Was Manola kann, präsentiert hier Sascha Gentes vom KIT. Der Roboter mit seinen Saugnäpfen ist für den Einsatz in Kernkraftwerken gedacht. | Foto: Kinkel

Wie eine Spinne

KIT stellt autonomen Roboter für gefährliche Situationen vor

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KIT und Fraunhofer-Institut stellen vor, was nicht nur Erleichterung, sondern auch Risikominimierung für den Menschen sein kann: autonome Robotersysteme. Die Maschinen sollen in lebensfeindlichen Umgebungen eingesetzt werden.

Wie eine Spinne klettert Manola an einer frisch verputzten Wand nach oben. Doch im Gegensatz zu einer feingliedrigen Spinne wird der wuchtige Roboter nicht durch feine Härchen an den Beinen vor dem Herabfallen geschützt, sondern durch ein gutes Dutzend Saugnäpfe. Etwa 150 Kilogramm kann jede dieser Vakuumsaugplatten alleine halten und deshalb kann Manola auch problemlos Fräsen zum Bearbeiten von Betonwänden transportieren. Der universelle Kletterroboter aus der Entwicklungsschmiede des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ist für den Einsatz in Kernkraftwerken konzipiert und soll künftig mit einer Virtual Reality-Brille gesteuert werden.

Es geht auch um gesellschaftliche Akzeptanz

Bereits heute ist Manolo eines der Schmuckstücke der Arbeitsgruppe „Lebensfeindliche Umgebungen“ von KIT und Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOS). „Intelligente Roboter können überall dort zum Einsatz kommen, wo durch Umweltbedingungen oder chemische Belastungen eine Gefahr für Menschen besteht“, sagt Arbeitsgruppenleiter Jürgen Beyerer vom IOSB. „Und neben der Technik wollen wir auch die Akzeptanz dieser Systeme in der Gesellschaft erforschen.“

Der gesellschaftliche Nutzen solcher Maschinen ist für Beyerer offensichtlich. „Wenn keine Menschen mehr in gefährliche Bereiche müssen, können Risiken extrem minimiert werden“, sagt Beyerer. Ohnehin seien die Roboter in extrem lebensfeindlichen Umgebunden wie auf dem Grund des Ozeans oder in einem Katastrophengebiet quasi unter sich. Allerdings werden Robotersysteme für den Einsatz in solchen Umgebungen aufwendig entwickelt und regelrecht gehärtet. Neben den mechanischen Voraussetzungen müssten sie auch über eine intelligente Steuerung verfügen. „Lernfähigkeit ist extrem wichtig. Dann kann man von Erfahrungen profitieren und macht Fehler kein zweites Mal“, so Beyerer.

Bei der Tiefseeforschung ist die Entwicklung von autonomen System nach Beyerers Einschätzung schon recht weit fortgeschritten. Die Tauchdrohnen aus den IOSB-Laboren erreichten beim internationalen Forschungswettbewerb Shell Discovery X-Prize zur Kartierung des Ozeans als einziges deutsches unter insgesamt 32 Teams den fünften Platz. Das Vorgängermodell dieser Drohnen wurde vor vier Jahren an die kanadische Regierung zum Einsammeln vom Flugzeugteilen aus dem Ontariosee verkauft. Heikel sind nach Beyerers Einschätzung bislang die ethischen Fragen, etwa wenn ein System in eine Situation kommt, in dem es entscheiden muss, welche Person es retten soll.

„Man kann alles programmieren“

„Ethik ist nicht in Stein gemeißelt und kann sich im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung ändern“, betont KIT-Präsident Holger Hanselka. Irgendwann müsse sich die Gesellschaft der Frage stellen, ob Maschinen in bestimmten Situationen nicht sogar die besseren Entscheidungen treffen als Menschen.

„Man kann alles programmieren – selbst dass Kinder bei einem Einsatz von autonomen Feuerwehrrobotern zuerst gerettet werden sollen“, sagt Tamin Asfour, Leiter der KIT-Arbeitsgruppe für Hochperformante Humanoide Technologien. Die Gesellschaft müsste sich zunächst über grundsätzliche Werte und Normen einigen. So oder so seien Systeme bei Einsätzen in lebensfeindlichen Umgebungen auf sich alleine gestellt und müssten zudem aufgrund von wenigen praktischen Beispielen die richtigen Schlüsse für den Ernstfall ziehen. „Das ist eine immense wissenschaftliche Herausforderung“, betont Asfour.

Von Ekart Kinkel