Freude am Ende einer turbulenten Saison: Die KSC-Spieler Marvin Wanitzek (von links), Marc Lorenz und Philipp Hofmann feiern in Fürth den direkten Klassenerhalt.
Freude am Ende einer turbulenten Saison: Die KSC-Spieler Marvin Wanitzek (von links), Marc Lorenz und Philipp Hofmann feiern in Fürth den direkten Klassenerhalt. | Foto: GES

Schwartz-Aus und Derby-Sieg

Saison-Rückblick des KSC: Spektakel, Trauerspiele und ein Ende ohne Schrecken

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Der Juni 2020 – für alle diejenigen, die es mit dem KSC halten, ist es ein Monat, der ihre Nerven ordentlich strapaziert. Mal droht der direkten Abstieg in Liga drei, mal lockt die Aussicht auf den Klassenverbleib ohne Relegation. Am letzten Spieltag in Fürth rückt der zunächst in weite Ferne. Doch am Ende schallt dann doch aus Karlsruher Kehlen „Nie mehr Dritte Liga“ durch den Ronhof.

Ein Herzschlag-Finale war’s am Ende einer Saison, die man vor allem in Karlsruhe so schnell nicht vergessen wird. Zu bieten hatte sie einiges: sportliche Höhenflüge und bittere Rückschläge, Tor-Festivals und Zitterpartien, Zweikämpfe auf und neben dem Spielfeld und schließlich eine Corona-Zäsur, die nicht nur die Fußballwelt auf den Kopf stellte. Angefangen hatte für den KSC alles so vielversprechend.

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KSC grüßte kurzzeitig von der Tabellenspitze der Zweiten Liga

Rückblende. Am 28. Juli 2019 – also auf den Tag genau elf Monate vor dem Happy End in Fürth – startet der Aufsteiger in die Mission Klassenverbleib mit einem Sieg beim SV Wehen Wiesbaden. Nach dem anschließenden Heimerfolg gegen Dynamo Dresden grüßt die Mannschaft von Trainer Alois Schwartz kurzzeitig gar von der Tabellenspitze und baut kurz darauf ihren Traumstart mit dem Pokal-Coup gegen Hannover 96 aus.

Es sind sonnige Tage im Wildpark, doch was zu diesem Zeitpunkt noch keiner weiß: Die ersten beiden Saisonkontrahenten werden am Saisonende ganz unten stehen in der Tabelle und der dritte Gegner wird den eigenen Ansprüchen lange hinterherhinken.

Karlsruher SC landete unsanft

Auf den Karlsruher Höhenflug folgt denn auch eine ziemlich unsanfte Landung: Pleiten in Kiel und Osnabrück, dazwischen ist der Hamburger SV erwartungsgemäß eine Nummer zu groß. Platz zehn.

Für Entspannung sorgt Mitte September ein knappes 1:0 gegen den SV Sandhausen, ehe eine bemerkenswerte Serie beginnt, die sich für den KSC letztlich eher als Fluch denn als Segen erweist.

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Siebenmal in Folge punkten Kapitän David Pisot und Co einfach, unter anderem bei den 3:3-Spektakeln in Bochum und gegen Hannover. Für Trainer Schwartz und Sportchef Oliver Kreuzer kein Grund zur Panik:

Schließlich liegt man punktemäßig im Soll und schafft dazu Ende Oktober in Darmstadt den auch wirtschaftlich attraktiven Sprung ins Pokal-Achtelfinale, was er einmal mehr seinem treffsicheren Neuzugang Philipp Hofmann zu verdanken hat.

Fans wurden vor Derby gegen Stuttgart eingekesselt

Dann aber wird es allmählich ungemütlich – in Stuttgart nicht nur sportlich. Fast 600 KSC-Fans werden von der Stuttgarter Polizei stundenlang eingekesselt und verpassen so die 0:3-Niederlage ihrer Mannschaft. Die zeigt sich danach zwar gut erholt von der Derby-Pleite, punktet gegen Regensburg endlich einmal wieder dreifach und verpasst beim Spitzenreiter in Bielefeld den großen Wurf nur knapp (2:2).

Doch der Heim-Doppelpack vor der Winterpause erweist sich als Wendepunkt – es geht abwärts. Nach dem 1:5-Debakel gegen Fürth und einem 0:1 gegen Wehen überwintert der KSC auf Platz 15 in höchster Abstiegsgefahr.

Niederlage gegen Kiel kostete Alois Schwartz den Trainerposten

Und auch der Neustart Mitte Januar bringt keine Entspannung: Schlusslicht Dynamo Dresden mit Trainer Markus Kauczinski ist nach einem 1:0-Erfolg wieder im Rennen – und Kauczinskis Ex-Club weiter im freien Fall. Das 0:2 gegen Holstein Kiel und der Sturz auf Rang 17 kosten KSC-Coach Schwartz schließlich den Job – und das, obwohl Kreuzer ihm zunächst noch den Rücken gestärkt hatte.

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Der vormalige Co-Trainer Christian Eichner übernimmt – und bleibt zunächst glücklos. Aus im DFB-Pokal gegen Viertligist Saarbrücken, eine unglückliche 0:2-Pleite beim HSV, ein Last-Minute-Gegentor beim 1:1 gegen Osnabrück – die Mannschaft zeigt sich zwar verbessert, doch die Ausbeute lässt weiter zu wünschen übrig. Beim 2:0 in Sandhausen platzt dann endlich der Knoten, die Lage bleibt nach den Niederlagen gegen Nürnberg und in Heidenheim allerdings nach wie vor äußerst prekär.

Die Saison des KSC in Bildern

Auch Ingo Wellenreuther nahm seinen Abschied als KSC-Präsident

Dann kommt Corona und auf den Fußballplätzen der Republik kehrt Ruhe ein – nicht aber in der Führungsetage des KSC. Der Kampf gegen die drohende Insolvenz wird hinter den Kulissen begleitet von einem Ringen um die Macht. Am Ende nimmt der erst im Oktober wiedergewählte Präsident Ingo Wellenreuther erzwungenermaßen seinen Hut. Dies hatte ein Investoren-Bündnis zur Bedingung gemacht, um dem Verein finanziell unter die Arme zu greifen.

Ab Mitte Mai geht es dann im Wildpark auch auf dem Platz wieder heiß her – ohne Zuschauer, dafür aber mit neuem Mut im Klassenkampf. Beim Restart gegen Darmstadt 98 legt die Eichner-Truppe einen couragierten Auftritt hin und schöpf nach dem 2:0-Sieg neue Hoffnung. Der ganz große Befreiungsschlag bleibt allerdings aus, gegen Bochum und St. Pauli reicht es ebenso wie in Hannover nur zu Teilerfolgen, in Aue ist wieder einmal nichts zu holen – das Zittern geht weiter.

Ob da der VfB gerade recht kommt? Am 14. Juni 2020 gelingt dem KSC das, was seine Fans knapp 13 Jahre lange nicht erleben durften: ein Derby-Dreier. Das hart erkämpfte 2:1 ist Balsam für die badische Fußball-Seele und im sich zuspitzenden Abstiegskampf Gold wert. Doch nur drei Tage später ist Platz 15 nach dem 1:2 in Regensburg schon wieder futsch.

Moralischer Sieger gegen Bielefeld – Belohnung am Saisonende

Dramatisch wird es dann gegen den frisch gebackenen Meister aus Bielefeld, der seinen Kontrahenten zunächst nach allen Regeln der Kunst zerlegt, am Ende aber eine frühe 3:0-Führung noch aus der Hand gibt: 3:3.

Der KSC darf sich dank Dreifach-Schütze Hofmann als moralischer Sieger fühlen und fährt mit reichlich Rückenwind zum Saisonfinale nach Fürth. Zumindest der Relegationsplatz ist ihm sicher. Den geben die Blau-Weißen nach einer Achterbahn-Fahrt aber noch an den 1. FC Nürnberg ab – und dürfen nach einer turbulenten Spielzeit erst einmal durchatmen.