Die zwei Schnee-Eulen sind im neuen gehege gelandet.
DEN PLATZ AN DER SONNE genießen die beiden Schnee-Eulen. Ihre neue Voliere ist von der Schattenzone am oberen Nordhang des Lauterbergs, wo noch die andren Eulen wohnen, abgerückt. Ganz schneeweiß ist das Männchen. Das Weibchen trägt Bänder und Flecken im Federkleid. Das Beingefieder schützt gegen arktische Kälte. | Foto: jodo

Neue Voliere im Karlsruher Zoo

Schnee-Eule und Eisbär beäugen sich

Anzeige

Zehn Meter vor dem Netz der neuen Voliere stehen sich die Zoofreunde am Absperrband die Beine in den Bauch. In klirrender Kälte müssen sie warten, bevor sie die zwei Federschätze des Zoos in deren neuer Umgebung am Eisbärhang durch die Sicherheitsmaschen des Geheges bestaunen dürfen. Dabei haben sie es ermöglicht: Der Zoo hat für 150 000 Euro eine neue Attraktion – die Schnee-Eulen-Voliere. Eine Sackgasse über der Pinguin-Anlage, die vom Weg zu den Schnee-Leoparden abzweigt und am Fels der Karlsruher Eisbärenwelt endet, führt jetzt zu „Bubo Scandiacus“.

Schnee-Eule im Blick des Bären

Früher und näher kommen dagegen die Eisbären den zwei Eulen aus der Tundra – und das ist von Zoodirektor Matthias Reinschmidt so gewollt. Da drückt sich doch wiederholt ein weißer Riese die schwarze Nase an der Fensterscheibe platt und beäugt die gefiederte Nachbarschaft. Ein kleinerer Petz reckt aufgeregt den Hals nach dem Greifvogelpaar um die Felsenecke. Die Eulen aber sitzen starr und weise – so wie die Menschen diese Vögel als Fabel- und Mythenwesen lieben – wie Eiszapfen nebeneinander auf dem Boden.

Eisiger Blick oder waches Auge
FENSTER ZUR VOLIERE: Der Eisbär hat die neuen Nachbarn fest im Blick. Vielleicht spürt er, dass die Schnee-Eulen alte Bekannte aus der Arktis sind? | Foto: jodo

Nur das Männchen, das wahre Schneeweiß, dreht ab und zu den Wendehals Richtung Bär. Sein Gefieder ist so schneeflockenrein, dass daneben das Fell des Eisbärs völlig vergilbt erscheint. Das Weibchen zeigt dagegen um das weiße Rundgesicht ein in Braun gebändertes und getupftes Federkleid vom Scheitel bis zur Klaue. „Damit ist es im Sommer als Bodenbrüter in der Tundra gut getarnt“, erklärt Reinschmidt.

Eulenvater holt die Hasen ran

Eine Schnee-Eule ist ein guter Partner. Werden die fünf bis elf Eier eines Geleges von dem etwas stärkeren Weibchen ausgebrütet, dann schafft der Eulenvater alleine Lemminge oder Schneehasen ran. Frost lässt bei diesen Eulen keinen Frust aufkommen. „Sie können problemlos 40, 50 Grad minus aushalten. Das sind Tiere der Arktis, die auch im Winter dort bleiben“, meint der Zoochef. Die Schnee-Eulen bekommen auch deshalb keine kalten Füße, weil sie im Unterschied zu anderen Eulenarten Federhosen tragen. Selbst der Schnabel der bis zu drei Kilo schweren Flieger ist durch Federbüschel links und rechts vor dem Vereisen geschützt.

Mehr Platz für alle Eulen

Nach der neuen Erdmännchen-Anlage am Giraffenhaus und in Sichtweite der Schnee-Eulen hat der Zoo binnen eines halben Jahres mit dem neuen Schnee-Eulen-Gehege schon den nächsten Sprung mit Hilfe der Zoofreunde geschafft. Reinschmidt schlägt dabei nicht nur vier Vögel mit einer Klappe, sondern er bringt für die Zoo-Entwicklung den Lauterberg zum Kreisen. Zunächst zu den Eulen: Viele Jahre mussten sich vier Arten die Volieren am Nordhang teilen. Jetzt sind die Schnee-Eulen etwas den Hang hinunter Richtung Eisbären gezogen, denen sie doch auch in der freien Natur Grönlands oder Kanadas begegnen. Für Reinschmidt passt die Anordnung der Tiere nach dem natürlichen Lebensraum besser als nach dem Prinzip Eule. Deshalb soll der südamerikanische Brillenkauz bald Richtung Exotenhaus ziehen. Damit bekommen Bartkauz und Uhu doppelt so viel Platz am alten Volierenort.

Zukunft am Lauterberg

Doch Reinschmidt hat mit Karlsruhes 154 Meter hohen Kunstberg – immerhin 42 Meter über Rathausniveau – noch viel mehr vor. Die 125 Jahre alte Aufschüttung wird im Zoo-Konzept zum Schwarzwaldvorberg – zu Karlsruhes Nationalparkhügel. Der Parkpate Karlsruhe wird so als Vorposten Teil der Naturwelt Schwarzwald.

Die Luchse kommen

„Im Frühjahr beginnen am Berg die Arbeiten für das neue Luchsgehege“, berichtet der Zoochef. Zudem will der Zoo erstmals auch die Gipfellage für sich erschließen. Dort sollen die stark bedrohten Vogelschätze des Schwarzwalds – Auerhahn und Sperlingskauz – Volieren bekommen. „Dann können Schüler, die einen Ausflug in den Nationalpark zu Auerhahn, Kauz und Luchs machen, zuvor in Karlsruhe die Tiere wirklich sehen, die sie dann in freier Natur nicht zu Gesicht bekommen“, sagt Reinschmidt.

Auerhahn in der Stadt?

Auch Zoodezernent Michael Obert sieht eine Alleinstellung des Lauterbergs in der deutschen Zoolandschaft und damit große Aussichten für die Fächerstadt mit ihrem „Schwarzwaldhügel“. Vor dem Zweiten Weltkrieg stand ein Schwarzwaldhaus am Fuß des Lauterbergs. Warum soll nicht bald von dessen Spitze ein Auerhahn im Balzgesang über Karlsruhes Dächern kollern? Doch auch das wird die Schnee-Eulen kalt lassen.