Da war die KSC-Welt noch in Ordnung: Am 1. Juni 2015 schien der Bundesliga-Aufstieg nur noch Augenblicke entfernt. Dann pfiff Manuel Gräfe daneben, gab einen Freistoß für den Hamburger SV und die Relegation ging verloren. Foto: Liebscher
Da war die KSC-Welt noch in Ordnung: Am 1. Juni 2015 schien der Bundesliga-Aufstieg nur noch Augenblicke entfernt. Dann pfiff Manuel Gräfe daneben, gab einen Freistoß für den Hamburger SV und die Relegation ging verloren. | Foto: Liebscher

Drama gegen HSV unvergessen

Relegation: Dritter Anlauf für den KSC

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Stadionsprecher Martin Wacker machte seinen Job, aber es war auch gefährlich, was er sagte. Damals, in der 90. Minute im Karlsruher Wildparkstadion. Vor drei Jahren, am 1. Juni, 2015, einem Montagabend. Der KSC führt im Relegationsspiel gegen den Hamburger SV mit 1:0. Dieses Ergebnis würde nach dem 1:1 im Hinspiel zum Aufstieg in die Bundesliga reichen.

Da bittet Wacker die Fans über die Stadionlautsprecher: „Bleibt zum Feiern in eurem Block. Die Mannschaft kommt zu euch.“ Doch wenige Augenblicke fehlten noch zum Feiern durch die KSC-Fans. Und diese Sekunden änderten alles. Die meisten im Stadion mussten fassungslos mit ansehen, wie der Abend unter dunklen Wolken in Trauer und Wut endete.

Ein falscher Pfiff, ein unglückliches Tor

Obwohl Bundesliga-Dino HSV so nah am Abgrund stand. Seit der 78. Minute führte der KSC durch Joker Reinhold Yabo, der HSV drängt und erarbeitet sich Chance um Chance. Vergeblich. Dann schießt der Hamburger Slobodan Rajkovic den Karlsruher Jonas Meffert aus kurzer Distanz an den Oberarm. Kurz vor dem Strafraum. Schiedsrichter Manuel Gräfe pfeift Freistoß und Marcelo Diaz  schlenzt den Ball an der Mauer und Orlishausen vorbei ins Tor. Unfassbar. So spät. So unglücklich.

2015 verlor der KSC die Relegation gegen den Hamburger SV in allerletzter Sekunde. | Foto: Liebscher

Nicht nur in Baden Wut über Schiedsrichter Gräfe

Die Fehlentscheidung führte zur Rettung des Bundesliga-Dinos in die Verlängerung. Darin erweisen sich die Erstligakicker von Trainer Bruno Labbadia als zäher. Nicolai Müller markiert fünf Minuten vor Schluss das 2:1. Der traumatisierte KSC bekommt noch einen Elfmeter. Rouven Hennigs verschießt ihn Sekunden vor Ende der Verlängerung. Aber ein Treffer hätte nichts mehr genutzt. Aus war der Traum für den KSC, Trainer Markus Kauczinski und die Heimfans unter den 29 000. Und Fußball-Deutschland hat bis heute Verständnis, über die Wut, von Manuel Gräfe verpfiffen worden zu sein.

Relegation ist ungerecht und künstlich

Die grausame Relegation belohnte einmal mehr die schlechte Saison eines Erstligisten auf Rang 17. Er bekommt durch den Nachschlag der Saison zwei Bewährungsspiele vor der Strafe Abstieg. Und missachtet gleichzeitig die guten Leistungen des ambitionierten Aspiranten aus der Zweiten Liga. Das ist die Hauptkritik vieler Fußballanhänger, wenn Auf- und Abstieg nicht direkt, rein aufgrund der Tabellensituation, entschieden werden. Die Relegation hilft den „Besitzenden“, ihren Platz am Sonnendeck doch noch zu retten. Außerdem wird Spannung ins Saisonfinale gekünstelt. Die Fernsehanstalten haben noch etwas zu übertragen, die Zuschauer erfreuen sich an dramatischen Entscheidungen.

Sportlich könnte man immerhin argumentieren:  Wenn eine Mannschaft sich als stärker erweist, hat sie die Rettung auch verdient. Wobei zwei Unentschieden in der Relegation möglich sind. Dann entscheidet die höhere Zahl der Auswärtstore oder es kann zu Verlängerung und sogar Elfmeterschießen kommen.

Für den einen Aufstiegsspiel, für den anderen Abstiegsspiel

Nun steht der KSC am Freitag, 18. Mai, und Dienstag, 22. Mai, wieder vor solchen Entscheidungsspielen zwischen Mannschaften unterschiedlicher Spielklassen. Diese folgenschweren Vergleiche gibt es in den obersten drei Ligen Deutschlands seit 2008. Man spricht von Relegation, wörtlich „Verweisung“, weil die beteiligten Vereine in die neue oder alte Liga verwiesen werden. Die Alternative für eine spannende Verlängerung der Saison wären reine Aufstiegsspiele mit zwei oder mehreren Mannschaften einer Spielklasse. Das wird beispielsweise in England praktiziert. Dort spielen die Teams auf den Tabellenrängen 3 bis 6 noch einen Glücklichen für „oben“ aus.

Der KSC am Boden: Jonas Meffert (links) und Martin Stoll 2015 nach der verlorenen Relegation gegen den Hamburger SV.
Der KSC am Boden: Jonas Meffert (links) und Martin Stoll 2015 nach der verlorenen Relegation gegen den Hamburger SV. | Foto: Murat/dpa (Archivbild)

Gegen Regensburg Abstieg durch zwei Unentschieden

Der KSC könnte mit Trainer Alois Schwartz diesmal in die 2. Bundesliga aufsteigen – Gegner Erzgebirge Aue will den Absturz verhindern. Aus der Statistik der Spiele von Zweit- und Drittligisten gegeneinander können die Badener Hoffnung schöpfen. Siebenmal schon setzte sich der „Underdog“ durch, nur zwei Mal der Höherklassige. Leider war der KSC  selbst mal betroffen von diesem Trend gegen den Zweitligisten in der Relegation mit der Dritten Liga. Im Jahr 2012 schoss Jahn Regensburg im Wildparkstadion das Tor zum 2:2-Ausgleich. Mit vielen Fouls und trotz zwei Mal Rot in der Schlussphase hielten die Oberpfälzer das Remis. Es bedeute nach dem 1:1 im Hinspiel den Absturz der Gastgeber. Mit nachfolgenden Gewaltszenen durch KSC-Anhänger. Schon damals hieß der Trainer Markus Kauczinski. Dirk Orlishausen hütete das Tor, aber Spielernamen wie Aquaro, Rada, Charalambous oder Lavric wecken keine starken Erinnerungen mehr an dieses erste Drama in zwei Akten. Diesmal hat der KSC wieder eine neue Rolle in diesen aufregenden Stücken Fußball: Er war einmal Zweitligist mit Aufstiegsshoffnung, einmal Zweitligist mit Abstiegsfurcht. Und trat beide Male zuerst auswärts an. Nun ist man Drittligist mit Heimvorteil im ersten Spiel.

Positive „Schwartz-Seher“

Die Relegation ist in Amateurklassen üblich, beispielsweise in Baden. Aber im Profibereich durchaus umstritten. Dennoch hat sich ein Nachbar daran gemacht, das Modell zu übernehmen: In Frankreich gibt es inzwischen ebenfalls das Spiel der Schlechten von Oben gegen die Guten von Unten. Wenn der KSC zum dritten Mal ins Abenteuer Relegation verwickelt ist, könnte es ja mal ein gutes Ding werden. Die Fans sind jedenfalls positiv gestimmte „Schwartz-Seher“.

Heute Abend um 18.15 Uhr wird das Relegationsspiel im Wildparkstadion zwischen KSC und Erzgebirge Aue angepfiffen. Alles Wissenswerte über die Partie sowie die Randerscheinungen gibt es ab 15 Uhr im Live-Ticker auf bnn.de