Die Rheinbrücke Karlsruhe - Wörth ist bei Radlern populär. | Foto: Archivfoto: dDeck/spa

Anzeichen für Meinungswechsel

Doch ein Radweg über die neue Rheinbrücke?

Was es gibt, sind zwei Planfeststellungsbeschlüsse für eine zweite Rheinbrücke. Was darin aus Sicht vieler Beobachter in der Region fehlt, ist der Hinweis auf einen Radweg. Im Gegenteil: Mehrfach wurde in der jüngeren Vergangenheit von den Behörden klar gemacht, dass der Bauherr – der Bund – eben diesen Radweg nicht wolle. Warum: Es gebe ja einen auf der vorhandenen Brücke.

Auch ein Radschnellweg geplant

Jetzt ist in die Sache Bewegung gekommen. Denn mittlerweile geht es nicht mehr nur um die Frage „Radweg, ja oder nein?“, sondern auch um das Thema eines von Baden-Württemberg geförderten Radschnellweges in die Pfalz. Die Anforderungen an einen solchen und an einen normalen Radweg sind nicht „kompatibel“. Um Konflikte zwischen unterschiedlichen Nutzern zu vermeiden, wäre in jedem Fall eine Radwegeverbindung auf der zweiten Rheinbrücke erforderlich.

Doch Radwege auf Brücke zwei?

Diese Ansicht vertreten Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Stuttgarter Verkehrsministerium, und Andy Becht, Staatssekretär im Mainzer Pendant. Sie haben sich mit ihrer Botschaft an Staatssekretär Rainer Bomba gewandt. Der gehört zum Verkehrsministerium des Bauherrn der zweiten Brücke in Berlin, und kommt jetzt mit einer überraschenden Nachricht. Er bittet um „zeitnahe“ Vorlage „dieser Bedarfs- und Potenzialanalyse“, um danach gegebenenfalls über weitere Schritte und eine Förderung durch den Bund verhandeln zu können.

Untersuchung durch Regionalverband

Lahl und Becht hatten gegenüber dem Bundesverkehrsministerium berichtet, dass der Regionalverband Mittlerer Oberrhein mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg eine Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg Wörth – Karlsruhe (und weiter ins Pfinztal) erstellen lässt. Ein zentraler Punkt dabei ist die Streckenführung über die bestehende oder die neue Rheinbrücke. Zudem bitten die Ländervertreter um „grundsätzliche Zustimmung, in Vorbereitung auf die Ausführungsplanung zur zweiten Rheinbrücke einen Radweg miteinzuplanen“.

Eingeschränkt und kompliziert

Das entspricht auch einem Anliegen, das die südpfälzische Interessengemeinschaft Radweg Ritterhecke (IG) in Jockgrim bewegt. Die IG hat sich schriftlich an den Bundesverkehrsminister Schmidt sowie die Länderchefs Dreyer und Kretschmann gewandt. Sie macht auch deutlich, dass die Zuwege zur bestehenden Rheinbrücke in Rheinland-Pfalz „eingeschränkt und kompliziert verlegt wurden“. Auf der bestehenden Brücke gibt es auf beiden Fahrbahnseiten einen Radweg.

Ein Radweg auf zwei Brücken?

Jetzt sei, so die IG weiter, „geplant, hinter der bestehenden Rheinbrücke den südlichen Radweg auf Höhe des ,Ölkreuzes’ zurückzubauen“. Damit werde der einzig verbleibende nördliche Rad-/Fußweg dann im Begegnungsverkehr befahrbar sein. Da seien die ersten Unfälle bereits vorprogrammiert. Das Resumee der IG: „Von zwei Radwegen auf einer Brücke bleibt ein Radweg auf zwei Brücken übrig.“

Verlegung aus „Sicherheitsgründen“

Das ist zutreffend – zumindest für den Abschnitt vom badischen Rheinufer bis nach Knielingen. Das bestätigt auch der Sprecher des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Die angedachte Verlegung des Radweges ist in den Unterlagen zum Planfeststellungsbeschluss durch das RP ersichtlich.
Aber auch der nördliche Radweg wird wegen der geplanten neuen Situation mit der Anbindung der neuen Rheinbrücke an das Ölkreuz und damit zur Südtangente aus Sicherheitsgründen verlegt werden müssen. In den Planfeststellungsunterlagen heißt es, dass ein Ersatzweg für beide Richtungen angelegt werden soll.

KOMMENTAR
Was geht da eigentlich? Bis vor kurzem war davon auszugehen, dass die zweite Rheinbrücke, wenn sie kommt, keinen Radweg erhält. Schließlich gibt es auf der vorhandenen Brücke gleich zwei. Doch in der Sache ist enorme Bewegung. Baden-Württemberg will einen Radschnellweg über den Rhein, von dem niemand weiß, wo er verlaufen soll. Dann kommt der Planfeststellungsbeschluss, der auf badischer Seite aus zwei Radwegen einen macht, und dann kommt wie der Deus ex Machina das Bundesverkehrsministerium und macht leise Hoffnungen, dass es an der neu zu bauenden Brücke vielleicht doch einen Radweg gibt. Puzzlemäßig passt das schon irgendwie zusammen, aber abgestimmt wirkt das nicht. Bei jeder Verkehrsplanung spielen Radfahrer eine wichtige Rolle, nur beim Großprojekt Rheinbrücke schienen sie kaum beachtet. Wenn sich das nun ändert, wäre das ein später Schritt, der früher zu erwarten gewesen wäre.                                                 Matthias Kuld