U-Strab-Station
SO LANGSAM VERWANDELT sich die triste Betonhalle unter dem Durlacher Tor in die versprochen helle Welt einer U-Strab-Haltestelle. In akribischer Arbeit fügen die Fachkräfte des Memminger Unternehmens VHB die 70 Kilogramm schweren Betonwerksteinplatten aneinander. Die Bahnsteige sind inzwischen nahezu komplett belegt. Dagegen sind an den Wänden noch deutliche Lücken zu schließen. | Foto: jodo

2019 wird U-Strab-Gleisbaujahr

Schotter und Schienen unter der Erde

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Im zehnten Jahr des Tunnelbaus kommt das Ende noch nicht in Sicht: Die Straßenbahnen rollen weiterhin nach offizieller Zeitrechnung frühestens zu Weihnachten 2020 durch die Röhre.

Vielleicht auch später

Vielleicht auch erst ein oder zwei Jahre später, wie es kritische Beobachter längst für wahrscheinlich halten.

Dennoch wird 2019 das U-Strab-Baujahr, in dem sich ein nackter Tunnel in eine unterirdische Gleisanlage verwandelt. Es wird das Jahr des Schotters, der Schwellen und der Schienen.

In drei Abschnitten wächst der 3,5 Kilometer lange Doppelstrang in Drei-Monate-Etappen.

In neun Monaten verlegt

Nach neun Monaten also ist es so weit: Ab September können Schienenfahrzeuge, etwa Bautransportwagen, beispielsweise am Gottesauer Platz einfahren, in der Kaiserallee wieder ans Licht kommen oder am unterirdischen Gleisdreieck auf die Südschiene abbiegen und in der Ettlinger Straße bei der Zoodirektion wieder auftauchen.

Später müssen dann für den regulären Straßenbahnbetrieb noch die Oberleitung und die Signaltechnik installiert werden.

U-Strab
DER TUNNEL außerhalb der unfertigen Untergrundstationen ist für den Gleisbau vorbereitet. | Foto: jodo

„Am 7. Januar beginnt der Gleisbau.“ Uwe Konrath, Chef der Tunnelbauherrin Kasig, lässt daran keinen Zweifel. Bis dahin müsse die Wand- und Bahnsteigverkleidung zumindest zweier von insgesamt sieben Untergrundstationen weitgehend sitzen, hofft Konrath.

Transport über Treppe?

Nur wenn man nun in den Haltestellen entsprechend vorankomme, sei deren Fertigstellung dann 2019 parallel zum Gleisbau fristgerecht möglich, erklärt er.

Und was ist, wenn die Wände aus an einer Stahlkonstruktion eingehängten Betonsteinen in den U-Strab-Stationen nicht fertig werden, bevor die Schotterstampfer und Schienenbauer mit schwerem Gerät im Tunnel anrücken? Dann müssten eben die viele Tonnen schweren Stahl- und Steinladungen aufwendig über die Schächte und Treppen der U-Stationen nach unten geschafft werden.

 

Dieser Mehraufwand gegenüber der heutigen Anlieferung des Baumaterials im Tunnel per Lkw könnte dann den ganzen U-Strab-Bauzeitenplan neuerlich ins Rutschen bringen. Ursprünglich sollte die U-Strab nach sechs Jahren Bauzeit zu Weihnachten 2016 in Betrieb gehen – daraus werden mindestens vier Jahre mehr.
50 Gewerke

Wir haben 50 Gewerke

Konrath weiß, dass auch beim U-Strab-Bau-Endspurt noch einige Störungen und Verzögerungen eintreten können. „Wir haben 50 Gewerke im Tunnel, davon befinden sich derzeit 30 Prozent in Bautätigkeit“, erläutert er. In der Spitze arbeiten demnach derzeit rund 280 Leute unter der City. Noch aber sei das Ziel „Inbetriebnahme Ende 2020“ möglich, beteuert der oberste U-Strab-Stratege.

Alles muss ab jetzt optimal laufen

Immerhin sind die Gefahren eines Einsturzes beim Tunnelrohbau so dicht unter der Oberfläche einer Großstadt schon seit 2017 endgültig gebannt. „Alles muss ab jetzt optimal laufen, dann kann die U-Strab Ende 2020 rollen“, meint Konrath. Fragt sich also nur, ob der Innenausbau von nun an wie am Schnürchen läuft.

Angelpunkt: Gleisdreieck

„Die Betonwerksteine sind jetzt der wesentliche Punkt“, sagt Konrath. Bis Jahresende sollen demnach in den U-Stationen Durlacher Tor und Kronenplatz die untere Wandhälfte, die Bahnsteige und die Bahnsteigkanten „zu 90 Prozent“ fertig sein.

Ist diese Voraussetzung erfüllt, „können vom 7. Januar bis zum 21. März auf dem ersten Abschnitt vom Gleisdreieck am Marktplatz bis zum Durlacher Tor und weiter über die Rampe bis zum Gottesauer Platz die Schienen verlegt werden“, berichtet Konrath.

 

Baucontainer U-Strab
VOR DEM ENDE steht das Containerdorf der BeMo-Tunnelling am Mühlburger Tor. Weil der Tunnel im Rohbau fertig ist, wird die Wiese mit Denkmalreiter und Taubenschlag vor Weihnachten nach sechs Jahren frei. | Foto: jodo

 

Die Gleise werden also vom Dreieck Marktplatz aus in alle drei U-Strab-Richtungen in die Röhre eingebaut. Zunächst von dort nach Osten zum Durlacher Tor. Von Anfang April bis Ende Juni soll der Weststrang unter der Kaiserstraße vom Gleisdreieck Marktplatz bis zum Mühlburger Tor verlegt werden.

Von Juli bis Anfang September folgt dann noch der Südabzweig vom Marktplatz bis zum Zoo. Da jeweils von innen (Gleisdreieck) nach außen (Rampen) gebaut wird, kann für jeden Schienenast die Materialversorgung noch per Lkw über die Rampen erfolgen.

„Der Gleisbau wird auf jeden Fall in dieser Zeit durchgezogen“, bekräftigt Konrath – selbst wenn die Ausgestaltung der Stationen mit den Betonwerksteinen diesem Tempo hinterhinken sollte. „2019 läuft der Innenausbau für die U-Strab volle Kanne“, verspricht der erste Mann der städtischen Tochter Kasig.

Der Innenausbau der Stationen hat im Februar 2018 am Durlacher Tor begonnen. Dort wird seit fünf Monaten an der Stahlkonstruktion für die Steine gearbeitet, und momentan sind die Platten zu etwa 75 Prozent angebracht.

 

 

An den Wänden sind für die Lüpertz-Genesis-Kunst-Majolika zwei Stellen im durchgängig gefugten Behang der 70 Kilo schweren Fliesen ausgespart. In der Station „Kronenplatz“ hängt die Stahlkonstruktion an den Wänden.

Nur die Bahnsteigkante ist dort bislang mit Steinen verkleidet – in zwei Monaten sollen dort die Betonwerksteine zu 90 Prozent verbaut sein, damit ungehindert die Gleisbauer agieren können. In der Untergrundstation „Lammstraße“ sind immerhin schon die Stahlteile für den Wandverbau angeliefert.

In den Betonhallen „Europaplatz“, „Marktplatz“ und „Ettlinger Tor“ sind die Wand- und Bahnsteigverkleider noch nicht angekommen. Lediglich an der kleinen Südstation „Kongresszentrum“ wird schon am Belag gewerkelt.