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Sicher vor dem Jäger ist diese Wildschweinrotte im Gehege beim Naturschutzzentrum Rappenwört. Frei lebende Schwarzkittel im Stadtgebiet werden von den Jägern so weit es geht erlegt, um Wildschäden zu vermeiden. | Foto: Jörg Donecker

Intensive Jagd in Karlsruhe

„Schutz vor Ansteckung nicht möglich“

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Sie sind eigentlich nicht Ursache des Problems, doch neben den Menschen sind Wildschweine ein wichtiger Faktor bei der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Käme die Seuche in deutsche Schweineställe, könnte das wirtschaftliche Verluste in Millionenhöhe bedeuten. In Karlsruhe halten sieben Landwirtschaftsbetriebe Schweine, die Zahl der wilden Artgenossen im Stadtgebiet lässt sich laut Angaben des Forstamts nicht genau abschätzen.

„Im Wildgehege Rappenwört leben derzeit etwa 30 Wildschweine“, schreibt der Leiter des Forstamts, Ulrich Kienzler, auf BNN-Anfrage per E-Mail. Im Wildschweingehege in Grünwettersbach seien es derzeit acht Tiere. Das Gehege und die Umgebung sind beliebtes Ausflugsziel für Familien und Wanderer.

Wildschweine leben in Karlsruher Waldgebieten

„Wildschweine leben in nahezu allen Waldgebieten. Schwerpunkt bilden die Hardtwälder, die Auewälder und die Wälder um Durlach und die Bergdörfer“, so Kienzler. Die Populationsdichte der frei lebenden Wildschweine in der Fächerstadt lasse sich nicht beziffern, da „Wildschweine sehr mobil sind und als Wildtiere nicht zählbar sind“. Tendenziell nehme die Population zu, was man aus den Zahlen der landesweiten Jagdstatistik entnehmen könne.

Diese erfasst seit der Jagdsaison 1935/36 die Zahl der im Land erlegten Tiere sowie die Zahl der verendet aufgefundenen und im Eisenbahn- und Straßenverkehr getöteten Wildtiere. Während die Zahlen für Schwarzwild im Land in den frühen 1990er Jahren noch bei um die 20 000 lagen, pendeln die Angaben seit der Saison 2007/08 zwischen 40 000 und 70 000 getöteten Wildschweinen. In der Saison 2016/17 waren es laut Tabelle 45 962 Tiere in Baden-Württemberg.

Möglichst viele Wildschweine erlegen

Ein Schutz vor Ansteckung der Tiere in den Karlsruher Wildschweingehegen sei nicht möglich, schreibt Forstamtsleiter Kienzler. Als effektivstes Mittel gegen die Verbreitung des afrikanischen Virus durch Wildschweine wird allgemein die Jagd angesehen, weshalb nun auch die Bundesregierung die Schonzeit für Wildschweine ausgesetzt hat. Zudem hat wie berichtet der baden-württembergische Verbraucherschutzminister Peter Hauk einen Zwölfpunkteplan aufgestellt.

„Die im Stadtgebiet jagenden Personen versuchen bereits heute, möglichst viele Wildschweine zu erlegen, um Wildschäden zu vermeiden“, erklärt Kienzler. Dabei sei zu berücksichtigen, dass aus Sicherheitsgründen im stadtnahen Bereich nicht alle Jagdmöglichkeiten, etwa Drückjagden, erlaubt seien. Auch eine vorbeugende Massenjagd auf Wildschweine sei im stadtnahen Raum nicht möglich.

Tierschutz wird nicht ausgehebelt

„Das Grundprinzip, tierschutzgerecht zu jagen, wird nicht ausgehebelt“, so Kienzler. Im Gegenteil förderten einzelne Maßnahmen wie die Erleichterung der Bejagung im Wald bei Nacht unter Verwendung von Lichtquellen eher eine tierschutzgerechte Handhabung des Problems, weil qualvolle Nachsuchen auf verletzte Tiere so vermieden würden.

„Natürlich sehen Tierschützer das Problem, dass Jagdvorschriften jetzt über den Haufen geworfen werden“, sagt Alexandra Börner vom städtischen Veterinäramt. „Aber die Wissenschaft setzt auf die starke Reduzierung der Wildschweinbestände, um die Wahrscheinlichkeit der Verbreitung zu verringern.“ Von städtischer Seite werde nun über Sperrungen bestimmter Waldgebiete als weitere mögliche Maßnahme nachgedacht.