Indianerbrunnen auf dem Werderplatz
Der Indianerbrunnen auf dem Werderplatz (im HIntergrund die Johanniskirche) ist der Treffpunkt für Menschen am Rande der Gesellschaft, viele sind Trinker oder Drogenkonsumenten. | Foto: jodo

Maßnahmen für den Werderplatz

Räume für Trinker und Drogensüchtige?

Ein Raum für Trinker mit Betreuung und Beratung und ein Drogenkonsumraum in Kombination mit einem Kontaktraum sowie ein Alkoholkonsumverbot am Indianerbrunnen – das sind drei mögliche Schritte zur Entspannung auf dem Werderplatz.

Einstimmiges Votum

Der Hauptausschuss hat am Dienstag die Maßnahmen lediglich im Grundsatz gutgeheißen, welche die Rathaus-Arbeitsgruppe „Werderplatz“ vorgeschlagen hat. Nun soll die Verwaltung den Katalog im Detail ausarbeiten und dann einzeln zum Beschluss vorlegen. Einstimmig fiel das Votum aus.

Skepsis bei einzelnen Punkten

Dabei äußerten einige Sprecher der Fraktionen und Gruppierungen ihre Skepsis gegenüber einzelnen Punkten wie dem „alkoholakzeptierenden Aufenthaltsraum“ oder dem „Drogenkonsumraum“ oder einer Verstärkung der Ordnungskräfte am Werderplatz. Seit Jahrzehnten ist der Platz der Südstadt ein sozialer Brennpunkt. Das Verhalten von Armen und Kranken auf offener Straße sorgt dort für eine gesellschaftlichen Zerreißprobe.

60 Personen um den Brunnen

Nachdem Lärm und Verschmutzung, Alkohol- und Drogenkonsum sowie Belästigung und Gewalt zugenommen haben und viele Bürger stören oder ängstigen, hat sich die Stadtpolitik dem Werderplatz neu angenommen. Frühere Ansätze zur Eindämmung des sich zwischen Indianerbrunnen und den Kirchentreppen von St. Johannis konzentrierenden Problems mit bis zu 60 Personen, die dort ihren Treffpunkt haben, erzielten nicht die erhoffte Wirkung, manche verpufften völlig. Nach dem Bürgerforum im Sommer, will die Stadtpolitik dem Reden Taten folgen lassen.

Mehr Ordnungskräfte?

Auch eine Aufstockung des Kommunalen Ordnungsdiensts für mehr Kontrolle auf dem Werderplatz sowie unter Regie der Straßensozialarbeit die Wiedereinstellung von fünf Straßenfegern aus dem Werderplatz-Klientel gehören zu den Maßnahmen.

Karlsruher Ansprüche

Dabei stellt die Verwaltung klar: „Für ein mitunter gefordertes repressives Vorgehen zur Vertreibung der sozial benachteiligten Gruppen gibt es keine rechtliche Grundlage.“ Zudem sei dies „weder eine nachhaltige Lösung noch mit den Karlsruher Ansprüchen einer toleranten und sozial integrativen Stadtgesellschaft zu vereinbaren“.

Friedliche Koexistenz

Stattdessen strebt man „eine friedliche Koexistenz“ an. Die Kosten für den Trinkerraum sowie den Drogenkonsumraum werden zusammen auf 340 000 Euro pro Jahr geschätzt. Man will diese Angebote zunächst zum Test auf drei Jahre befristen.

Das Land ist gefordert

Bis dahin aber muss die Politik noch einiges tun, zumal für das Alkoholverbot und den Drogenkonsumraum noch die gesetzlichen Grundlagen durch das Land geschaffen werden müssen. CDU, AfD und FDP haben Vorbehalte gegen einen Drogenraum beim Werderplatz. Grüne und Kult wollen keine dauerhaften Ausbau der Repressionsmittel.