Straßenbahnunfälle in Karlsruhe: ein schwarzes Jahr. Hier der Unfall ein Unfall in Rüppurr bei dem der Fahrer gestorben ist.
Straßenbahnunfälle in Karlsruhe: ein schwarzes Jahr. Hier der Unfall ein Unfall in Rüppurr bei dem der Fahrer gestorben ist. | Foto: Reichelt

Schwere Regelverstöße

Schwarzes Jahr für Karlsruhe: Zu viele Straßenbahnunfälle 2018

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Fünf Menschen sind in diesem Jahr bereits bei Unfällen mit Stadt- und Straßenbahnen in Karlsruhe gestorben. Bei weiteren dramatischen Kollisionen von Pkw und Bahn im Stadtgebiet wurden Autofahrer teils schwer verletzt. Dabei stehen noch knapp sechs dunkle, unfallträchtige Wochen aus.

Die Zahlen des „schwarzen Jahres“ 2018 stimmen die Verantwortlichen im Nahverkehr besorgt. „Für uns ist diese Häufung ein wichtiges Thema. Wir nehmen jeden einzelnen Unfall ernst“, betont Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG). Trotz intensiver Analyse einschließlich Vorfällen mit Bagatellschäden haben Ralf Messerschmidt, Leiter des Bereichs Straßenbahnen bei den VBK, und Andreas Sommer, Betriebsleiter Eisenbahn bei der AVG, allerdings keine neue Spur.

Regelverstöße als Unfallursache

Jeder schwere Unfall mit einer Bahn sei durch einen individuellen Verstoß gegen Verkehrsregeln verursacht, so Egerer. Mit tödlicher Folge krachte es – wie mehrfach auch im Vorjahr – Ende Oktober in der Herrenalber Straße in Rüppurr. Dabei rollen die Stadtbahnen dort seit Ende 2017 trotz separatem Gleisbett nur noch mit maximal Tempo 40. Vorher galt Tempo 70. Das führt im Ernstfall zu 70 Metern Bremsweg. Tempo 50 halten Bahnen im stadttypischen Verkehrsmix ein. Karlsruhes Zweisystemwagen sind besonders bremsstark: Sie müssen Vorgaben von zwei Seiten erfüllen.

Vorsicht im Straßenverkehr

Vor allem drei Sünden werden Fußgängern, Radlern und Autofahrern in Karlsruhe hochgefährlich: Schienen bei Rot überqueren, trotz Verbot über Gleise abbiegen, mit Kopfhörer oder Blick aufs Smartphone vor die Bahn laufen. „Einmal lief ein junger Mann seitlich gegen eine Bahn wie gegen eine Wand“, berichtet Egerer. In dem Fall floss kein Blut. Im Januar aber erfassten innerhalb weniger Tage zwei Bahnen junge Menschen, die unachtsam Gleise überquerten. Eine 17-Jährige erlag kurz darauf ihren Verletzungen. Warum vor zwölf Tagen ein 53 Jahre alter Mann an der Haltestelle Hirtenweg vor eine anfahrende Bahn stürzte, überrollt wurde und starb, sei bisher nicht geklärt, so die Karlsruher Experten für Bahnverkehr.

Autofahrer oft zu schnell

Mit Fachleuten anderer Großstädte tauschen sie regelmäßig Erkenntnisse und Erfahrungen aus. Etwa die, dass viele Autofahrer Bahnübergänge zu flott passieren. So erklären Egerer und Messerschmidt auch die spektakulären Unfälle im Mai und Juni in Durlach-Aue und der Waldstadt. In beiden Fällen wurde ein Pkw zwischen einer Bahn und einem Andreaskreuz eingeklemmt. Fahrlehrer raten, rechtzeitig vor einem Bahnübergang zu verlangsamen, um keinen Auffahrunfall zu riskieren.

Gefährliche unbeschrankte Bahnübergänge

Laut Messerschmidt ist stadtweit fast überall Rotlicht installiert. Wenn das nicht leuchtet, kann es aber auch defekt sein. Die Profis im Bahnführerstand überqueren Übergänge in diesen Fällen langsam „auf Sicht“. Laut ADAC knallt es an unbeschrankten Bahnübergängen mit Blinklichtanlage überproportional oft. Offenbar interpretierten Autofahrer das Blinken falsch als Warnzeichen wie an Ampeln.