Tief in die Tasche greifen müssen die Verbraucher derzeit für Salatgurken. Die Situation ist jedoch nicht typisch für Gemüse- und Salatsorten. | Foto: Franz Lechner

Entwarnung für Gemüsefans

Salatgurke ist nicht richtungweisend für Preise

Anzeige

So mancher reibt sich derzeit beim Kauf einer Salatgurke im Supermarkt ungläubig die Augen. Fast dreimal so viel wie noch vor kurzem muss zahlen, wer die wasserreiche Frucht (tatsächlich ist die Gurke botanisch gesehen eine Frucht) mag (wir berichteten kurz an anderer Stelle).

Preissteigerung bei der Salatgurke

Viele Salatliebhaber fürchten, dass sich der trockene und heiße Sommer jetzt auch in ihrem Geldbeutel bemerkbar macht, und Gemüsefans fragen sich, ob die Preissteigerung bei der Salatgurke vielleicht nur der Anfang ist. Werden demnächst alle grünen Vitaminlieferanten – also Gemüse, Salat und vielleicht auch Kartoffeln – extrem teuer? „Nein“, sagt der Eggensteiner Landwirt Markus Leicht, „die Situation bei Salatgurken ist nicht typisch für andere Gemüse- oder Salatsorten.“ Warum die Salatgurken derzeit so teuer seien, wisse er zwar auch nicht sicher, aber wahrscheinlich habe die Preisentwicklung bei den Salatgurken weniger mit der Trockenheit als mit einem Versorgungsengpass zu tun, vermutet der Eggensteiner Landwirt.

Wasserverbrauch erhöht Unkosten

Tatsächlich war für überwiegend in Treibhäusern produzierende Gemüsebauern in Spanien oder Holland das niederschlagsarme Jahr kein ganz so großes Problem wie für ihre im Freiland produzierenden Kollegen. „Die große Trockenheit hat die Gemüse- und Kartoffelernte bei uns in der Region trotz künstlicher Bewässerung beeinträchtigt“, bestätigt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Werner Kunz. Die Erträge seien geringer und der hohe Wasserverbrauch habe die Unkosten deutlich erhöht, präzisiert der Landwirt aus Ubstadt-Weiher.

Ernteverluste bei Kartoffeln

Das bestätigen auch Leicht und der Kartoffelbauer Adrian Dörrmann aus Kraichtal-Münzesheim. „Wir in Kraichtal hatten ja noch relativ Glück mit den Niederschlägen, in der Hardt und in anderen Gebieten im Kraichgau werden die Ernteverluste bei Kartoffeln wahrscheinlich deutlich größer sein wie bei uns“, erklärt der junge Landwirt Dörrmann, und ergänzt, bei ihm wäre es auch weniger der Niederschlagsmangel als die durch den warmen Sommer begünstigten Schädlinge, die seine Erträge sehr deutlich verringern würden. Genaue Zahlen gibt es aber noch nicht. „Wir sind ja noch mitten in der Kartoffelernte“, erklärt Dörrmann.
Einig sind sich die beiden Landwirte Adrian Dörrmann und Markus Leicht in einem Punkt: „Die Preissteigerungen werden für den Konsumenten trotz der Ernteausfälle sehr moderat bleiben“, sagen beide und widersprechen damit Schlagzeilen, wie man sie schon im Internet lesen kann. „Preisschock wegen Dürre“, heißt es da beispielsweise.

Sorge um Getreideernte 2019

„Das ist völlig übertrieben, in einem Land, in dem die Lebensmittel so billig sind wie noch nie in der Geschichte, sollte man wegen ein paar Cent nicht von einem Preisschock reden“, ärgert sich Adrian Dörrmann, und ergänzt, dass die Verluste der Landwirte durch die leichte Preiserhöhung ohnehin nicht ausgeglichen würden. Viele Landwirte machen sich auch jetzt schon Sorgen wegen der Getreideernte im nächsten Jahr. „Wenn das Wetter in den nächsten Tagen so trocken bleibt, haben wir große Probleme die Aussaat für Wintergerste und Roggen auszubringen, und damit drohen jetzt schon wieder Ernteausfälle für das nächste Jahr“, erklärt Markus Leicht.

Von unserem Mitarbeiter Franz Lechner