Nashorn Sudan
Vor der Ausrottung besuchten Matthias Reinschmidt und Frank Elstner für "Elsterns Reisen" Sudan, den letzen nördlichen Breitmaulnashorn-Bullen in Kenia. | Foto: Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe

Reinschmidt bei Dreharbeiten

Mit „Elsters Reisen“ beim letzten nördlichen Breitmaulnashorn-Bullen

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Nach dem Dreh ist vor dem Dreh: „Die Retter der Nashörner“ heißt die nächste Episode von „Elstners Reisen“, für die Zoodirektor Matthias Reinschmidt gemeinsam mit Moderator Frank Elstner mehrfach nach Kenia reiste. Nun ist der Film geschnitten, und als Sendetermin steht der Dreikönigstag 2019 fest. Schon am Donnerstag aber bricht das Duo zu Dreharbeiten für die siebte Folge der Artenschutz-Dokumentationen auf. Haien vor den Bahamas wird sich diese maßgeblich widmen, verrät der Zoochef. Drei Urlaubswochen investiert er in den Dreh, für den er mit einer Tierart tauchen wird, deren Bedrohung den Menschen kaum bewusst ist. Und die zudem eine enorm wichtige Funktion im Ökosystem hat. Ebenfalls Thema des Filmes werden Seekühe sein, die das Team bei Miami beobachten möchte.

Unheimlich bildstark und sehr eindrücklich

Dem Nashorn-Film fehlt noch der Ton, Reinschmidt hält ihn aber bereits für den Besten der Reihe: „Er ist unheimlich bildstark und sehr eindrücklich“, sagt er. Die Weite der Savanne mit Löwenrudeln, Zebras, Giraffen und Antilopen fängt die Kamera ein, Elefanten begegnen den Tierfilmern bei der Safari, und im Solio Nationalpark treffen Elstner, Reinschmidt und Co auf südliche Breitmaul- und Spitzmaulnashörner. Auch eine Station, die verletzte Meeresschildkröten aufnimmt und aufpäppelt, besuchte das Team. Nicht nur eine Wiederauswilderung, sondern auch das Schlüpfen Hunderter Junger ist im Film festgehalten. „Erst schaut nur ein kleines Köpfchen raus – offenbar der des Wachposten“, erzählt der Zoochef. „Irgendwann gibt es ein Signal, ein Wabern setzt ein – und dann wuseln alle gemeinsam zum Meer“, beschreibt er, was er im Schein seiner Kopflampe beobachten konnte.

Begegnung mit dem letzten nördlichen Breitmaulnashorn-Bullen

Absoluter Höhepunkt der Dreharbeiten war für Reinschmidt die Begegnung mit Sudan, dem weltweit letzten nördlichen Breitmaulnashorn-Bullen im Ol Peteja Reservat. Die ihm selbst sehr nahe ging, wie er einräumt. „Wir waren das letzte westliche Fernsehteam, das Sudan noch gefilmt hat, ehe er im März eingeschläfert werden musste“, schildert Reinschmidt. 200 Tiere der Art habe es vor 50 Jahren noch gegeben, nun seien nur noch zwei Nashornkühe – eine Tochter und eine Enkelin Sudans – übrig. „Da habe ich zum ersten Mal das große Scheitern der Menschheit hautnah erlebt“, sagt der Zoodirektor. „Es ist so eine charismatische Tierart – die wir nicht vor der Ausrottung retten konnten.“

Das große Scheitern der Menschheit

Viele hätten letztlich um die Art gekämpft, aber erst, als es schon zu spät gewesen sei. „Das ist auch der Impuls, den ich daraus mitnehme“, so der Zoochef: „Man muss früher anfangen“. Sind von einer Art nur noch ein paar 100 Tiere da, seien die schnell dahingerafft, wenn etwa eine Krankheit dazu komme. „Sudans Beispiel führt uns die Verletzlichkeit der Tierwelt klar und deutlich vor Augen“, findet Matthias Reinschmidt. Frustrierend sei dies, für ihn aber auch motivierend: „Es spornt mich an, mich weiter intensiv für den Artenschutz zu engagieren“, sagt er.

Ein Strohhalm

Einen Strohhalm für die nördlichen Breitmaulnashörner gebe es: Mit Sudans Sperma und eingefrorene Eizellen könne man das Verschwinden der Art vielleicht noch hinauszögern. „Ob dies gelingt, ist aber fraglich, und die genetische Basis ist dünn“, gibt Reinschmidt zu bedenken.

Spitzmaulnashörner umgesiedelt

 

Für andere Nashorn-Arten ist es, auch durch skrupellose Wilderer, in vielen Gebieten eng geworden. Bei der Umsiedlung dreier Spitzmaulnashörner aus einem Schutzgebiet in den Tsavo Nationalpark durch die kenianische Wildtierbehörde und den WWF waren Reinschmidt und Elstner dabei. Aus dem Hubschrauber wurden die Dickhäuter betäubt und in ihrer Aufwachphase von 30 Mann in die Transportkiste manövriert, schildert der Zoochef, der mit anpackte. In der Morgendämmerung wurden die Tiere dann in den Nationalpark entlassen – Bilder, mit denen die sechste Folge von „Elstners Reisen“ endet.

Scheitern inklusive

Der tragische Fortgang wird wahrscheinlich im Abspann geschildert: Keines der in mehreren Transporten umgesiedelten Tiere überlebte lange in der neuen Umgebung. Im Verdacht steht, dass das Wasser mit seinem hohen Salzgehalt den Nashörnern zusetzte. „Der Film ist eine Momentaufnahme und zeigt, welche Anstrengungen unternommen werden müssen, um zu reparieren, was die Menschen kaputt gemacht haben“, sagt Reinschmidt. „Und Scheitern ist dabei immer möglich.“

Sendetermine

Über den Nashorn-Film und die kommenden Dreharbeitern sprechen Frank Elstner und Matthias Reinschmidt auch am Dienstag, 23. Oktober, in der SWR-Landesschau ab 18.30 Uhr. Sendetermin für „Elsters Reisen: Die Retter der Nashörner“ ist am 6. Januar 2019 um 20.15 Uhr im SWR.

 

Die Artenschutzdokus „Elstners Reisen“ sind für den Medien-Umweltpreis der Deutschen Umwelthilfe nominiert. Dieser würdigt herausragende Leistungen, die sich mit der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen auseinandersetzen. Unter 120 Vorschlägen stehen nun fünf zur Abstimmung durch das Publikum: Neben Frank Elstner und Matthias Reinschmidt („Elstners Reisen“) sind dies Andreas Kieling („Terra X: Kielings wilde Welt“), Sigurd Tesche („Der blaue Planet“), Meike Gebhard (Nachhaltigkeits-Plattform utopia.de) und Ralph Ruthe (Cartoons zum Umweltschutz). Hier kann man noch bis 28. Oktober abstimmen.