Radringroute
In der Oststadt geht es rund: Immer mehr Radfahrer teilen sich am Kreisel zwischen St. Bernhard und Gerwigstraße, Karl-Wilhelm-Platz und Lutherkirche den Straßenraum mit Autos und Kleinlastwagen. Der Abschnitt ist wichtig im innerstädtischen Radwegenetz, das ausgebaut werden soll, um Radschnellwege anzuschließen. | Foto: Sandbiller

Karlsruhe als Drehscheibe

Ringstrecke soll Radschnellwege verknüpfen

Wie die Spinne im Netz sitzt Karlsruhe aus Sicht von Verkehrsstrategen. Weil zu viele Autos im Berufsverkehr unterwegs sind, Strecken verstopfen, Lärm bringen und die Luft belasten, will das Land Pendler aufs Fahrrad locken.

Karlsruhe hat gute Chancen

Der Fächerstadt attestieren Fachleute da große Chancen. Sie zählt mit ihrem Einzugsbereich zu den zehn attraktivsten Regionen im Land, und sie ist Drehscheibe im regionalen Radwegenetz. Zehn Radschnellwege will das Land bis 2025 realisieren, Karlsruhe will dabei sein.

Urbane Mitte ist wichtiges Pendlerziel

Die urbane Mitte ist mit Abstand wichtigstes Ziel für Berufstätige. Zu großen Arbeitgebern wie dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Siemens und der Fiducia IT AG etwa kommen Beschäftigte aus vielen Umlandgemeinden faktisch steigungsfrei. Im Prinzip also auch gut per Rad.

Radschnellwege wie Speichen

Im Einzugsgebiet Radschnellwege wie Speichen, in der Stadt ein Radring als Nabe – so skizzieren die Planer im Karlsruher Rathaus und beim Regionalverband Mittlerer Oberrhein ein leistungsstärkeres Radwegenetz. Der Stadtgrundriss legt den Ansatz nahe. Vielleicht zeichnet das Wegenetz aber eher eine Sonne mit dicker Mitte und ansetzenden Strahlen.

Über den Radius des Radrings wird noch nachgedacht

Denn der Radius des Radrings steht bisher nicht fest. Der Zirkel rund ums Schloss ist der engste denkbare Ringschluss, der Adenauerring ist eine Variante. Noch weiter außen könnte eine Runde Teile der heutigen Ringroute aufgreifen: Albufer im Südwesten, Stuttgarter Straße in Südost, Kanalweg im Hardtwald, dazu die Erzbergerstraße. Durchs Naturschutzgebiet Alter Flugplatz macht die Radringroute aber keinen Stich, das steht schon fest.

Ringroutenplan
Eine Radringroute wie eine Nabe im Speichenrad, ein Zirkelschluss zur Anbindung künftiger Radschnellwege – so denken sich Radverkehrsplaner ein leistungsfähigeres Wegenetz.

Der Ausbau des Radwegnetzes soll auch der großen Mehrheit nicht pendelnder Stadtradler nützen.

Alltagsverkehr bleibt unsere Hauptaufgabe

„Alltagsverkehr bleibt unsere Hauptaufgabe“, unterstreicht Johannes Schell vom Stadtplanungsamt. Ein Beispiel sieht er in der Oststadt. Dort teilen sich am westlichen Ende der Gerwigstraße zwischen Karl-Wilhelm-Platz und Lutherkirche immer mehr Radler die Straße mit Autos und Transportern. Das Radnetz der Stadt müsse zusätzliche Pedal-Pendler aufnehmen. Auch Fahrradstraßen seien eine Möglichkeit, sagt Schell.

Workshops für Bürger

Derzeit diskutieren Planer und Gutachter in Workshops mit Bürgern, bis Ende 2018  erarbeiten die Planer dann ein Routenkonzept für Karlsruhe und das Umland. Das beantwortet auch die Frage, wie tief Radschnellwege mit vier Metern Breite in die Stadt führen. Dieser Standard ermöglicht Überholen auch mit schnellen Pedelecs und E-Bikes und Nebeneinanderfahren trotz Gegenverkehr. Zum Vergleich: Karlsruhes Waldalleen nördlich des Schlossgartens sind drei Meter breit.

Service
Im Radschnellwege-Forum am Montag, 4. Juni 2018, ab 17.30 Uhr im Rathaus Stutensee in Blankenloch geht es um die Radwegverbindung Karlsruhe-Stutensee-Bruchsal. Das vierte und letzte Forum am Dienstag, 5. Juni 2018, von 17.30 bis 19.30 Uhr in Karlsruhe, Haus der Region, Baumeisterstraße 2, widmet sich der innerstädtischen Ringroute, dem östlichen Stadtgebiet und den Radwegverbindungen mit Ettlingen und Pfinztal.

Kommentar
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Puzzlespiel

In der Stadt ist der Platz knapp, auch im öffentlichen Verkehrsraum kollidieren Interessen miteinander. Doch geschickte Neuausrichtung ist möglich und bietet Chancen.

Nicht automatisch Einschnitte

Die politische Entscheidung, auf Radschnellwege und attraktivere Verbindungen für Fahrradpendler zu setzen, bedeutet nicht automatisch Einschnitte für andere Verkehrsteilnehmer. Zum einen lässt jeder Umsteiger den täglichen Pendlerstau um einen Pkw schrumpfen. Zum andern fließt Verkehr gut sortiert besser. Fußgänger haben dann Gehwege wieder für sich allein. Autofahrer wiederum können Fahrradstraßen in langsamer Fahrt weiter nutzen oder bewusst meiden und in zügigerem Tempo umfahren.

Abstimmung per Pedaltritt

Noch ganz ohne Radschnellwege und Ringroute wählen Radfahrer schon jetzt in Karlsruhe Strecken, die mit verschiedenen Pluspunkten etwas längere Distanzen wettmachen. Autofrei, durch erfrischendes Grün, ohne Kreuzungen, fernab von Fußgängerströmen, Rückstau oder Stop-and-Go – die Kriterien sind individuell, aber beständig. Sobald die Radwegplaner Straßen und Verkehrsknoten neu ordnen, findet eine Abstimmung per Pedaltritt statt. Bisher lagen die Fahrradstrategen mit ihrem Elemente-Puzzle oft richtig: Gut angenommene neue Strecken und der weiter wachsende Fahrradanteil im urbanen Verkehrsmix bestätigen ihre Überlegungen.

Der Umbau hat längst begonnen

Zwar wirkt die Perspektive der Radschnellwege noch unkonkret, für die Städter kommt es aber nicht allein auf den landesweiten Routenausbau an. Karlsruhe hat mit dem Verkehrsumbau längst begonnen. Die Ansage aus der Landeshauptstadt gibt ihr nun möglicherweise wieder frischen Schwung und nicht zuletzt hoffentlich auch Geld.