Das Modell der vor 166 Jahren im Rhein versunkenen Dampflokomotive. Sie wurde vermutlich auf einem solchen Fahrgestellt von der Fabrik in Karlsruhe zum damaligen Rheinhafen in Leopoldshafen gebracht.
Große Enttäuschung bei den Verantwortlichen: An der Stelle im Rhein bei Germersheim, an der die versunkene Lok vermutet wurde, befindet sich nichts. | Foto: SWR/Verena Kutscher

Bergung abgesagt

Projekt beendet: Doch keine versunkene Lok an vermutetem Fundort im Rhein

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Große Enttäuschung bei den Verantwortlichen: An der Stelle im Rhein bei Germersheim, an der die versunkene Lok vermutet wurde, befindet sich nichts. Das teilte das in Mainz ansässige, verantwortliche Projektbüro „Jäger der versunkenen Lok“ am Dienstag mit.

„Ich bin bestürzt und ratlos. Ich kann mir nicht erklären, welche Anomalie wir bei unseren jahrelangen, wiederholten Messarbeiten an der Buhne 527 bei Germersheim ausgemacht haben“, sagte Bernhard Forkmann am späten Montagabend laut Mitteilung bei einem Treffen aller Projektbeteiligten in Mainz. Im BNN-Interview erklärte der Wissenschaftler, er sei schockiert und ratlos. Wolfhard Neu vom Bergungsunternehmen OHF hatte erklärt, dass bei der großflächigen Suche am ausgemachten Ort keine Kessler-Lok „Rhein“ ausfindig zu machen sei.

Modell der versunkenen Dampflok bei der Veranstaltung in Phlippsburg.
Ein Modell der Dampflok „Rhein“. | Foto: Kamleitner

Versunkene Lok bleibt verschollen

OHF hatte laut Mitteilung in den vergangenen Tagen eine Fläche von über 450 Quadratmetern bis zu einer Tiefe von neun Metern ausgebaggert – ohne Erfolg. Neben dem vermuteten Fundort habe die Firma eine weitere Verdachtsstelle freigelegt. OHF habe zudem fast doppelt so tief gebaggert wie geplant. Zwei unabhängige Unternehmen waren laut Mitteilung vor Ort und haben den Rhein erneut abgesucht und Messungen vorgenommen. Auch die Spezialunternehmen und die Kampfmittelräumer, die zur Unterstützung geholt wurden, seien erfolglos geblieben.

OHF-Chef Wolfhard Neu (von links), Mario Schmiedicke vom SWR sowie die "Lok-Jäger", Horst Müller und Uwe Breitmeier mit einem Modell der versunkenen Lok.
OHF-Chef Wolfhard Neu (von links), Mario Schmiedicke vom SWR sowie die „Lok-Jäger“, Horst Müller und Uwe Breitmeier mit einem Modell der versunkenen Lok. | Foto: Bernd Kamleitner

Geophysiker Forkmann, der die Messungen seit Anfang der 90er Jahre mit den Schatzsuchern durchgeführt hatte, erklärte laut Mitteilung, er werde versuchen, aufzuklären, was die Anomalie, sprich Unregelmäßigkeit, bei den magnetsensorischen Messungen in unterschiedlichen Jahren, Jahreszeiten und bei unterschiedlichen Rheinständen in den vergangenen Jahrzehnten ausgelöst habe.

Bernhard Forkmann von der TU Bergwerk Freiberg in Sachsen gab bereits im März 2014 in Karlsruhe den Fundort der im Rhein versunkenen Lok bekannt.
Bernhard Forkmann von der TU Bergwerk Freiberg in Sachsen gab bereits im März 2014 in Karlsruhe den Fundort der im Rhein versunkenen Lok bekannt. | Foto: Bernd Kamleitner

Bereits seit Montag gab es keine Webcam-Bilder mehr vom vermuteten Fundort. Nach Angaben des Südwestrundfunks, weil es „Probleme mit dem Stromaggregat auf der Baustelle“ gegeben habe.

Heute ist unser Lebenstraum geplatzt

Emotional fielen laut Mitteilung die Reaktionen der Schatzsucher Horst Müller, Uwe Breitmeier und Volker Jenderny aus: „Heute ist unser Lebenstraum geplatzt. Wir haben teilweise 30, teilweise 25 Jahre nach der Lok ‚Rhein‘ gesucht und waren uns so sicher, sie gefunden zu haben. Dieses Gefühl, dass die Schatzsuche gescheitert ist, lässt sich noch nicht in Worte fassen. Wir müssen diese Information erst noch verarbeiten.“ Einigkeit habe darüber bestanden, dass eine weitere Suche – ob an dieser Stelle oder einer anderen – für die älteren Herren ausgeschlossen sei.

Baustelle wird rückgebaut

Das Bergungsunternehmen OHF wird laut Mitteilung in den kommenden Tagen mit dem Rückbau der Baustelle beginnen und die abgetragene Buhne fachmännisch wiedererrichten. Das Projektbüro „Jäger der versunkenen Lok“ werde die für den 21. Oktober geplante Bergung absagen und mit zahlreichen involvierten Parteien, von Fans über Medien bis zu Spendern, Sponsoren und weiteren Unterstützern des Projekts sprechen.

„Wir müssen die Entscheidung des Büros so akzeptieren, auch wenn sie uns furchtbar leid tut“, sagte Mario Schmiedicke, der das Projekt beim SWR betreut, in Bezug auf den Stopp der Suche. Hinsichtlich der Anomalie ergänzte er: „Dafür haben wir keine Erklärung, weil die Messergebnisse eigentlich eindeutig waren.“

Am Rhein bei Germersheim und in Höhe von Philippsburg-Rheinsheim hatten die Vorbereitungen für die Bergung der Lok bereits begonnen. | Foto: Projektbüro "Jäger der versunkenen Lok"

Die Schatzsuche nach der versunkenen Lok hatte international für Aufsehen gesorgt, sogar das Wall Street Journal berichtete darüber. Ein Crowdfunding-Projekt akquirierte jedoch nur 15.230 statt der gewünschten 220.000 Euro. Die BNN hatten Ende September gemeinsam mit dem SWR eine Veranstaltung in Philippsburg zur Lok abgehalten und zur „Rhein“ ein Online-Dossier angelegt.

Sie ist laut den Verantwortlichen das älteste Denkmal deutscher Eisenbahngeschichte und ein wertvolles Gut der Industriekultur – die Dampflok „Rhein“. 1852 in den Kessler-Werken in Karlsruhe gebaut, fiel sie im selben Jahr auf dem Weg zu ihrem Einsatzort auf der Bahnstrecke Düsseldorf-Elberfeld bei Germersheim in den Rhein.

In einem Interview mit den BNN im September hatte sich Wolfhard Neu vom Bergungsunternehmen OHF noch sehr zuversichtlich gezeigt, die Lok am 21. Oktober bergen zu können: