Karies-Bekämpfungsaktion der Städtischen Schulzahnklinik in Karlsruher Kindergärten durch Ausgabe von Fluorid-Tabletten.
Karies-Bekämpfungsaktion der Städtischen Schulzahnklinik in Karlsruher Kindergärten durch Ausgabe von Fluorid-Tabletten. | Foto: Schlesiger/Stadtarchiv, 1972

Fast vergessene Institutionen

Wer erinnert sich noch an Schulzahnärzte und Läuseschwestern?

Anzeige

Schulzahnärzte und Läuseschwestern sind zwei Institutionen aus der früheren Schulzeit, die heute nur noch wenige kennen. Was hat es mit den Zahnärzten in Schulen auf sich? Früher gingen kaum Kinder zum Zahnarzt. Ein Hauptgrund dafür: Die Zahnarztdichte in Deutschland war gering. Deshalb kamen die Ärzte an die Schulen, um dort die Schüler zu untersuchen, die nicht bei lokalen Ärzten waren oder diese nicht besuchen konnten.

Damals waren Aussagen wie „Nur Putzen bringt Nutzen“, „Vorbeugen statt heilen“ oder „Gesundheit fängt im Mund an“ in aller Munde.

Auch interessant: Zahnärzte warnen vor neuer Volkskrankheit „Kreidezähne“

30.000 Untersuchungen pro Jahr in der Schulzahnklinik

Außerdem gab es die Städtische Schulzahnklinik in Karlsruhe, die beispielsweise Karies mit der Ausgabe von Fluorid-Tabletten bekämpfte. Sie wurde 1906/1907 gegründet. Kinder, die ihre Zahnscheine nicht abgegeben haben, besuchten diese Schulzahnklinik. Zahnärzte untersuchten dort etwa 30.000 Kinder pro Schuljahr.

Auch interessant: Debatte um Kieferorthopädie – Was bringen Zahnspangen?

Präventivprojekt „Jugendzahnpflege“

Auch heute noch gehen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe im Rahmen des bewährten Präventivprojekts „Jugendzahnpflege“ zwei Zahnärztinnen an die Grundschulen. Sie untersuchen die Zähne aller Erstklässler. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Jugendzahngesundheit werden zudem Kindergärten, Schulen und besondere Einrichtungen besucht.

Mehr zum Thema: Fluorid im Faktencheck: Ab wie viel Zahnpasta droht Gefahr?

Kopfläuse in Kindergärten oder Grundschulen waren und sind keine Seltenheit. Die etwa zwischen ein bis zwei Millimeter großen Tiere verbreiten sich besonders gerne dort, wo Menschen näheren Kontakt haben. Sie ernähren sich ausschließlich von Blut. Sogenannte Schulschwestern für Läuse oder kurz Läuseschwestern kümmerten sich vor allem in den 1960er Jahren um die Parasiten in den Schulen. Sie stellten diese noch bis in die 90er Jahre fest und halfen bei der Beseitigung.

Auch interessant: Zahnarzt wird GQ Gentleman 2019

Hochzeit nach den großen Ferien

Speziell nach den Sommerferien, wenn die Kinder aus den Ferienlagern zurückkehrten, kam es zu größeren Plagen oder gar Epidemien, die zum Teil auch zu Schulschließungen führten. Ende der 1970er erhielten Betroffene zum Beispiel mittels einer Kurzrufnummer und einem Tonband Auskunft darüber, wie man die Parasiten wieder beseitigt.

Die typischen, sichtbaren Symptome für einen Kopflausbefall sind Kratzspurend und entzündete Hautveränderungen im Nackenbereich und hinter den
Die typischen, sichtbaren Symptome für einen Kopflausbefall sind Kratzspurend und entzündete Hautveränderungen im Nackenbereich und hinter den | Foto: Hermal/Archiv, 1996

Auch interessantSchnuller dürfen notfalls abgeleckt werden

Und wie sieht es heute aus? „Läuse sind nach wie vor ein Problem – mal mehr, mal weniger“, sagt Peter Friebel, Leiter des Gesundheitsamts im Landratsamt Karlsruhe. Dies habe nichts mit dem sozialen Status zu tun. Falls eine Familie den Befall nicht in den Griff bekommt, kommen Mitarbeiter des Gesundheitsamts in die Klassen und nehmen sich dem Thema an.

Anlassbezogene Untersuchungen

Olga Kljuew, gelernte Krankenschwester, macht das seit vier Jahren. „Im Gegensatz zu früher, wo es nach den Sommerferien Routineuntersuchungen gab, kommen wir heute anlassbezogen bei problematischen Fällen wenn der Läusebefall nicht verschwinden möchte“, sagt die 39-Jährige. Sie ist selbst Mutter einer Tochter im Grundschulalter und kennt die Problematik auch privat.
Häufig erkennen Eltern die Tiere nicht nicht, dann schaut sie sich die Köpfe der Kinder an. Eltern können ebenso zu ihr ins Landratsamt oder zu ihren Kinder- und Hausärzten kommen.

Nass auskämmen

Auch heute noch sei es so, dass sechs bis acht Wochen nach den Sommerferien mehr Fälle gemeldet werden würden. Sie empfiehlt nasses Auskämmen mit einem Nissenkamm sowie eine Haarpflegespülung. „Das hilft auf jeden Fall“, so Kljuew.

Auch interessant: Drogenlabor im Landkreis Karlsruhe ausgehoben