Im Austausch: Regierungspräsidentin Sylvia Felder im Gespräch mit BNN-Redaktionsleiter Klaus Gaßner.
Im Austausch: Regierungspräsidentin Sylvia Felder im Gespräch mit BNN-Redaktionsleiter Klaus Gaßner. | Foto: Hora

Direkter Kontakt geschätzt

Regierungspräsidentin Sylvia Felder sieht sich nicht als „Aktenfresserin“

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Bei ihrem Besuch in der BNN-Redaktion in Karlsruhe Anfang September 2019 erzählt Sylvia Felder von ihrer Arbeit als Regierungspräsidentin. Dabei spricht sie den Personalengpass in der Landesverwaltung ebenso an wie die Kritik der Kommunalpolitiker im Zusammenhang mit den Planungen zum Polder Rappenwört.

Wenn Sylvia Felder einst als Kind mit ihren Eltern vom heimischen Gernsbach hinüber ins Elsass fuhr, dann durfte ein Utensil nicht fehlen: der selbst gebastelte Ausweis für ihre Spielzeugpuppe. „Ich hatte Angst, dass sie ansonsten nicht mehr mit zurück darf“, erinnert sich lächelnd die heutige Regierungspräsidentin.

Zwischenzeitlich ist die Grenze in den Köpfen der Menschen weitgehend abgebaut. Doch die Behörden – vor allem die jenseits des Rheins – tun sich damit noch immer etwas schwer. „Ich fände es umgekehrt schlimmer“, erklärt Felder. „Wenn wir die Grenze noch in den Köpfen hätten und in den Verwaltungen nicht mehr.“

Felder fasziniert von Vielfalt der Themen

Seit April steht die 52-jährige Christdemokratin an der Spitze des Regierungsbezirks Karlsruhe, und seither ist die Juristin und frühere Landtagsabgeordnete fasziniert von der Vielfalt der Themen, um die sich die Mittelbehörde kümmern darf. Die Palette reicht vom Kunstankauf über die Apothekenaufsicht bis hin zur Ausbildung von Hufschmieden – mit Tausenden Fragen sind die rund 1.850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befasst.

Viele dieser Themen werden geräuschlos bearbeitet, andere finden mitten in der Öffentlichkeit statt. Etwa die Abwicklung von Straßensanierungen, die Autofahrer mitunter vor Rätsel stellen. Warum müssen zeitgleich die Fahrbahndecke der A8 zwischen Karlsbad und der Fächerstadt sowie der Zubringer bei Karlsbad erneuert werden? Wieso kann man die Reparatur der Rheinbrücken bei Wörth und Speyer nicht zeitlich trennen?

Regierungspräsidentin schätzt direkten Kontakt

„Die Kritik schlägt auch bei mir auf“, sagt die Regierungspräsidentin. „Wir können andererseits als Bürger auch froh sein, dass in Infrastruktur endlich wieder investiert wird.“ Bemerkungen wie diese kennzeichnen die Chefin der Großbehörde als pragmatische Kraft; wiewohl Juristin, sieht sich die Präsidentin nicht als Aktenfresserin, die sich wochen- und monatelang nicht aus ihrem Karlsruher Büro bewegt. Lieber ist sie draußen im direkten Kontakt mit der Bevölkerung, um dort politische Entscheidungen zu erklären und umzusetzen.

Wobei sie im Einzelfall auch jene Weichenstellungen vertreten muss, die sie als Politikerin selbst anders entschieden hätte. Aber, betont die Mutter dreier erwachsener Kinder: „Mir macht die Arbeit unheimlich viel Spaß.“

Personalengpass bleibt ein Problem

Daran vermag vorderhand auch der um sich greifende Personalengpass nichts grundsätzlich zu ändern, der derzeit auch der Schlagkraft der Landesverwaltung zusetzt. „Von einem Notstand der Verwaltung möchte ich noch nicht sprechen“, erläutert Sylvia Felder. Man sei weiterhin arbeits- und leistungsfähig, „aber wir können tatsächlich nicht alle Stellen so besetzen wie wir uns das wünschen“.

Davon legen auch die Ausgaben für Stellenausschreibungen Zeugnis ab: Im Vergleich zur Praxis noch vor wenigen Jahren investiere man heute 500 Prozent mehr. Nicht nur des Personalmangels wegen dauern die Planungsvorgänge des Hauses mitunter lange. Man habe schließlich auch hohe Standards bei Technik, Umweltschutz sowie Lärm- und Nachbarschutz. Und – auch dies müsse klar sein – mehr Bürgerbeteiligung führe in der Regel auch zu längeren Zeiträumen.

Wir müssen für den Worst Case planen

Verbindlich im Tonfall, deutlich in der Sache äußert sich die Regierungspräsidentin auch zur Kritik Karlsruher Kommunalpolitiker an der Mittelbehörde im Zusammenhang mit den Planungen zum Polder Rappenwört. Dem Vorwurf, ihr Haus bewege sich keinen Millimeter und plane nach Gutsherrenart, hält sie die Ernsthaftigkeit des Themas entgegen. Das Land habe den Hochwasserschutz zu gewährleisten und mache seine Planung schließlich nicht im Blauen. Zusagen zu machen, führe im Zweifel zu Einbußen an der Sicherheit, gibt Felder zu bedenken. Und das sei nicht Sinn von Hochwasserschutz. „Wir müssen für den Worst Case planen.“

Felder sieht Krise überwunden

Dem Regierungspräsidium Karlsruhe obliegt neben seinen weiteren Aufgaben auch die landesweite Steuerung von Aufnahme, Unterbringung und Verteilung von Flüchtlingen. Dieses Großthema stellte die Behörde 2015 vor erhebliche Probleme, als innerhalb kurzer Zeit Tausende Migranten kamen. Man sei aus der Krise gestärkt hervorgegangen, betont Sylvia Felder und bescheinigt ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den zuständigen Abteilungen hervorragende Arbeit.

Beim Thema Belegung fahre man stets auf Sicht. Man dürfe jetzt nicht alle Unterbringungs-Kapazitäten herunterfahren, sondern müsse je nach Lage reaktionsfähig bleiben. Stets würden Kapazitäten gesucht, entwickelt und saniert. Unvorbereitet sei man nicht, versichert die Regierungspräsidentin mit Blick auf die Zukunft.

Zur Person Sylvia Felder

Sylvia Felder hat eine steile Karriere hingelegt. Von 1999 bis 2013 war die 1967 geborene Karcher Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Rastatt, von 1996 bis 2019 war sie Mitglied des Kreistages im Landkreis Rastatt, zudem seit 2014 Gemeinderätin in Gernsbach.
Über das Zweitmandat kam sie 2016 in den Landtag nach Stuttgart, im April 2019 wurde sie als Nachfolgerin der Sozialdemokratin Nicolette Kressl Regierungspräsidentin des Regierungsbezirks Karlsruhe. CDU-Landeschef Thomas Strobl hatte sich für die katholische und bestens vernetzte Murgtälerin stark gemacht. Als Regierungspräsidentin fungiert sie als Vertretung der Landesregierung auf der Ebene des Regierungsbezirks.