Der Schauspieler Clemens Ansorg steht derzeit in der Komödie „Die Feuerzangenbowle“ und in Kleists „Der Zerbrochne Krug“ auf der Bühne. | Foto: Wacker

Über Umwege auf die Bühne

Schauspieler Clemens Ansorg spielt in Pforzheim Kleist, Kafka und demnächst Shakespeare

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Understatement ist es nicht, wenn Clemens Ansorg von „überschaubaren Theatererfahrungen“ in früher Jugend erzählt. Zwar wollte der 31-Jährige eigentlich schon zu Schulzeiten Schauspieler werden. In der Grundschule schlüpfte er in die Rolle des kleinen Muck. Aber das war es dann fürs Erste. Bis er im Alter von 24 Jahren am Salzburger Mozarteum eine Zusage fürs Schauspielstudium bekam.
Dass Ansorg seither mächtig zugelegt hat an Bühnenerfahrungen, ist unübersehbar. Am Theater Pforzheim ist er derzeit als Ruprecht in Kleists „Zerbrochner Krug“ zu erleben und als Rudi Knebel in der „Feuerzangenbowle“.

Debüt im Fassbinder-Drama

Im Fassbinder-Drama „Angst essen Seele auf“ gab Clemens Ansorg im September seinen Einstand in der Goldstadt. Darin ließ er auch bereits sein musikalisches Talent aufscheinen, das sich im Musical „Comedian Harmonists“ voll entfalten konnte. „Ich habe schon in Salzburg immer wieder gesungen“ erzählt Ansorg. Am Landestheater dort schmetterte er als Graf Paris in „Romeo und Julia“ den Caterina-Valente-Schlager „Ganz Paris träumt von der Liebe“. „Ich hab’ es bisher in jede Kritik geschafft“, erzählt Ansorg mit verschmitztem Lächeln. Mittlerweile nimmt der Schauspieler Gesangsunterricht.

Von Salzburg nach Salzburg

Ansorg wuchs mit vier Brüdern in Salzburg auf, einem 230 Einwohner-Nest im Westerwald. Es gab kein Fernsehen. „Meine Eltern wollten das nicht, als wir klein waren.“ Und das nächste Kino war 20 Kilometer entfernt. Bei diversen Karl May-, Heinz Erhard- und Asterixfilmen, die er später sah, kann er heute noch die Dialoge mitsprechen. Von Salzburg im Westerwald ging es für Ansorg über Umwege nach Salzburg in Österreich. Erst einmal zog es ihn in die Welt hinaus.

Einst sang er in der Heilsarmee

Er schmiss die Schule und landete auf der Reeperbahn – bei der Heilsarmee. Statt Leute zu missionieren, sang der junge Mann und spielte selbst erdachte Theaterstücke für Obdachlose. Da war er also wieder, der Wunsch, zum Theater zu gehen. Und wurde erneut aufgeschoben. Ansorg kellnerte bei Mcdonald’s, um sich ein Flugticket leisten zu können und packte seinen Rucksack. Er bereiste Australien, die USA und Thailand und jobbte. „Ich wollte was erleben.“

Als Backpacker um die Welt gereist

Wieder zurück, bewarb er sich an mehr oder weniger allen Schauspielschulen im deutschsprachigen Raum. An der Berliner Ernst Busch-Schule schied er in der letzten Runde der Aufnahmeprüfung aus. Doch einem Gastdozenten aus Salzburg gefiel das Spiel des begabten jungen Mannes. Er schickte ihn in die Mozartstadt und Ansorg wurde prompt aufgenommen. Kurz vor dem Abschluss hatte er schon sein erstes Engagement am Salzburger Landestheater.
Zweieinhalb Jahre war Ansorg dort festes Ensemblemitglied. Als der Vertrag auslief, wollte er noch weiter in Salzburg bleiben. „Dann war ich ein Jahr frei schaffend“, meint er mit einem ironischen Lächeln, amüsiert über den Euphemismus. Das Wort arbeitslos würde aber viel drastischer klingen. Ansorg spielte auch an der Uni Salzburg. In „Kuss der Spinnenfrau“, aufgeführt als Musical in der Theater Offensive Salzburg, gab er den Part des Molina. Als Gast spielte er bei den Salzburger Festspielen und am Residenztheater in München. Dass man als freischaffender Künstler nur schwer seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, war ihm mittlerweile klar und er bewarb sich wieder. In Pforzheim klappte es.

Solorolle als Käfer

Ab 16. Juni wird Clemens Ansorg zusammen mit Markus Löchner in mehrere Rollen schlüpfen: Shakespeares „Richard III“ inszeniert das Theater Pforzheim als Stückprojekt. Fürs Junge Theater spielt er im Ein-Mann-Stück nach Kafkas „Verwandlung“ den zum Käfer mutierten Gregor Samsa und wird damit in der nächsten Spielzeit erneut zu sehen sein.