Verbergen wollte der 44-jährige Angeklagte sein Gesicht beim ersten Prozess vor dem Landgericht 2018. An diesem Donnerstag muss er wieder dort erscheinen.
Verbergen wollte der Angeklagte sein Gesicht bereits beim ersten Prozess vor dem Landgericht 2018. Bei der Revisionsverhandlung an diesem Donnerstag wollte er auch nur hinter verschlossenen Türen aussagen. | Foto: Deck

Landgericht Karlsruhe

Prozess um geplanten Kindesmissbrauch: Pädophiler Angeklagter kommt voraussichtlich in Psychiatrie

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Im Revisionsprozess um einen geplanten Kindesmissbrauch im Zusammenhang mit dem Staufener Skandal ist das Urteil zwar noch nicht gesprochen, aber im Grunde schon vorweggenommen: Mit großer Wahrscheinlichkeit wird das Landgericht Karlsruhe an diesem Freitag die Unterbringung des 45-jährigen pädophilen Angeklagten in der geschlossenen Psychiatrie anordnen. Die Wende brachte das neue psychiatrische Gutachten.  „Es war sehr eindeutig“, erklärte der Vorsitzende Richter Ralf Kraus und stellte dem Gefangenen in Aussicht, dass er wahrscheinlich schon an diesem Freitag in die psychiatrische Klinik in Wiesloch verlegt werde. Am Freitagmorgen sollen auch die Schlussplädoyers gehalten werden.

Nur zwei Termine wurden für den Revisionsprozess anberaumt. Beim Auftakt am Donnerstag erklärte sich der angeklagte Elektriker aus Schleswig-Holstein zwar bereit, zur Sache aussagen — aber nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Verteidigerin Andrea Combé wollte ursprünglich erreichen, dass die gesamte Gerichtsverhandlung hinter verschlossenen Türen stattfindet, war mit ihrem Antrag aber nicht ganz durchgekommen: Die Aussagen des Angeklagten und des psychiatrischen Gutachters fanden hinter verschlossenen Türen stattfinden – wie detailliert der Angeklagte einen Missbrauch des neunjährigen Jungen aus Staufen geplant hatte, wurde für die Öffentlichkeit im Gerichtssaal jedoch geschildert.

Vergewaltigung genau geplant

Der sadistisch-pädophil veranlagte Mann wollte den kleinen Jungen vergewaltigen. Ob das Kind Schmerzen haben würde, wie er den Neunjährigen knebeln würde, um die Schreie zu unterdrücken  — all das hatte der Elektriker exakt mit seinem Chatpartner mit Decknamen „Geiler Daddy“ durchgespielt. Anfangs verbarg sich hinter dem Decknamen tatsächlich der Hauptangeklagte im Staufener Missbrauchsfall, der den Sohn seiner Freundin an Freier verkaufte. Nachdem dieser aufgeflogen war, nutzte jedoch ein verdeckter Ermittler der Polizei dessen Identität, um ein Treffen mit dem Pädophilen aus Schleswig-Holstein zu vereinbaren. Mit dem Zug reiste der von sadistischen Vergewaltigungs- und auch Tötungsfantasien getriebene Mann im September 2017 nach Karlsruhe – mit Knebel, Handschellen und Gleitgel im Gepäck. Laut Gericht hatte er nachgewiesenermaßen die feste Absicht, eine Kindesvergewaltigung zu begehen und auch zu filmen. Doch am Karlsruher Bahnhof wurde er dann verhaftet.

Verminderte Schuldfähigkeit im ersten Urteil verneint

Der damals 43-Jährige war einschlägig vorbestraft und konsumierte nach Gerichtsangaben in nahezu jeder freien Minute kinderpornografisches Material und masturbierte dazu mehrfach täglich — oft auch in alkoholisiertem Zustand. Bereits im Sommer 2018 hatte das Landgericht den Pädophilen zu acht Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt, doch der Bundesgerichtshof hob dieses Strafmaß auf, nachdem der Angeklagte in Revision gegangen war.

Im ersten Urteil hatte das Landgericht argumentiert, dass eine solch planvolle Verabredung und Reise vom eingeschliffenen Verhaltensmuster des unter „Sexualnot“ stehenden Mannes abweiche und der potenzielle Kindesvergewaltiger — im Bewusstsein des Unrechts — durchaus Nein zum Kindesmissbrauch hätte sagen können. Eine verminderte Schuldfähigkeit des Pädophilen erkannte das Gericht aufgrund des damaligen psychiatrischen Gutachtens nicht. Die Urteilsbegründung hatte der BGH als fehlerhaft gerügt und deshalb die verhängte Strafe aufgehoben und den Fall zurück ans Landgericht verwiesen.