Zurück in die 1980er Jahre: Konsolen- und Computerspiele von damals konnten bei der Retrothek in der Stadtbibliothek getestet werden – ausgiebiges Fachsimpeln zu den Retro-Games inklusive.
Zurück in die 1980er Jahre: Konsolen- und Computerspiele von damals konnten bei der Retrothek in der Stadtbibliothek getestet werden – ausgiebiges Fachsimpeln zu den Retro-Games inklusive. | Foto: Jodo

Pac-Man-Automat steht noch

„Retrothek“ in der Stadtbibliothek: Zocken wie vor 40 Jahren

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Wo sonst nur das Rascheln der Buchseiten zu hören ist, brummten und surrten am Samstag zahlreiche betagte Computer und Spielkonsolen vor sich hin: Die Stadtbibliothek hatte wieder Retro-Game-Fans und Spielebegeisterte eingeladen, ihre liebsten Konsolen und Computer der 1970er bis 1990er Jahre mitzubringen und zu präsentieren.

Von unserem Mitarbeiter David Kuhn

Die Veranstaltung „Retrothek“ ins Leben gerufen hat vor einem Jahr Anna Christina Naß, Mitarbeiterin der Bibliothek und selbst großer Fan solcher Retro-Games. „Ich war schon bei ähnlichen Veranstaltungen in ganz Deutschland. Da entstand die Idee, so etwas auch hier zu veranstalten“, erklärt sie.

Hardware oder Software ist in der Szene egal

Bei solchen Events zeige sich vor allem die Community, die sich hinter dem Hobby Retro-Games verberge. „Wir haben Leute, die sich mit Software auskennen und andere, die Hardware. Man hilft sich immer gegenseitig aus.“ Neben vielen bekannten und vor allem weit verbreiteten Geräten wie dem Commodore64 oder dem Amiga, gab es auch einige seltenere Exemplare zu bestaunen: So konnten sich die Besucher etwa an NeXT-Cube – einem eher unbekannteren Werk Steve Jobs – ausprobieren oder einen Robotron aus ostdeutscher Produktion in Augenschein nehmen.

Alten Spielekonsolen Erinnerung an die Jugend

Für Mario Berluti, Pressesprecher des Vereins Retrogames aus Karlsruhe, sind die alten Spielekonsolen vor allem Erinnerung an die Jugend. „Man ist mit diesen Geräten aufgewachsen, und damit kann man sich die Jugend so ein Stück zurückholen“, meint er. Auch Benedikt Gerstner, Vorsitzender des Vereins, verbindet mit den Spielen Kindheitserinnerungen. Daneben seien die Spiele aber auch einzigartiger gewesen als die aktuellen Erscheinungen. „Heute sind viele Spiele darauf angelegt, möglichst vielen zu gefallen. Der Unterhaltungswert sinkt dadurch“, findet er.

Ersatzteile sind für die Sammler ein Problem

Während über die Bildschirme flackernde bunte Bilder liefen und aus den Lautsprechern fröhliche Soundeffekte erklangen, sah man die Experten und Sammler die meiste Zeit fachsimpelnd um ihre Geräte versammelt. Zum Erhalt solcher Computer und Spielekonsolen ist viel Arbeit und Fachwissen notwendig, wie Klaus-Peter Berg erzählt: „Es wird mit der Zeit vor allem immer schwerer, Ersatzteile zu bekommen. Das ist das größte Problem.“

50.000 Euro-Rechner aus dem Jahr 1973

Neben den Geräten, die für den Spielbetrieb gemacht sind, hatten einige Sammler auch reine Arbeitsrechner mitgebracht, etwa alte Mac-Computer oder auch einen Rechner der Firma Wang von 1973, den es damals für stolze 50.000 D-Mark zu kaufen gab.

Pac-Man kann noch gespielt werden

Tobi Baumann war ursprünglich nur in die Bibliothek gekommen, um sich dort anzumelden, dann aber auf die Veranstaltung aufmerksam geworden und nach einem kurzen Rundgang begeistert. „Ich habe früher auch Gameboy und mit Spielkonsolen gespielt, da war immer schon Interesse da“, sagte der Student.
Wieder verschwunden ist das Gaming-Fieber nicht aus der Stadtbibliothek: Noch einige Tage wird im Eingangsbereich ein kostenloser Pac-Man Automat zum Spielen stehen, den der Verein Retrogames als Leihgabe zur Verfügung stellt.