Ein Obdachloser betritt am 14.12.2017 auf dem Gelände der Bayernkaserne in München (Bayern) die Nachtunterkunft für Obdachlose. Von November bis Ende April können Obdachlose beim Kälteschutzprogramm der Stadt München in der Bayernkaserne über die Nächte vor der Kälte Zuflucht finden. (zu dpa "Kartoffelpüree und Kälteschutz für Obdachlose im Winter" vom 20.12.2017) Foto: Matthias Balk/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Ein warmer Zufluchtsort ist für Obdachlose besonders in kalten Winternächten überlebenswichtig. | Foto: dpa

Obdachlose in Karlsruhe

Rettungsanker in kalten Nächten

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Wenn im Spätwinter Eiseskälte durch die Stadt fegt, dann ist froh, wer ein warmes Heim hat. Die Obdachlosen der Fächerstadt haben ganzjährig verschiedene Anlaufstellen. Speziell für die Winternächte gibt es zusätzlich den Erfrierungsschutz, der von Mitte Oktober bis Mitte April eine Notfall-Übernachtungsmöglichkeit für Männer und Frauen bietet.

Trotz des Kälteeinbruchs der vergangenen Tage ist die Lage in den beiden Karlsruher Einrichtungen nicht angespannter als sonst. „Wir sind natürlich voll belegt“, erklärt Jürgen Lampert, Leiter des Erfrierungsschutzes für Frauen der AWO im ehemaligen Hotel „Anker“ in Mühlburg. Regulär stehen dort acht Plätze zur Verfügung, aktuell sind mit Beistellbetten zehn Frauen untergebracht. „Vermutlich werden wir damit auch rumkommen“, meint Lampert.

Im „Hotel Anker“ finden obdachlose Frauen Zuflucht

Es könne zwar immer sein, dass noch jemand von außerhalb über die Bahnhofsmission vermittelt werde, aber die meisten seien regelmäßige Gäste im „Hotel Anker“. Gerade Frauen fänden oft auch andere Übernachtungsmöglichkeiten, etwa indem sie sich die Gunst von Männern zunutze machten oder bei Bekannten und Verwandten unterkämen.

„Wir haben nicht mehr Andrang als sonst, das wundert uns selbst“, sagt Uwe Schlindwein vom Erfrierungsschutz für Männer, der in Trägerschaft der Stadt Karlsruhe in der Innenstadt eingerichtet ist. Über den Winter hinweg habe man immer um die 30 Männer mit Schlafplätzen versorgt. „Letzte Nacht waren es 33. Von einem sprunghaften Anstieg kann man da nicht sprechen. Mit unseren 56 Plätzen kommen wir immer gut hin“, so Schlindwein.

Mit der Wohnungsnot steigen auch die Obdachlosen-Zahlen

Die Vorkehrungen seien in besonders frostigen Phasen nicht anders als sonst, erklärt Sonja Rexhäuser von der Fachstelle Wohnungslosenhilfe der Stadt Karlsruhe. „Der Erfrierungsschutz ist im Winter immer offen.“ Änderungen gebe es allenfalls, wenn an sehr kalten Tagen außerhalb der Saison die Einrichtungen außerplanmäßig öffneten.

Die Anzahl der wohnungslosen Personen in Karlsruhe, die jeweils am Ende des Jahres für die Statistik erfasst wird, ist seit 2011 (235) kontinuierlich gestiegen: Ende 2016 waren 579 Menschen als wohnungslos aufgeführt, für 2017 nennt Rexhäuser die Zahl 548 – doch das könne von Monat zu Monat sehr schwanken. „Karlsruhe ist stark gewachsen, da ist der Wohnungsmarkt einfach nicht mitgekommen.“

Manche sind Profis im Draußenbleiben

Gegen die Obdachlosigkeit steuere die Stadt unter anderem beim städtischen Wohnungsbau und mit Sozialarbeit. „Wenn wir nichts tun würden, hätten wir locker das Doppelte an Zahlen.“ Doch sei nicht jeder Wohnungslose bereit, Hilfe anzunehmen. Diese Menschen fänden andere Wege, auf der Straße zurechtzukommen. „Manche sind richtige Profis im Draußenbleiben“, meint Rexhäuser. Eine Frau etwa sei schon lange Jahre „draußen“, die habe einen guten Schlafsack und fahre einige Stunden S-Bahn, wenn es allzu kalt werde.

Dennoch: Wer einen Obdachlosen bemerke, der Hilfe brauche, solle nach Möglichkeit auf die Angebote der Stadt hinweisen und im Zweifel Polizei oder Rettungsdienst rufen, so Rexhäuser.

Der Erfrierungsschutz für wohnungslose Männer der Stadt Karlsruhe ist in der Kriegsstraße 88 untergebracht. Wohnungslose Frauen finden im ehemaligen Hotel „Anker“ der AWO in der Lameystraße 36 Schutz vor der Kälte. Beide Einrichtungen sind von Mitte Oktober bis Mitte April täglich zwischen 19.30 und 8 Uhr geöffnet.