Konzertplakate als Wohnzimmertapete: Das Haus des Karlsruhers Karlheinz Ruder, der mittlerweile in Liedolsheim wohnt, gleicht einem Rockmuseum. Seine Erinnerungen an die Konzerte vor allem der 70er Jahre teilt er mit Gleichgesinnten auf seiner Internetseite.

Das waren noch Zeiten…

Rock-Hauptstadt Karlsruhe

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Er bewachte die Garderobe von Suzi Quatro in der Gartenhalle, er holte Alexis Korner vom Bahnhof ab und er brachte Jürgen Drews mitten in der Nacht an die Pforzheimer Autobahnraststätte, weil der damalige Sänger der Les Humphries Singers unbedingt noch nach München trampen wollte. „Und zwar in seinem weißen Anzug, den er auch beim Auftritt getragen hatte!“

Fast alle spielten in Karlsruhe

Karlheinz Ruder sitzt in seinem Haus in Liedolsheim und erzählt von früher. Und man könnte ihm stundenlang dabei zuhören, denn der Mann hat in den frühen 70ern alle großen Rockbands gesehen. Nicht irgendwo, sondern fast immer in Karlsruhe. Damals spielten noch die Großen der Szene wie Santana, Procol Harum, Emerson, Lake and Palmer oder Traffic in der Fächerstadt. Davon können Rockfans heute angesichts der trostlosen Hallen-Situation in Karlsruhe nur noch träumen.

Als Schüler half er beim Auf- und Abbau

„Ich war damals Schüler“, erinnert sich der 1955 geborene Karlsruher „Südstädtler“. „Wir kannten den örtlichen Konzertveranstalter Klaus Schleifer, der mit der Agentur Lippmann und Rau zusammenarbeitete.“ Bei vielen Konzerten engagierte Schleifer die Jungs („Einer von uns hatte schon ein Auto“), die dann beim Auf- und Abbau helfen durften. „Pro Konzert gab es 40 Mark“, sagt Ruder. „Das Aufbauen machte großen Spaß, zumal wir dann anschließend noch beim Soundcheck dabei waren. Schlimm war aber das Abbauen in der Nacht, weil wir ja am nächsten Tag meistens in die Schule mussten.

Schienen verlegt für Emerson, Lake and Palmer

Wie sehr sich die Szene Anfang der 70er verändert hat, zeigt dieses Beispiel. „1971 spielten Emerson, Lake and Palmer in Karlsruhe. Der Aufbau war schnell erledigt, es war ein ganz normales Rockkonzert.“ Drei Jahre später sah das ganz anders aus: Die Band war, wie viele andere, von der Gigantomanie befallen. „Sie spielten jetzt im Eisstadion in Mannheim, aber wir waren wieder dabei. Auf der Bühne mussten wir Schienen verlegen, damit Keith Emerson seine riesigen Orgeln hin- und herschieben konnte. Der Abbau nach dem Konzert dauerte bis 6 Uhr morgens.“ Immerhin gab es für diesen Einsatz ausnahmsweise 80 statt der gewohnten 40 Mark.

Haus ähnelt einem Rockmuseum

Von fast allen Konzerten hat Ruder noch heute Eintrittskarten oder Plakate, viele davon hängen in seinem Haus, das einem Rockmuseum ähnelt. Doch Ruder ist nicht nur Sammler, sondern ein regelrechter Archivar. Stolz zeigt er ein altes Schulheft, in dem er penibel Notizen zu jedem Konzert festhielt. Mit Schönschrift sind da die Namen der Bandmitglieder, die gespielten Lieder, die Länge des Konzerts und der Eintrittspreis festgehalten. Dazu gibt es noch Anmerkungen wie „Anlage aufgebaut“ oder „durch Klofenster eingestiegen“.

Riesiges Archiv im Internet

Eigentlich müsste dieser Mann ein Museum eröffnen. Was er – irgendwie – auch getan hat, und zwar im Internet. Auf seiner Facebook-Seite zeigt Ruder alle seine Schätze und ergänzt diese noch durch Artikel, die ihm das Archiv der Badischen Neuesten Nachrichten zur Verfügung gestellt hat. „Wer erinnert sich denn beispielsweise noch daran, dass Bill Haley 1958 in Karlsruhe spielte?“, fragt Ruder und zeigt den BNN-Bericht, in dem von „radaulustigen und hemmungslosen Halbstarken“ berichtet wird, die die Schwarzwaldhalle in einem äußerst desolaten Zustand zurückließen. Bemerkenswert auch: Um 21 Uhr war der Karlsruher Auftritt beendet, da Haley und seine „Assistenten“ (so steht es im Artikel) um 22 Uhr einen weiteren Auftritt in Mannheim hatten. „Ich freue mich, wenn Besucher meiner Internetseite erzählen, was sie aus dieser Zeit noch wissen“, sagt Ruder. „Viele schicken mir auch Fotos von Eintrittskarten oder Konzertplakaten“. Die veröffentlicht er dann auch.

Uriah Heep in der Keller-Disco

Lernte er Stars wie Suzi Quatro auch persönlich kennen? „Eher nicht“, sagt Ruder ehrlich. „Wir durften zwar ihre Garderobe bewachen, aber wir sahen sie nur kurz und sie redete nicht
mit uns.“ Kennengelernt hat er aber 1971 die Musiker von Uriah Heep. „Die sollten in der Disco ’Lord Nelson’ in der Kaiserpassage spielen und weigerten sich zunächst, weil die Treppen hinunter in die Keller-Disco so eng und steil waren.“ Ruder, der an diesem Tag eigentlich nicht engagiert war, packte schnell mit an, half beim Runtertragen der Anlage und erlebte eines der tollsten Konzerte überhaupt. „Es war so eng, dass ich dem Gitarristen Mick Box jederzeit hätte in die Saiten greifen können.“

Hier sind diese und viele weitere Schätze zu bewundern: www.facebook.com/groups/karlsruhe.konzert.history