Wenn im Straßenverkehr schwere Unfälle passieren, sind fast immer auch Psychosoziale Notfallversorger vor Ort. | Foto: Rake Hora

PSNV des DRK Karlsruhe

Psychologischer Beistand: Wenn Unfälle nicht nur körperliche Schäden anrichten

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Wenn im Straßenverkehr schwere Unfälle wie am Freitagmorgen in Karlsruhe-Oberreut passieren, sind fast immer auch Psychosoziale Notfallversorger vor Ort.

Es ist ein ganz normaler Freitagmorgen, die Menschen in der Straßenbahnlinie 1 in Richtung Durlach sind auf dem Weg in die Stadt, zur Arbeit oder in die Schule. Plötzlich krachen ein Lkw und die Tram zusammen, die Bahn entgleist, mehrere Menschen werden schwer verletzt, eine Person lebensgefährlich.

Manfred Tezky, Leiter der Psychosozialen Notfallversorgung beim DRK-Kreisverband Karlsruhe. | Foto: Privat

Um die psychologische Betreuung von Verletzten, Augenzeugen und Angehörigen kümmern sich Helfer der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV). Manfred Tezky ist Leiter der PSNV beim Kreisverband Karlsruhe des Deutschen Rotes Kreuzes (DRK). Sein Team und er kommen immer dann zum Einsatz, wenn es bei einem Unfall nicht nur Sachschaden, sondern auch verletzte Personen gibt. Da reiche es schon, wenn es einen Verletzten gebe, meint Tezky.

Spezielle Ausbildung nötig

Sein DRK-Team besteht aus 26 ehrenamtlichen Helfern, hinzu kommen Mitarbeiter der evangelischen und katholischen Kirche, mit der das Deutsche Rote Kreuz eine partnerschaftliche Zusammenarbeit pflegt. So setzt sich die PSNV aus insgesamt 50 Einsatzkräften zusammen. Die Helfer haben dabei zwei Funktionen: Am Unfallort betreuen sie Verletzte und Augenzeugen, suchen das Gespräch mit ihnen. Dafür haben alle Helfer eine spezielle Ausbildung absolviert, in der der Schwerpunkt auf der Notfallseelsorge und dem Umgang mit dem Geschehenen und Gesehenen liegt. Vorab sprechen sich die Einsatzkräfte dabei mit dem polizeilichen Einsatzleiter des Unfalls ab, um die Lage einschätzen zu können.

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Die andere Funktion der PSNV sei der Beistand von Angehörigen bei Todesfällen. Wenn die Polizei die schlimme Nachricht überbringt, sei ein Helfer immer mit dabei. „Angehörige sind oft extrem traumatisiert“, sagt Tezky, und das könne sich sehr unterschiedlich äußern. Manche würden schreien und toben, in solchen Fällen liege der Schwerpunkt der Helfer auf der Deeskalation.

Belastung für die Helfer

Die Ehrenamtlichen des PSNV müssen selbst mental sehr stark sein. Immer wieder gebe es auch Helfer, die selbst nicht mehr könnten, denen die Einsätze zu nahe gingen. Um dem vorzubeugen, setzen sich alle Beteiligten nach einem Einsatz zusammen und sprechen über das Geschehene, erklärt Tezky. In seinem Team gebe es Helfer, die einen Einsatz im Monat leisten würden, wiederum andere bis zu fünf. Das sei sehr individuell.

Mit der Zeit entwickelten die Ehrenamtlichen ein Gefühl dafür, wer an einem Unfallort zuerst Hilfe benötigt. Denn für die Einsätze gebe es bestimmte Schlüssel, erklärt Tezky: „Für zehn Leichtverletzte beispielsweise schicken wir zwei Kriseninterventionshelfer raus.“ Einen Helfer für jeden Verletzten könne man nicht leisten.


Moritz Wolter von der Integrierten Leitstelle Karlsruhe spricht von situativen Entscheidungen, auch wenn es darum geht, ob eine Psychosoziale Notfallversorgung nötig ist. Viele Betroffenen würden auch erst einige Stunden nach einem Erlebnis Hilfe benötigen, erklärt er. Oft hätten bei Unfällen mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie dem am Freitagmorgen in Oberreut auch die Verkehrsbetriebe selbst entsprechend geschultes Personal.