Die Kanutinnen der Rheinbrüder Karlsruhe beim Müll-Sammeln auf dem Rhein. Die Vereine des Kanukreises Karlsruhe haben schon des Öfteren ihren Fluss vom Abfall befreit. | Foto: Adelheid Lange/ Privat

Aktionstag am 14. September

„Rhine Clean Up“: So soll der Rhein bei Karlsruhe und Rheinstetten vom Müll befreit werden

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Von der Quelle bis zur Mündung: 1233 Kilometer ist der Rhein lang, fließt von den Alpen bis zur Nordsee durch sechs europäische Länder. Das Projekt „Rhine Clean Up“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ufer des Flusses zu reinigen. In diesem Jahr soll am 14. September auch in Karlsruhe, Rheinstetten, Au am Rhein und Dettenheim-Rußheim Müll gesammelt werden.

Der Rhein zählt zu den verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt, an seinen Ufern picknicken die Menschen, gehen spazieren oder joggen. Doch der Fluss hat auch ein Problem: den Müll.

Das kennen auch die Sportler des Kanukreises Karlsruhe nur zu gut. Dessen fünf Vereine sammelten immer wieder im und entlang des Rheins Müll, wie Anke Worch, die Leiterin der Kanuabteilung, erzählt. Auch am 14. September werde man dabei sein. Das größte Problem sind laut Worch Flaschen aus Plastik und Glas, dazu Flachmänner, Feuerzeuge, Tüten und Kleidung. Wenn die Kanuten auf dem Rhein unterwegs sind, schwimme ihnen auch schon einmal eine Tüte mit Hausmüll entgegen.

„Wir haben schon Autoreifen, Kühlschränke, Fahrräder und Golduhren gefunden“, bestätigen auch Joachim Umbach und Ingo Lentz den Trend zu unerwarteten Entdeckungen an und im Wasser. Sogar eine Handgranate war dabei. Umbach und Lentz sind zwei der drei Initiatoren von „Rhine Clean Up“.

Was ist „Rhine Clean Up“?

Die große Müll-Sammelaktion findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. In über 100 Kommunen in Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden und Liechtenstein werden die Bürger am Samstag, 14. September, den Müll an den Ufern des Rheins einsammeln – auch in Karlsruhe, Rheinstetten, Au am Rhein und Dettenheim-Rußheim wird es in diesem Jahr Stationen geben.

Zahlreiche Glasflaschen, Plastik und ein alter Reifen: Einige Menschen hinterlassen Dinge im Rhein, die dort nicht hingehören. | Foto: Anke Worch/ Privat

Die Fächerstadt hätte bereits an der Auftakt-Aktion 2018 teilnehmen können – damals scheiterte es an zu geringem Interesse aus der Bevölkerung. Für dieses Jahr gebe es aber bereits zahlreiche Anmeldungen, wie das Amt für Abfallwirtschaft Karlsruhe, das die Organisation vor Ort übernommen hat, versichert.

Wer kann mitmachen?

Grundsätzlich jeder. Einen Organisator vor Ort müsse es geben, erklären die Initiatoren. Das können die Kommune selbst, Vereine, Organisationen oder Unternehmen sein. Einzige Voraussetzung: Die Entsorgung des gesammelten Mülls muss gewährleistet sein. Interessierte Bürger können sich dann einfach einer Gruppe anschließen und mitsammeln.

In Rheinstetten hat sich die Stadt selbst den Aktionstag zur Aufgabe gemacht. Als er die Sache auf seinem Schreibtisch vorliegen hatte, habe er keine Minute gezögert, sagt Oberbürgermeister Sebastian Schrempp: „Es stand von vornherein fest, dass wir mitmachen.“ Erst recht, nachdem nach einer Putzete der Stadt im Frühjahr der Wunsch nach weiteren Aktionen aus der Bevölkerung kam.

Müll ist ein offensichtliches Problem.

Sebastian Schrempp, OB der Stadt Rheinstetten, die beim „Rhine Clean Up“ mitmacht

Gemeinsam mit der Nachbargemeinde Au am Rhein im Kreis Rastatt werde man sammeln. Mülltüten, Greifer und Handschuhe stelle man selbst, um große Müllcontainer kümmere sich das Landratsamt Rastatt, so Schrempp. Da zu Rheinstetten nur 1,5 Kilometer Rheinufer gehörten, kümmern sich die freiwilligen Helfer am 14. September auch um den nahe gelegenen Fermasee und den Federbach. Bei Hochwasser oder starkem Sturm werde die Aktion nicht stattfinden können, so der Rathauschef. Das werde dann am Tag zuvor auf der Website der Stadt bekannt gegeben.

Rheinstettens Oberbürgermeister Sebastian Schrempp. | Foto: jcw

„Müll ist ein offensichtliches Problem“ sagt Schrempp, vor allem an Stellen, an denen man gut mit dem Auto vorfahren könne. Kanister, Plastik, zum Teil ganze Straßenschilder: Der Rhein treibe Einiges an die Ufer. Auch Baustellenkegel aus Frankreich seien schon angeschwemmt worden. „Gott sei Dank“, so Schrempp, gebe es genügend Menschen, die mit offenen Augen durch die Welt liefen. Er ist überzeugt, dass der Aktionstag auf viel Zuspruch stoßen wird.

Mitmachen: So geht’s
Auf der Website von „Rhine Clean Up“ gibt es die Optionen „Mitmachen“ und „Organisieren“. Helfer können sich einen Ort von der Quelle bis zur Mündung des Rheins heraussuchen, an dem die Voraussetzungen für die Sammelaktion bereits gegeben sind. Wer noch ein Fleckchen am Rhein kennt, an dem der Aktionstag noch nicht stattfindet, kann ihn dafür organisieren. In der Region gibt es Stationen in Karlsruhe, Rheinstetten, Au am Rhein und Dettenheim-Rußheim. Die Treffpunkte sind um 9 Uhr morgens am Parkplatz der Rheinfähre Rheinstetten-Neuburgweier sowie jeweils um 10 Uhr bei den Bootshäusern Rappenwörth, der Rheinbrücke Maxau und am Kombihof im Dettenheimer Teilort Rußheim.

Wie läuft die Aktion am 14. September ab?

Ab 10 Uhr wird gesammelt. An der Sammelstelle werden die Helfer mit Müllsäcken und Handschuhen, Westen und Greifern ausgestattet. Offizielles Ende ist um 13 Uhr. Wer nach einer Stunde schon genug habe, könne auch dann schon aufhören, so Umbach.

In Karlsruhe wird der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller vor Ort mithelfen. In den vier Bundesländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen, die am Rhein liegen, übernehmen die jeweiligen Umweltminister die Schirmherrschaft für das Projekt.

Wer steckt hinter „Rhine Clean Up“?

Joachim Umbach ist Journalist, war Chefredakteur der „Schwäbischen Zeitung“ und zuletzt dort als Mediendirektor tätig. Aufgewachsen ist der 70-Jährige in der Rhein-Metropole Düsseldorf. Mitinitiator Ingo Lentz kommt aus Gütersloh in Ostwestfalen und war Sprecher der Messe Düsseldorf. Der Dritte im Bunde ist Thomas de Groote, im Hintergrund arbeiten noch drei bis vier Helfer. Die „Rhine Clean Up“ ist eine gemeinnützige GmbH, Umbach und die anderen sind ehrenamtlich tätig.

Was sind die Ziele der Organisatoren?

Umbach und Lentz wünschen sich 20.000 Teilnehmer in 100 Kommunen. Letzteres sei nach derzeitigem Stand der Anmeldungen schon erreicht. 200 Tonnen Müll sollen in diesem Jahr gesammelt werden. Im vergangenen Jahr hatten 10.000 Menschen in 59 Kommunen rund 100 Tonnen Abfall zusammengetragen.

Joachim Umbach, „Rhine Clean Up“ | Foto: Falk

Wir wissen, dass wir mit einer Aktion an einem Tag die Welt nicht retten.

Was fehlt den Organisatoren in der aktuellen Klimadebatte?

„Im Moment geht vieles in die richtige Richtung“, sagt Umbach, das politische Klima sei ein Anderes geworden. Dennoch: „Machen statt Reden“, fordert Mitstreiter Lentz.

Was würden beide gerne Bundesumweltministerin Svenja Schulze sagen?

„…fragen, ob sie die nächste Schirmherrschaft übernehmen möchte“, sagt Lentz. Neue Gesetze brauche es gar nicht groß, ergänzt Umbach, die Bestehenden müssten nur richtig angewendet werden. Er beklagt, dass es in Sachen Recycling in den vergangenen 20 Jahren keinen Innovationsschub gegeben habe.

Ingo Lentz, „Rhine Clean Up“ | Foto: Falk

Wir sind keine Wilden, die auf Bäume klettern – wir machen es handfest.

Wie soll es mit dem Projekt weitergehen?

Umbach und Lentz wollen „Rhine Clean Up“ noch größer machen. Gerade im Raum Karlsruhe sind die Organisatoren zuversichtlich, noch mehr Kommunen zum Mitmachen bewegen zu können. „Da ist noch Potenzial“, so Umbach. Am Niederrhein, etwa in Düsseldorf, würden alle mitmachen – das Gleiche wünschen sich die beiden 70-Jährigen nun für den Süden.

„Wir sind ziemlich sicher, dass man noch Einiges von der Sache hören wird“, so Lentz. Mit dem Gedanken, sich zukünftig auch um die Nebenflüsse des Rheins, etwa Main, Neckar und Ruhr, zu kümmern, befasse sich das Team bereits.