Hilfeschrei nach Berlin: Reisebüro-Besitzer wie Savas Selvi (links) oder Jürgen Reiss (rechts) müssen bereits erwirtschaftete Provisionen zurückzahlen. | Foto: jodo

Krise der Tourismusbranche

Reisebüros protestieren in Karlsruhe für schnelle finanzielle Hilfen

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Reisebüro-Besitzer haben am Mittwoch schnelle finanzielle Hilfen durch die Regierung gefordert. Erstmals demonstrierten Unternehmer aus Karlsruhe und Umgebung auf dem Marktplatz. Auch in anderen deutschen Städten machten Betroffene auf die existenzbedrohende Lage der 11.000 Reisebüros in Deutschland aufmerksam. Sie haben aufgrund der Corona-Pandemie keine Einnahmen, müssen aber laufende Kosten wie Mieten zahlen.

In seiner Rede forderte Robert Ochs, Reisebüro-Besitzer in Linkenheim, einen Hilfsfonds für die Betroffenen. Der soll in erster Linie die Kosten der Reisebüros aus den vergangenen Monaten decken. „Unsere Dienstleistung ist gerade völlig wertlos“, sagte Ochs. Reisebüros müssen sich um die Rückabwicklung stornierter Buchungen kümmern. Dabei verdienen sie kein Geld.

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Zudem müssten die Unternehmen Provisionen, die sie seit Buchungsstart für 2020 bereits erwirtschaftet hatten, nun wieder zurückzahlen. In der Gesetzgebung fehle ein Abschnitt, der die Unternehmen vor einer solchen Krisensituation schütze, betonte Ochs.

Reisebüro-Besitzer Reiss hat Mitarbeiter entlassen

Der Karlsruher Reisebüro-Besitzer Jürgen Reiss hat beide Mitarbeiter entlassen. Er arbeitet jetzt alleine. „Der Kunde kriegt sein Geld zurück, für uns bleibt nichts“, erklärte Reiss. Neubuchungen gibt es keine. Die Rückabwicklung sorgt dafür, dass er noch Arbeit hat.

Doch Reiss macht sogar Verluste. Der Reisebüro-Inhaber hofft, dass die Regierung auf die bundesweiten Demos am Mittwoch reagiert und den Reisebüros einen „Auffangschirm“ bietet.

Sarah Schüßler aus Jockgrim hat die Veranstaltung organisiert. „Die müssen uns hören, den ganzen Tag“, sagte sie. Insgesamt hätten sich über 150 Interessierte gemeldet. Aufgrund der Corona-Richtlinien konnten am Mittwoch maximal 50 Personen teilnehmen. Zudem herrschte Mundschutzpflicht. Über Facebook hat Schüßler die Demo koordiniert.

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Weitere Demos in den kommenden Wochen

Savas Selvi war auch unter den Demonstranten. Der Reisebüro-Besitzer hat in den vergangenen Wochen dreimal Soforthilfen beantragt, aber kein Geld bekommen. Nun hat er seinen Standort in der Innenstadt aufgegeben und hundertprozentige Kurzarbeit angemeldet. Jetzt arbeitet er erst mal von zu Hause aus.

Nach der Krise plant Selvi, neue Räume für sein Unternehmen zu suchen. Ein kleiner Lichtblick sind Neubuchungen für 2021. In den kommenden Wochen sollen weitere Demos stattfinden. Selvi will wieder dabei sein.

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