Visualisierung des neuen Eingangsbereichs der Karlsruher Stadthalle.
Visualisierung des neuen Eingangsbereichs der Karlsruher Stadthalle. | Foto: netzwerkarchitekten

Zentrale Fragen sind offen

Sanierung der Karlsruher Stadthalle dauert noch länger

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Acht Gesprächspartner auf der Pressekonferenz der Stadt – darunter Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz und Baubürgermeister Daniel Fluhrer – haben am Dienstag keine Antwort auf die beiden drängenden Fragen: Wann steht die seit 2017 geschlossene Stadthalle wieder zur Verfügung – und was kostet die Sache am Ende den Steuerzahler?

Selbst eine Prognose, wann man Datum und Zahl nennen kann, verweigern die Dezernenten. „Das ist derzeit seriös nicht zu sagen“, erklärt Luczak-Schwarz. Ihr Kollege Fluhrer ergänzt: „Wir befinden uns bei diesem herausfordernden Projekt in einer sehr schwierigen Phase. Und wir sind noch nicht überm Berg.“

Auch juristische Fragen seien offen. Beauftragte Büros, die Terminzusagen nicht einhielten, will die Stadt nämlich in Regress nehmen. Sie jetzt vor die Tür zu setzen, sei indessen keine Option. „Dann müssten wir wieder europaweit ausschreiben, das würde uns mindestens zwei Jahre kosten“, erläutert Luczak-Schwarz. „Die Planung würde bei einem neuen Büro wieder bei Null starten“, sagt Fluhrer.

Doch auch so ist der zuletzt genannte Fertigstellungstermin Ende 2021 nach Überzeugung der Verantwortlichen nicht zu halten. Auch die bisher vorhergesagten Kosten in Höhe von 80 Millionen Euro sind wohl nicht mehr realistisch.

Rathaus verstärkt Team

Das Rathaus verstärkte nun intern das Team, das an dem Projekt arbeitet. Immerhin bezeichnet Luczak-Schwarz die Stadthalle als „wichtige Stube der Bürger“ und „Herzstück des Kongressgeschäftes“ – auf das die Messe derzeit verzichten muss. „Das bremst das Wachstum der Messe“, so die Erste Bürgermeisterin. Man könne absehbar nur Veranstaltungen zusagen, die alternativ in anderen Immobilien wie der Garten- oder Schwarzwaldhalle realisiert werden könnten.

Probleme mit der Sprinkleranlage

Auf der Baustelle selbst läuft derzeit indessen wenig. „Vielleicht zwei Hände voll Arbeiter, in jedem Fall viel zu wenige sind dort aktiv“, sagt die Leiterin des Amtes für Hochbau und Gebäudewirtschaft, Anne Sick. Grund sei, dass die gebäudetechnische Gesamtplanung noch nicht mängelfrei und vom TÜV abgenommen sei. Probleme gebe es so beispielsweise mit der Sprinkleranlage. Und teilweise wird noch getüftelt, wie Leitungen auf engem Raum verlegt und gleichzeitig die Traglasten nicht überstrapaziert werden können.

Einige Arbeiten seien abgeschlossen, etwa an den Toiletten in den Foyers, im Pressezentrum oder am Küchenaufzug. Die TÜV-Abnahme begleite den Prozess. „Das macht es an manchen Stellen langsamer. Aber erst am Ende, wenn alles fertig ist, den TÜV zu rufen, wäre Harakiri“, betont Herbert Probst vom Fachbereich mechanische Gewerke. Zudem seien viele Sachverständige an Bord, unter anderem auch für den Schall innen und außen.

Ein bisschen wie in einer Pralinenschachtel.

„Bauen im Bestand“ sei schwierig, so die Experten. Und manches Problem sei erst zu Tage getreten, als man hinter die Fassade habe schauen können. Wobei sich die Gesamtmaßnahmen ohnehin erst Stück für Stück zusammenfügte. „2012 ging es um eine oberflächliche Verbesserung der Attraktivität der Foyers“, erinnert Sick. Als es dann darum ging, eine neue Beleuchtung anzuschließen, sei 2013 eine Brandschau erfolgt. In der Folge wurde 2013/14 ein komplett neues Brandschutzprojekt entwickelt. 2014 wurde entschieden, auch die Säle zu modernisieren, 2016 folgte die Erkenntnis, dass die Technik insgesamt umfassend erneuert werden muss. „Derzeit haben wir in der Stadthalle innen relativ viel Holz, es ist relativ dunkel. Ein bisschen wie in einer Pralinenschachtel“, so Sick.

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Künftig solle alles heller, moderner werden. Entsprechende Zeichnungen, wie das irgendwann aussehen soll, liegen vor. Doch aufgrund der noch offenen Fragen geht die Verwaltung derzeit nicht davon aus, dass die Baustelle wie erhofft ab Herbst diesen Jahres geregelt anläuft. „Wir sind mit dieser Situation überhaupt nicht zufrieden. Aber wir wollen nicht jammern, sondern uns den Herausforderungen stellen. Wir arbeiten aber intensiv an dem Projekt“, sagt Fluhrer. Allerdings gleiche die Aufgabe einem großen Knobelspiel oder einem gordischen Knoten. „Es handelt sich nicht um Sanierungsarbeiten in einem Reiheneckhaus.“

Eines der beteiligten Büros verkauft

Insgesamt verfügt die Stadthalle über fünf Veranstaltungssäle mit einer Kapazität von bis zu 4 000 Personen, fünf Konferenzräume, 17 Seminarräume und drei Foyers. Der Bruttorauminhalt beträgt 167 000 Kubikmeter. „Dies entspricht 167 Pfarrhäusern“, so Sick. Die elektrische Leistung liegt bei 1,7 Megawatt. „Das kommt dem gleich, wenn man 1 400 Wasserkocher auf einmal anstellt“, vergleicht Sick. Die Kühlleistung sei die von 15 000 Kühlschränken. Und die Heizleistung entspreche der von 200 Einfamilienhäusern. 18 Ingenieurbüros sind beteiligt, zudem 40 Firmen, darunter Schlosser und Trockenbauer. Zuletzt war bekannt geworden, dass auch eines der beteiligten Büros verkauft worden war und ständiger Personalwechsel erfolgte. Auch dies sorgte für Probleme.

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