Schlosslichtspiele
Maxin10sity entführt die Besucher der Schlosslichtspiele auf den Mars | Foto: jodo

Maxin10sity begeistert erneut

Die Schlosslichtspiele und die Friedensmission auf dem Mars

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Der Tiger, der im Dschungel auf dem Baum döst. Das Augenpaar, das rot von der Fassade leuchtet, der Inka-Tempel oder die Lavamassen, die sich über das Gebäude ergießen: Längst haben viele Besucher ihre ganz persönliche Lieblingsszene der Schlosslichtspiele.

Schlosslichtspiele wieder mit Maxin10sity

In vielen Fällen stammt diese aus der Show „Structures of Life“ von Maxin10sity: Die ungarische Gruppe hat nach 2015 und 2016 erneut ein Werk für Karlsruhe kreiert, das die Menschen berührt, das beklatscht und gefeiert wird.

András Sass ist der kreative Kopf

András Sass ist der kreative Kopf von Maxin10sity, er erdachte den Beitrag. Und lächelt jetzt zaghaft. „Es freut mich, dass er ankommt. Ich hatte es gehofft.“

Maxin10sity
András Sass (links) ist Kreativdirektor bei Maxin10sity, Tamás Vaspori ist Geschäftsführer | Foto: jodo

Drei Monate Arbeit investierte der 32-Jährige in die Show.

Zusammen- nicht gegeneinander arbeiten

Und auch er hat eine Lieblingsszene, eine, die ihm besonders wichtig ist. Die kommt ganz am Ende, wenn der Astronaut auf dem Mars steht. Wer genau hinsieht, erkennt ein „Peace“-Zeichen auf dessen Rücken. „Für unsere Zukunft müssen wir zusammen-, nicht gegeneinander arbeiten“, erklärt András Sass. Ein Wettlauf ums All, wie ihn sich beispielsweise Russland und die USA lieferten, mache ihm Angst. Frieden sei doch das wichtigste.

Maximale Intensität

András Sass gründete 2014 zusammen mit Tamás Vaspori und Laszlo Czigany die Agentur Maxin10sity. Maximale Intensität, Leidenschaft, Lust auf Neues: Das macht die Truppe aus.

Gleich im ersten Jahr kam der Auftrag herein, zum 555-jährigen Bestehen der Stadt Bukarest das dortige Parlament mit einer Show zu bespielen. Die dauerte fünf Minuten und 55 Sekunden – und wurde bejubelt.

Ein guter Start

„Das war ein sehr guter Start“, sagt András Sass rückblickend. Heute ist Maxin10sity auf der ganzen Welt unterwegs. Beim FINA World Championship in Budapest wirkte die Gruppe gerade an der Eröffnungsshow mit. Beim Jerusalem Light Festival präsentieren die Ungarn ihre Arbeit am Damaskus-Tor. Und für das Luma Projection Arts Festival in Binghamton im Bundesstaat New York arbeitet András Sass momentan an diversen Märchenszenen.

Premiere beim Stadtgeburtstag

Karlsruhe kannte er nicht, als er 2015 die Chance bekam, zum 300. Stadtgeburtstag einen Beitrag für die Schlosslichtspiele zu machen. Das Schloss, das Projektionsfläche ist, hatte er nie besucht. Erst zur Premiere reiste er an.

„Ich habe mich damals sehr intensiv mit dem Gebäude, mit Karlsruhe, seiner Historie, seinem Gründungsmythos und seinen Berühmtheiten beschäftigt“, erläutert er. Am Ende stand „300 Fragments“. Eine Show, die sich mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Karlsruhes befasst.

Museumsexponate auf der Schlossfassade

Die Ungarn wurden 2016 erneut eingeladen. Sie holten dann in „Legacy“ Exponate des Badischen Landesmuseums auf die Schlossfassade – und die passenden Epochen gleich dazu.

„Als wir für unsere Recherche durch das Museum gingen, erklärte uns eine nette Führerin die Stadtgeschichte. Eine Frau des ZKM, die uns begleitete, sagte ihr, dass sie das nicht müsse: Wir hätten doch genau diese Geschichte im Jahr 2015 auf der Schlossfassade erzählt“, erinnert sich András Sass.

Weibel gibt wertvolle Tipps

Er schwärmt von der Zusammenarbeit mit dem ZKM. Dessen Chef Peter Weibel trägt die künstlerische Verantwortung für die allabendlichen Lichtspiele. „Er gibt uns wertvolle Tipps“, berichtet András Sass.

Das Schloss kennt er inzwischen gut. „Es ist eine meiner absoluten Lieblingsprojektionsflächen.“ Schon dass die Besucher so nah ran an das Gebäude und die Projektionen kommen, sei eine Besonderheit. „In Bukarest zum Beispiel hat man immer mindestens 300 Meter Abstand zum Parlament.“

Alle drei Shows im Programm

Längst ist das Team von Maxin10sity zurück in Budapest, arbeitet an neuen Projekten, an Bildern, Geschichten, an der dafür nötigen Technik – während in Karlsruhe jetzt für einige Zeit jeden Abend alle drei Shows der Ungarn auf der Schlossfassade zu sehen sind.

Der aktuelle Beitrag ist der beste

Peter Weibel sagt: „Der aktuelle Beitrag ist ihr bester!“ „Structures of Life“ erzählt die Entstehung des Lebens, angefangen bei den ersten Zellen.

„Am Anfang kommt ein Wasserfall. Wasser ist ein wichtiges Element – und es geht mir auch um den Fluss des Lebens“, erläutert András Sass seine Idee. Er entführt die Zuschauer in die Unterwasserwelt, zu Fischen und Schildkröten.

Leben entsteht

Dann scheinen die Dinge nach unten zu verrutschen. Auf der Schlossfassade sind Gesteinsschichten zu sehen, dann Lavamassen, die zu Mund und Augen werden – zum Leben. Auch DNA-Ketten lässt András Sass über das Mauerwerk tanzen.

Tiger ist ein Hingucker

Und dann kommt er, der Tiger, den einige Zuschauer der Schlosslichtspiele lieben, andere etwas kitschig finden. Ein Blickfang ist er in jedem Fall. „Aber er ist nicht das einzige Tier in dieser Szene im Dschungel“, verrät András Sass: Zu sehen sind ebenso ein Affe, eine Schlange, zwei Arten Papageien und Schmetterlinge.

Das menschliche Gehirn im Blick

Auch das menschliche Gehirn nimmt sich András Sass vor. „Die rechte und die linke Seiten sind ja sehr unterschiedlich.“ Deshalb finden sich auf einem Schlossflügel mathematische Formeln und auf dem anderen beispielsweise Origami-Kunst.

Weiter geht die Reise durch die verschiedenen Epochen der Architektur. Mal wird das Schloss zur Rialtobrücke, mal zu einem Gaudí-Bau. Auch byzantinisch kommt es daher – ein Gebäude in Sofia diente András Sass da als Vorbild.

Das Rad wird erfunden

Bevor er seine Zuschauer zum Abschluss mit auf den Mars nimmt, wird erst mal das Rad erfunden. Schritt für Schritt entwickelt sich die Mobilität, bis zur Raumfahrt. Wer bei diesem Teil aufmerksam hinsieht, entdeckt eine Draisine auf der Schlossfassade – deren 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. Klar, dass András Sass auch dieses Ereignis in seiner Arbeit für Karlsruhe würdigt.

Service

Die Schlosslichtspiele sind bis 10. September jeden Abend bei freiem Eintritt zu sehen. Das Programm dauert bis 23.30 Uhr. Derzeit geht es um 21.30 Uhr los, ab dem 18. August ist Start um 21 Uhr. Insgesamt sind sieben neue Werke und drei aus den Vorjahren zu sehen, das Programm wechselt immer wieder.