Gewehrsalven aufs Karlsruher Schloss ließ im November 1918 der Matrose Heinrich Klumpp abfeuern. In Plänen hat Wachtmeister Stöcklin die Einschüsse rot markiert.
Von der Monarchie zur Republik: Gewehrsalven aufs Karlsruher Schloss ließ im November 1918 der Matrose Heinrich Klumpp abfeuern. In Plänen hat Wachtmeister Stöcklin die Einschüsse rot markiert. | Foto: Vorlage: GLA Karlsruhe 243, Nr. 912

Ausstellung: Demokratie wagen?

Schüsse aufs Karlsruher Schloss – 1918 wird Baden Republik

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Von „einer Art Karlsruher Köpenickiade“ spricht Peter Exner und meint damit die Schießerei vor dem großherzoglichen Schloss in der Nacht vom 11. auf den 12. November 1918. Exner ist der Kurator der Ausstellung „Demokratie wagen? Baden 1818-1919“ im Generallandesarchiv Karlsruhe. Wichtige Kapitel in dieser Schau sind das Ende der Monarchie und die Anfänge der Republik vor 100 Jahren.

Ob sich die konstitutionelle Monarchie in Baden über den Ersten Weltkrieg würde retten können? Spätestens, als in Bayern und im Reich die Republik ausgerufen wurde, schien das nicht mehr denkbar.

Aufruhr in Lahr und Offenburg

Die Ende Oktober 1918 einsetzenden Massenmeutereien in der Hochseeflotte hatten sich zu einer Revolution ausgeweitet. Anfang November gab es Aufruhr auch in den Garnisonen Lahr und Offenburg. Zwei Tage später bildete sich in Karlsruhe ein Soldatenrat und ein Wohlfahrtsausschuss. Großherzog Friedrich II. entließ am 10. November seine Minister. Die Parteien stellten unterdessen eine vorläufige badische Volksregierung zusammen. Aber noch saß der Großherzog mit seiner Frau und seiner Mutter im Karlsruher Schloss.

„Der größte Lump von Baden“

Dann geschah das, was Peter Exner „eine Art Karlsruher Köpenickiade“ nennt. In der Nacht vom 11. auf den 12. November marschierte der Matrose Heinrich Klumpp mit einem Trupp Infanteristen vor dem Karlsruher Schloss auf. Klumpp, ein gebürtiger Karlsruher, der an der Meuterei der Hochseeflotte teilgenommen hatte, war alkoholisiert. Er begehrte, zum „größten Lump von Baden“, dem Großherzog, vorgelassen zu werden. Ein beherzter Kammerherr wies ihn jedoch ab. Darauf befahl der selbst ernannte Kommandeur den Soldaten, Gewehrsalven aufs Schloss abzufeuern.

Gewehrsalven aufs Karlsruher Schloss

Das Gebäude verzeichnete allein an der Südwestfront 54 Einschläge. In der Ausstellung im Generallandesarchiv kann man Pläne betrachten, in die ein Wachtmeister namens Stöcklin die Einschlusslöcher rot markiert hat. Denn der um Legalität besorgte Arbeiter- und Soldatenrat wollte die Geschehnisse aufklären. Er ließ Klumpp wegen Landfriedensbruchs verhaften. Klumpp profitierte allerdings von einer Amnestie. Der Matrose wurde am 18. Dezember aus dem Gefängnis entlassen.

Die großherzogliche Familie flieht

Einige Kugeln waren auch ins Schlossinnere eingedrungen. Eine hatte  – welche Symbolik! – ein Bildnis Friedrichs des Großen durchschlagen. Die Ereignisse erschreckten die großherzogliche Familie so, dass sie noch in der Nacht nach Schloss Zwingenberg am Neckar flüchtete. Dort fand sich Friedrich II. bereit, die Regierungsgeschäfte ruhen zu lassen.

Baden zur Republik erklärt

Der Vorsitzende der vorläufigen Regierung Anton Geiß, ein Sozialdemokrat, erklärte Baden daraufhin am 14. November zur „freien Volksrepublik“. Er nahm damit vorweg, wofür der Großherzog formal erst am 22. November 1918 den Weg freimachte.

Die Abdankung

In Schloss Langenstein im Hegau unterzeichnete Friedrich II. den Thronverzicht für sich und sein Haus. Das Dokument endet mit dem Satz endet: „Gott schütze mein liebes Badener Land“. Es ist in der Ausstellung ebenso zu sehen wie der Original-Schreibtisch aus Schloss Langenstein, an dem Friedrich II. seine Botschaft an den neuen Souverän, das badische Volk, verfasste.

Weg frei für die Republik: Abdankungsurkunde Großherzog Friedrichs II. vom 22. November 1918
Friedrich II. macht den Weg frei für die Republik: Abdankungsurkunde des Großherzogs vom 22. November 1918 in der Ausstellung. | Foto: abw

Erstmals dürfen auch Frauen wählen

Endgültig über die neue Staatsform Badens entscheiden sollte die Nationalversammlung. Sie wurde am 5. Januar 1919 gewählt. Dabei durften erstmals auch Frauen an die Urnen gehen. Eine neue Landesverfassung erhielt die Republik Baden im März 1919. Sie war eine Besonderheit: Als einzige deutsche Konstitution wurde sie durch eine Volksabstimmung bestätigt – der ersten in der deutschen Geschichte überhaupt.

Republik Baden
Blick in die Ausstellung: Republik Baden | Foto: abw

Die Ausstellung „Demokratie wagen? Baden 1818–1919“ ist bis 12. August 2018 im Generallandesarchiv Karlsruhe, Nördliche Hildapromenade 3, zu sehen. Weitere Infos sowie die Öffnungszeiten gibt es hier.