Ein Pharao beherrscht das Karlsruher Schloss: Das Badische Landesmuseum zeigt die Ausstellung "Ramses - Göttlicher Herrscher am Nil". | Foto: abw

Badisches Landesmuseum

Ramses residiert mit seinem Harem in Karlsruhe

Er hatte sieben „Große Königliche Gemahlinnen“, etliche Nebenfrauen, mindestens 45 Söhne und 40 Töchter: Egal, was Ramses II. anpackte – es  bewegte sich immer im Reich der Superlative. Jetzt residiert der mächtigste Pharao Ägyptens bis zum 18. Juni 2017 mit seinem Harem im Karlsruher Schloss.

Ramses – Göttlicher Herrscher am Nil

Im vergangenen Jahr war Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach für einige Monate in sein ehemaliges Residenzschloss zurückgekehrt: Zum 300. Geburtstag Karlsruhes widmete das Badische Landesmuseum (BLM) dem Gründer der Stadt seine erste große Schau. Jetzt aber regiert hinter den barocken Fassaden ein Mann, der bereits vor 3 300 Jahren Weltgeschichte machte: Ramses II.

Badisches Landesmuseum mit deutscher Premiere

Das Landesmuseum widmet dem „göttlichen Herrscher am Nil“ eine Sonderausstellung. Und feiert damit erneut eine Premiere: 40 Jahre nach der spektakulären Ramses-Schau in Paris ist in Karlsruhe bis zum 18. Juni 2017 die erste deutsche Einzelausstellung über den Erbauer der Felsentempel von Abu Simbel zu sehen.

Warum Karlsruhe und Alt-Ägypten so gut zusammenpassen

Karlsruhe und Alt-Ägypten – das passt. Nicht nur, weil das Wahrzeichen der Fächerstadt eine Pyramide ist. „Im Karlsruher Schloss fanden bereits wenige Jahre nach der Stadtgründung erste Objekte aus dem Land am Nil ein Zuhause“, verweist BLM-Chef Eckart Köhne auf den Sammeleifer der badischen Markgrafen und Großherzöge. Heute bildeten die altägyptischen Artefakte einen Schwerpunkt in der Abteilung „Antike Kulturen“ des Landesmuseums.

Impression aus Ausstellung "Ramses - Göttlicher Herrscher am Nil".
Impression aus Ausstellung „Ramses – Göttlicher Herrscher am Nil“. | Foto: abw

Der große Pharao und der kleine badische Markgraf

Aber irgendwie passen auch Ramses „der Große“ und der kleine badische Markgraf Karl Wilhelm ganz gut zueinander. Nicht nur, weil beide Städte gegründet haben. Beide Herrscher bemühten sich zudem kräftig, die Weltbevölkerung zu vermehren. Wobei der Ägypter in ganz anderen Kategorien agieren konnte als der Badener.

So brachte es Karl Wilhelm „nur“ auf drei legitime Kinder.  Etwa 20 weitere Söhne und Töchter gebaren ihm wechselnde Geliebte. Ramses hingegen hatte mindestens 45 Söhne und 40 Töchter. Dafür standen dem mächtigen Pharao aber auch sieben „Große Königliche Gemahlinnen“ und etliche Nebenfrauen zur Verfügung. Zu seinem Harem gehörten mehrere ausländische Prinzessinnen, die Ramses zur Festigung diplomatischer Beziehungen geheiratet hatte.

Die „Kleinfamilie“ des Ramses auf einer originellen Grafik im Badischen Landesmuseum: Der Pharao hatte sieben Haupt- und etliche Nebenfrauen. Sie gebaren ihm mindestens 45 Söhne und 40 Töchter.
Die „Kleinfamilie“ des Ramses auf einer originellen Grafik im Badischen Landesmuseum: Der Pharao hatte sieben Haupt- und etliche Nebenfrauen. Sie gebaren ihm mindestens 45 Söhne und 40 Töchter. | Foto: abw

Ramses heiratete drei seiner Töchter

Der Pharao als Ehemann und Vater – diesem Thema ist in der aktuellen Sonderausstellung ein eigener Bereich gewidmet. Die facettenreiche Schau ermöglicht faszinierende Einblicke in das Zeitalter Ramses II. Manches erscheint aus heutiger Sicht ziemlich verstörend – etwa, dass zu den „großen Gemahlinnen“ des Pharaos drei seiner eigenen Töchter gehörten. An anderen Stellen wird deutlich, dass sich die Ägypter vor 3300 Jahren schon mit Phänomenen herumgeschlagen haben, die auch moderne Gesellschaften vor Herausforderungen stellen.

Die Angst der Ägypter vor dem Fremden

Etwa die Angst vor dem Fremden. Sie ging mit der Expansion Ägyptens bis ins heutige Syrien und einem regen Handel sowie dem kulturellen Austausch mit den Ländern im östlichen Mittelmeergebiet einher. Objekte in der Ausstellung belegen, dass die Ägypter fremde Ethnien als latente Bedrohung empfanden.

Es war die Aufgabe des Pharaos, diese „Chaosmächte“ zu kontrollieren. Folglich wurden Ausländer auf Reliefs oder Statuetten bevorzugt als Unterworfene dargestellt. Was nicht unbedingt die realen Verhältnisse spiegelte, aber ungemein zur Beruhigung der Untertanen beitrug.

Propaganda in eigener Sache gemacht

Ohnehin kann Ramses als ausgesprochen „medienaffin“ gelten – mit Bauprojekten und Bildprogrammen betrieb er Propaganda in eigener Sache. So deutete er etwa im Tempel von Abu Simbel seine empfindliche Niederlage bei der Schlacht von Kadesch gegen die Hethiter in einen grandiosen Sieg um.

Auch Mumien sind in Karlsruhe ein Thema

Wenn es ums alte Ägypten geht, sind Mumien immer ein großes Thema. Nun kann das Badische Landesmuseum nicht mit der Mumie des Ramses aufwarten – die liegt in einer Vitrine in Kairo. Doch in einem „Mumien-Lab“ wird zumindest eine Nachbildung gezeigt. Zudem ist der verblüffend gut erhaltene Original-Blumenschmuck zu sehen, der einst die sterblichen Überreste des Pharaos zierte.

Dem toten Ramses die Wirbel gebrochen

Ausgestellt ist außerdem eine echte Katzenmumie. Und an Medienstationen bekommen die Besucher viele Informationen über die Kunst der Leichenkonservierung im Alten Ägypten. Dabei erfahren sie auch, dass die Einbalsamierer dem toten Ramses einst den Rücken und mehrere Halswirbel brachen – sonst hätte der bucklige Pharao nicht in den Sarkophag gepasst.

Dermaßen rüde sind die Karlsruher rund 3 000 Jahre später mit ihrem Stadtgründer natürlich nicht umgegangen. Aber die Pyramide über seinem Grab – die haben sie ja auch erst errichtet, als im frühen 19. Jahrhundert die Ägypten-Begeisterung immer weiter um sich griff.

 

Höhepunkte der Ramses-Ausstellung

Mehr als 260 Leihgaben aus 30 europäischen Museen und Sammlungen ägyptischer Kunst sind in der Karlsruher Ramses-Ausstellung vereint, viele davon waren noch nie in Deutschland zu sehen.

Zu den Höhepunkten gehören zwei überlebensgroße Statuen des Pharaos aus Turin und Straßburg. Gemeinsam mit einem über drei Meter hohen Ramses-Gipsabguss aus dem Ägyptischen Museum in Berlin und einer gewaltigen Faust aus dem British Museum in London führen sie dem Besucher die Monumentalität der ramessidischen Prachtbauten vor Augen. Die Großobjekte haben ein Gewicht von bis zu drei Tonnen.

Viele Medienstationen bieten vertiefende Informationen über die Bauprojekte des Pharaos – etwa die einstige Hauptstadt Pi-Ramesse. Ein mediales Highlight ist zudem die fotografische Reproduktion eines Reliefs aus Abu Simbel, das die Schlacht von Kadesch zeigt. Projektionen und Toneffekte erwecken es zum Leben.

Die Ausstellung „Ramses – Göttlicher Herrscher am Nil“ ist bis 18. Juni 2017 im Badischen Landesmuseum im Karlsruher Schloss zu sehen. Alles über Eintrittspreise, Führungen und das Rahmenprogramm erfahren Sie hier.

Ramses II. – ein Steckbrief

Name: Ramesses meri Amun, kurz: Ramses.
Das heißt: Re (der Sonnengott) hat ihn geboren, geliebt von Amun (dem höchsten Gott der alten Ägypter).

Geboren: um 1303 v. Chr., der Geburtsort ist unbekannt.
Ramses Vater ist Pharao Sethos I., die Mutter heißt Tuja.

Beruf: Pharao, Herr der Beiden Länder, König von Ober- und Unterägypten.
Ramses regiert 66 Jahre lang.

Personenbeschreibung:
Größe: 1,73 Meter,
Gewicht: 78 Kilogramm,
Augenfarbe: braun,
Gestalt: als Senior bucklig wegen einer Versteifung der Wirbelsäule.

Familienstand: verheiratet – und wie: Ramses hat sieben Haupt- und diverse Nebenfrauen. Entsprechend zahlreich ist der Nachwuchs: 45 Söhne und 40 Töchter sind namentlich bekannt.

Größte Niederlage: die Schlacht von Kadesch 1274 v. Chr.
Ein Überraschungsangriff der Hethiter führt dazu, dass die Ägypter sich zurückziehen müssen.

Größter Erfolg: der Friedensvertrag mit den Hethitern, der als der älteste der Weltgeschichte gilt.
Ramses schließt ihn mit Großkönig Hattuschili III. ab.
Eine Kopie dieses bedeutenden Vertrags hängt heute im Hauptgebäude der United Nations in New York.

Bauprojekte: Ramses II. schafft in ganz Ägypten Tempelanlagen, monumentale Statuen und Stadtanlagen.
Sein größter Tempel ist das Ramesseum in Theben-West.
Die berühmtesten Bauten sind die Felsentempel von Abu Simbel.

Tod: 1213 v. Chr. stirbt Ramses an Altersschwäche und einer Blutvergiftung durch einen Abszess im Unterkiefer.

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