Christian Wehle, Gründer von "Bock auf Karlsruhe", findet es schade, wenn Kommilitonen nichts über ihre neue Heimatstadt wissen. Mit seiner Empfehlungsplattform will er da eine Lücke schließen. | Foto: jodo

Karlsruher Start-up

Richtig Bock auf gute Ausgeh-Tipps

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Wohin in Karlsruhe und was unternehmen? Diese Frage stellt nicht nur Erstsemester und Karlsruhe-Neulinge vor eine Herausforderung. Das Start-up „Bock auf Karlsruhe“ will da Abhilfe schaffen. Im BNN-Gespräch mit Christel Manzey spricht „Bock“-Gründer Christian Wehle über die Idee für sein Unternehmen und wie er sich sein Insiderwissen über Karlsruhe angeeignet hat.

Was genau ist „Bock auf Karlsruhe“ und wie funktioniert es?

Wehle: „Bock auf Karlsruhe“ ist eine Online-Empfehlungsplattform für Locations und Events, auf der junge Menschen – insbesondere Studenten – persönliche Empfehlungen in unterschiedlichen Kategorien weitergeben können.

Wer kann Ihre Plattform nutzen?

Wehle: Die Plattform ist offen für alle. Studenten haben allerdings den Vorteil, dass sie sich mit ihrer Hochschul-E-Mail-Adresse registrieren können und so für ihre Bewertungen virtuelle „Bock“-Punkten bekommen, die sie für Gutscheine einlösen können, zum Beispiel für ein Freibier im Café Nun, ein Eis im Goldzünglein oder einen Monat Swapfiets.

Sie sind jetzt seit einem Monat online. Wie hat sich „Bock auf Karlsruhe“ denn bislang geschlagen?

Wehle: Wir haben aktuell knapp 100 Locations in unterschiedlichen Kategorien eingetragen und knapp 200 registrierte Nutzer. Die Homepage wird inzwischen von 300 bis 500 Nutzern pro Tag aufgerufen. Auch auf Instagram bekommen wir derzeit jede Woche fast 100 Follower dazu. Vor allem zur Orientierungsphase zum Start des kommenden Wintersemesters wollen wir verstärkt präsent sein, um die Neu-Ankömmlinge in der Stadt gebührend zu begrüßen und weiter zu wachsen.

Wie sind Sie auf die Idee zu „Bock auf Karlsruhe“ gekommen?

Wehle: Das erste Mal kam mir die Idee, als ich zu Beginn meines Masterstudiums wieder vermehrt Kontakt mit Erstsemestern hatte. Die haben mich immer wieder gefragt, wo denn hier die wirklich coolen und angesagten Locations sind, wo sie Gleichgesinnte treffen, möglichst viel Bier für möglichst wenig Geld bekommen können und ähnliches. Immer wieder wurde außerdem nach einer Übersicht gefragt, mit der man die passenden Events in der Stadt für sich entdecken kann. Irgendwann haben die vielen Fragen fast schon ein bisschen genervt und ich dachte mir: Dieses Problem muss man doch lösen! Es gab bis dahin keine Plattform, auf der junge Menschen ihre Erfahrungen in Karlsruhe an andere weitergeben konnten. Ich habe außerdem leider sehr viele Leute kennengelernt, die schon drei, vier Jahre in Karlsruhe leben, aber nichts über die Stadt wissen. Die waren zum Beispiel noch nie in der „Klotze“ oder am Rhein. Das hat mich noch weiter motiviert, die Idee tatsächlich umzusetzen.

Sie sind selbst kein gebürtiger Karlsruher. Wie haben Sie sich denn das Insiderwissen über die wirklich coolen Locations in Karlsruhe angeeignet?

Wehle: Durch fünf Jahre neugieriges Leben in Karlsruhe. Ich gehe zum Beispiel ungern immer in die gleiche Kneipe und will immer wieder neue Locations ausprobieren. So habe ich mit vielen anderen Studenten und jungen Menschen gesprochen und viele Quellen zusammengetragen. Aber sich so ein Wissen aufzubauen, dauert natürlich seine Zeit.

„Bock“-Gründer Christian Wehle mit Praktikant Nils Fiedler | Foto: jodo

Es gibt für Karlsruhe auch andere Websites, die sich mit Freizeitgestaltung oder Nightlife beschäftigen. Was macht Ihre denn besonders?

Wehle: Wir konzentrieren uns ganz bewusst auf die junge Zielgruppe, vor allem auf Studenten, die von unserem Gutschein-Angebot profitieren. Dadurch können wir im Vergleich zu anderen Plattformen eine viel höhere Dichte an relevanten Informationen vorweisen. Bei uns bestimmen außerdem die Nutzer selbst, welche Locations sie auf der Plattform haben wollen. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal von „Bock auf Karlsruhe“ ist, dass wir mit unserer Zielgruppe sehr intensiv über Social Media interagieren und so den Community-Charakter stärken.

Wie ist bisher die Resonanz bei den Studenten und den kooperierenden Unternehmen?

Wehle: Die Resonanz bei den Studenten ist sehr, sehr positiv. Viele bieten ihre Unterstützung an und wollen Teil des Teams sein. Das Feedback der Unternehmen ist ebenfalls sehr positiv: Sie bestätigen den Bedarf und sind froh, durch unsere Plattform diese junge Zielgruppe zu erreichen. Wir haben eine stetig wachsende Liste mit möglichen Kooperationspartnern, nicht nur mit Gastronomen, sondern auch mit Kultureinrichtungen wie zum Beispiel dem Tollhaus, Substage, Kohi oder auch dem Badischen Staatstheater.

Die ersten Schritte sind jetzt gemacht. Wie geht es weiter mit „Bock auf Karlsruhe“?

Wehle: Aktuell gilt es vor allem, die Reichweite zu erhöhen, sodass noch mehr Menschen von uns und unserem Angebot erfahren. Langfristig wollen wir die Plattform so weiterentwickeln, dass sie ab einem gewissen Zeitpunkt für uns auch finanziell tragbar ist. Da sind wir mit unseren Kooperationspartnern, wie beispielsweise dem Wissenschaftsbüro der Stadt Karlsruhe, aber bereits auf einem guten Weg. Auch eine native App ist geplant. Und die ganz große Vision ist natürlich, dass es irgendwann nicht nur „Bock auf Karlsruhe“ gibt, sondern auch „Bock auf Stuttgart“, „Bock auf München“ oder „Bock auf Berlin“. Wir wollen irgendwann mit dem „Bock“ ganz Deutschland erobern, aber hier in Karlsruhe erst mal starten.

Haben Sie einen Tipp für künftige Gründer?

Wehle: Es gibt in Karlsruhe erfreulicherweise eine sehr lebendige Start-up- und Gründerszene, die sich gegenseitig hilft. Es gibt einige Institutionen, die Gründer unterstützen oder ihnen beratend zur Seite stehen, an der Hochschule für Technik und Wirtschaft zum Beispiel das „G-Lab“ oder den Verein „Innovate“, am KIT die „Pioniergarage“ oder das „CIE“ und für digitale Start-ups generell das „Cyberforum“. Wichtig ist nur, dass man sich traut, an die entsprechenden Menschen heranzutreten und die Idee offen zu kommunizieren, um möglichst früh gutes und ehrliches Feedback zu erhalten.

Christian Wehle (Jahrgang 1992) ist auf einem kleinen Bauernhof im Schwarzwald aufgewachsen und im Alter von 19 Jahren zum Studium nach Karlsruhe gekommen. Aktuell macht er seinen Master in Kommunikation und Medienmanagement an der Hochschule Karlsruhe Technik und Wirtschaft.