Komisches Trio: Frl. Knöpfle und ihre Herrenkapelle. Seit 20 Jahren sind Reiner Möhringer, Cordula Möhringer und Uli Kofler auf der Bühne mit Musik und Kabarett präsent. Ihr neues Programm "Heiße Theke" läuft ab November 2018. | Foto: David Kofler

Frl. Knöpfle und Herrenkapelle

Rote Rippen soll man grillen

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Die Programme trugen Titel wie „Mit Fleisch und Seele“ oder „Durchgewurstelt“. Schließlich ist die prägende Figur allem Fleischlichen sehr zugetan – als Fachverkäuferin in einer Metzgerei. Susi Knöpfle hießt sie. Seit 20 Jahren verdreht dieses Fräulein die Augen und dem Publikum den Kopf. Mit komischen Sprüchen, ausgesucht merkwürdiger Kleidung und naivem Charme. Zur bekannten Bühnenfigur wurde Fräulein Knöpfle, gespielt von der Karlsruherin Cordula Möhringer, zusammen mit ihrer Herrenkapelle. Die wird gebildet aus den Musikern Uli Kofler und Reiner Möhringer, dem Mann der Protagonistin. Wie es zum kultigen Karlsruher Trio kam und was es rund um die Bühne erlebt, erzählten die drei an Möhringers Esszimmertisch:

Wie entsteht ein neues Programm wie jetzt dieses namens „Heiße Theke.“

Uli Kofler: Seit zwei Jahren ist die Lust auf ein neues da. Aber so etwas entsteht dann nicht in zwei Monaten. Das Schöne ist, dass wir uns Zeit lassen können, die Ideen sich entwickeln zu lassen. Wir sammeln sie getrennt und werfen sie dann in ein Töpfle.

Cordula Möhringer: Viele Geschichten aus der Metzgerei wurden von Susi schon erzählt. Jetzt geht es mehr um ihr privates Leben. Sie sucht einen Mann. Auf ihre Weise natürlich, zum Beispiel mit analogen Medien. Und sie will Lieder beisteuern wie zum Beispiel „Rote Rippen soll man grillen.“

Rainer Möhringer: Wir fahren im Sommerurlaub immer nach Italien und arbeiten dort an den Texten. Uli hat neue Lieder geschrieben und wenn alles vorliegt, besprechen und kritisieren wir gemeinsam, damit ein Konzept draus wird.

Wer führt dann die Regie fürs Bühnengeschehen?

Cordula Möhringer: Alle drei zusammen. Wir haben keinen Chef. Und brauchen keinen. Das ist schon erstaunlich, weil jeder ja eigen ist. Wir müssen uns schon verstehen in der langen Zeit , künstlerisch und privat.

Uli Kofler: Die Eigenverantwortung bei diesem Modell ist viel höher. Aber sechs Augen hören mehr als zwei.

Wie fand die Truppe vor 20 Jahren zusammen?

Reiner Möhringer: Uli und lernten uns an der Musikhochschule Karlsruhe kennen. Nach einer Aufführung von Brahms Requiem saßen nur noch wir beide emetisch und beschlossen, etwas zusammen zu machen. Und zwar etwas Lustiges. Mit Kostümen. Seit 24 Jahren treten wir nun zusammen auf.

Uli Kofler: Etwas mit Blödsinn musste es unbedingt sein. Mir ist zutiefst immer wichtig, Freude zu geben und nicht als abgehobener ernster Musiker rüberzukommen. Und beim Projekt darf es nur etwas handgemachtes, möglichst selbst komponiertes sein. Ich komponiere ja seit der Grundschulzeit und habe zum Abi ein Musical auf die Beine gestellt.

Wie schlich sich Fräulein Knöpfle bei den Herren ein?

Cordula Möhringer: Ich sollte zunächst nur die Ansagen zur Musik machen. Mit einer Figur, die nicht vom Metier ist, sondern völlig unbefangen. Am Anfang habe ich tatsächlich alles bewusst stockend abgelesen. Nach der Premiere kam eine Frau auf mich zu und meinte: ’Sie Arme, ich könnte das auch nicht’. Dann hat sich die Susi immer mehr eigenständig entwickelt und wurde selbstbewusster.

Wurden Susi/Cordula eigentlich schon mal für eine echte Fleischereifachverkäuferin gehalten?

Cordula Möhringer: Das ist unsere Lieblingsanekdote: Wir traten im Bürgerzentrum Bruchsal auf. Für die geladenen Gäste gab es ein Catering. Und der Seniorchef der Metzgerei wollte die Susi nach dem Abend abwerben. Für seine Firma. Ganz ernsthaft. Fragte, wo schaffen Sie, bei Böckenkrüger? Er war echt enttäuscht, dass sie nur in der Rolle fleischlich existierte.

Reiner Möhringer: Dialekt schwetzt die Susi übrigens erst seit 12 Jahren. Als wir mal Harald Hurst wieder hörten, haben wir das probiert. Und genau das gab einen Schub für noch mehr Auftritte und Erfolg.

Uli Kofler: Ich darf anmerken: Der Pianist hat schon immer seinen Dialekt beibehalten. Die meisten denken es wäre schwäbisch, aber ich komm’ aus dem Allgäu.

Ein Kennzeichen von Fräulein Susi ist ja, dass Sie jemanden aus dem Publikum auf die Bühne holt. Wie sprechen Sie sich mit den jeweiligen Männern vor der Vorstellung ab?

Cordula Möhringer: Was für eine Frage! Überhaupt nicht. Ich schaue erst kurz vor der Situation, wer passen könnte und sympathisch aussieht für die Figur des Fleischer-Innungsvorsitzenden Müllerleile. Im Kammertheater habe ich im Lauf der Jahre den selben Herrn vier Mal geholt, ohne dass ich ihn wiedererkannte hätte! In Baden-Baden waren wir schon abgetreten, als es nochmal Lacher und Applaus gab. Der „Müllerleile“ dort kam extra auf die Bühne und verbeugte sich vor „seinem“ Publikum. Unglaublich.

Reiner Möhringer: Im neuen Programm läuft die Interaktion anders, das darf ich verraten.

Uli Kofler: Die Beispiele zeigen auch, dass es bei uns jeden Abend handgemacht und ehrlich zugeht. Das ist uns am wichtigsten. Die Mischung aus lustig und virtuos erneuern wir in jedem Programm. Musik und Gedanken zur Musik, da gibt’s einen Dauerbetrieb bei mir.

 

Das Programm „Heiße Theke“ von Frl. Knöpfle und ihrer Herrenkapelle ist zu erleben im K 2 des Kammertheaters Karlsruhe, Kreuzstraße 20. Premiere am 2. November um 20 Uhr. Weitere Vorstellungen 3. November und ab 10. November. Karten 26 bis 28 Euro. Telefon Kammertheater (0721) 23111.

 

https://www.frl-knoepfle.de/videos