Metall strahlt Hitze ab, dazu steigt Dampf aus den frischen, aber feuchten Tüchern. Und wenn der Schweiß auch noch so fließt – den Wäscheberg arbeiten sie ab, notfalls barfuß. | Foto: jodo

Wahrhaft heiße Jobs

Profis verraten ihre Strategien für hochsommerliche Tage

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Heiße Tage sind eine Herausforderung für Menschen, die im Wortsinn heiße Jobs haben. Ob auf dem Dach in schwindelerregender Höhe und praller Sonne, in der Küche oder an der Heißmangel einer Wäscherei: Profis  erklären, wie es ihnen auch bei hochsommerlichen Temperaturen gelingt, ihre Aufgaben zu erfüllen.

Schwindelfrei muss man in seinem Beruf eh sein, hitzeresistent dieser Tage auch: Mit einem Thermometer nachgemessen hat Wolfgang Eifler zwar noch nicht, aber bei 38 Grad Celsius Lufttemperatur am Boden ist es auf dem Dach noch um einiges heißer.

Den Dachdecker trifft es gnadenlos

Die Mitarbeiter der Karlsruher Dachdeckerfirma Strippel bekommen die Hitze gleich doppelt ab, denn sowohl Ziegel als auch Blechdächer strahlen die Hitze der Sonne gnadenlos zurück.

Auf dem Dach heizt die Sonne Wolfgang Eifler gnadenlos ein.
Auf dem Dach heizt die Sonne Wolfgang Eifler gnadenlos ein. | Foto: jodo

„Dabei ist das hier die Schattenseite des Dachs“, verrät Eifler, auf der anderen Seite sei die Strahlung noch schlimmer. Er und seine Kollegen sind alle knackig braun gebrannt, „aber nur an den Armen“, wie Eifler lachend betont.

Man müsste sich jede Stunde eincremen

Ein bisschen Sorge hat er schon, dass sich die Sonnenstrahlung negativ auswirkt und womöglich in Hautkrebs endet. „Eigentlich müsste man sich hier oben jede Stunde eincremen. Aber wir können ja nicht dauernd das Gerüst hoch- und runterklettern.“ Und unten müssten sich die Männer erst waschen, denn Sonnencreme verträgt sich nicht gut mit Ziegelstaub auf den Armen.

Abgelegtes Werkzeug wird extrem heiß

Auf dem Höhepunkt der Hitzeperiode in der vergangenen Woche haben Eifler und seine Kollegen an einem Tag mittags durchgearbeitet und zwei Stunden früher Feierabend gemacht. Die meisten Bauherren hätten Verständnis für solche Situationen, „die sehen ja selbst, wie heiß es ist“. Bei entsprechenden Temperaturen heizen sich auf dem Dach abgelegte Werkzeuge so auf, dass man sie kaum noch in der Hand halten kann. Wenigstens müssen die Männer nicht noch zusätzlich unter einem Schutzhelm schwitzen – der ist nur notwendig, wenn ein Kran im Einsatz ist.

Der Koch kennt es noch viel heißer

Stöhnen über die Affenhitze? Darüber kann Jörg Hammer nur milde lächeln. Schwitzen gehört bei ihm zum Beruf. „Wir sind es gewohnt, ich bin quasi in der Küche aufgewachsen“, sagt Hammer, der seit sechs Jahren die Oberländer Weinstube führt und vor drei Jahren zudem das Restaurant „La Prima“ eröffnet hat. Seit er mit 14 Jahren seine Kochlehre begonnen hat, steht er zwischen dampfenden Töpfen und brutzelnden Pfannen. Gut 45 Grad herrschen an seinem Arbeitsplatz.

Immer unter Dampf: Jörg Hammer von der Oberländer Weinstube ist heiße Temperaturen am Herd gewohnt.
Immer unter Dampf: Jörg Hammer von der Oberländer Weinstube ist heiße Temperaturen am Herd gewohnt. | Foto: jodo

„Früher, als überwiegend mit Gas gekocht wurde, war es noch viel heißer. Es war unausstehlich heiß“, erinnert sich Jörg Hammer schmunzelnd. „Die Induktionsherde heute strahlen nicht so viel Hitze aus.“

Akkus in der Küche schwächeln

Um den Flüssigkeitsverlust bei der Arbeit auszugleichen, trinkt der Koch vier bis fünf Liter Wasser pro Tag. Zwar gibt es in der Restaurantküche eine Klimaanlage, diese wird aber nur während der Pause am Nachmittag und in der Nacht eingeschaltet, um den Raum herunterzukühlen und damit die Kühlschränke zu schonen, die bei extremen Außentemperaturen auf Hochtouren laufen. „Auch die Akkus der Elektrogeräte können bei der Hitze schnell schwächeln.“

Kaltes Gebläse ist tabu

Während der Arbeitszeit ist die Klimaanlage tabu. Kaltes Gebläse im verschwitzten Nacken oder Gesicht wäre fatal. „Bei der knappen Personaldecke können wir uns keine kranken Mitarbeiter leisten“, sagt Jörg Hammer mit Blick auf den Fachkräftemangel in der Gastronomie, mit dem er und seine Kollegen zu kämpfen haben.

Gazpacho statt Sahnesoße

Mehr als bei Jörg Hammer selbst wirkt sich die Hitze bei seinen Gästen aus. „Gefragt sind vor allem Salate und leichte Gerichte“, berichtet der 50-Jährige, der bei Bedarf schnell reagieren und die Karte verändern kann. Als die Hitzeperiode begann, strich er etwa Sahnesoßen von der Karte. Dafür serviert er nun Gazpacho: ein kaltes Süppchen für den hitzegeplagten Karlsruher.

In der Wäscherei heizt die Mangel ein

Die Stammkundin im Elektrorollstuhl erhält ihr Paket frischer Wäsche, sauber in Papier eingeschlagen, auf dem Gehweg. Für Jenny Schütz, die es ins Freie trägt, ist das ein erfrischender Moment. Denn hinter der Tür regiert die Heißmangel. „Die Metallwanne ist 180 Grad heiß“, erklärt Thomas Schütz. Zusammen mit einer Mitarbeiterin, Vera Kraft, hält er eine hell geblümte Tischdecke auf Kurs, damit das gute Stück faltenfrei durch die Mangel gedreht wird.

Bügelpresse nimmt auch Menschen in die Mangel

Die Technik nimmt nicht nur die Textilien in die Mangel, sie heizt auch den Menschen ein, die sie bis zu acht Stunden lang bedienen. Die Hitze der Bügelpresse strahlt in Kniehöhe ab und verwandelt die Feuchtigkeit aus der Wäsche in heißen Dampf.

Notfalls geht es barfuß weiter

„Wenn es über Nacht trotz Klimaanlage nicht mehr abkühlt, legen wir uns nasse Handtücher in den Nacken“, verrät Jenny Schütz. Der Wäscheberg muss weg, auch wenn der Schweiß noch so fließt. Dann schlüpft Jenny Schütz aus den Schuhen und arbeitet barfuß weiter. Die Kunden – etwa das Bundesverfassungsgericht – erwarten ihre Handtücher und Tischdecken.

Man gewöhnt sich daran

„Wir haben jeden Tag Sauna umsonst“, sagt Thomas Schütz. „Anfangs war es heftig. Aber man gewöhnt sich daran.“ In den Sommerferien bieten auch die Kinder, zehn und zwölf Jahre alt, dem Extremklima zeitweise die Stirn. Meist verziehen sie sich aber in den luftigen Hof, während die Eltern schwitzen.

Abkühlen im Baggersee

Zur Erfrischung steuert die Familie danach gern den Grötzinger Baggersee an. Da taucht dann auch der Familienhund ab. Er würde sich an Heißmangel-Tagen nur zu gern durch Schwitzen kühlen – aber leider gelingt Hunden das ja nur an den Pfoten.