Er ist der Seelsorger der Seelsorger. Theologe Traugott Schächtele ist Prälat in der Evangelischen Landeskirche. In diesem Amt kümmert er sich um Pfarrer, die persönliche Probleme besprechen möchen. Der Prälat für den Kirchenkreis Nordbaden hat seinen Sitz in Schwetzingen. Bewusst an einem anderen Ort als der Oberkirchenrat, der in Karlsruhe seinen Sitz hat. Aber in den kirchlichen Gremien ist der Prälat mit beratender Stimme dabei. | Foto: lie

Prälat Traugott Schächtele

Seelsorger der Seelsorger

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Wenn Traugott Schächtele seine Gottesdienste vorbereitet, setzt er nicht nur bei der Predigt starke Akzente. Der evangelische Pfarrer schreibt neue Texte zu bekannten Liedern und verteilt sie an die Besucher. Gerade hat er zur schwedischen Melodie des Abendlieds „Der Lärm verebbt“ einen kunstvoll gereimten Adventstext verfasst – sein „Lied von der blühenden Wiese“. Ein Mann für Gedichte, ein Mann des starken Wortes ist der 61-Jährige.

Predigt, Gespräch und Repräsentation

In der evangelischen Landeskirche von Baden nimmt er seit acht Jahren eine Funktion wahr, die ihn bewusst freistellt für Predigt, Gespräch und Repräsentation. Schächtele ist Prälat für den Kirchenkreis Nordbaden, der vom Main über Kraichgau und Kurpfalz bis Karlsruhe und Ettlingen reicht. In diesem Amt übernimmt er geistliche Vertretungsaufgaben für den Bischof. „Außerdem ist der Prälat Seelsorger der Seelsorger. Ich bin für die Pfarrerinnen und Pfarrer da, wenn sie über persönliche Probleme, häufig vorkommende Überlastung, Konflikte in der Gemeinde oder mit der Verwaltung sprechen wollen. Und Vermittlung wünschen“, erklärt der aus dem Markgräflerland gebürtige Theologe.

Johann Peter Hebel ein großer Vorläufer

Im November und Dezember hat er bei dieser Aufgabe mehr zu tun als sonst im Jahr. „Auch die Pfarrer sagen, ’ich möchte das noch vor Weihnachten klären’“, berichtet der Prälat. Sein Dienstsitz mit Wohnung befindet sich in Schwetzingen. Zufällig dort, wo Johann Peter Hebel begraben ist, der berühmte Schriftsteller und erste Prälat der vereinigten evangelischen Kirche in Baden. In seinem Wohnort oder in einer der 300 Gemeinden seines Bezirks hält Schächtele seine Gottesdienste.

Elternzeit, als es die für Männer eigentlich nicht gab

Er und seine Frau schätzen den Schlosspark Schwetzingen besonders -„drei Mal die Woche spazieren wir dort.“ Wie bei Hebel ist „im Norden“ die Liebe zu alemannischer Heimat und Sprache nicht kleiner geworden. Schächtele wirkte lange in Freiburg; als Professor an der evangelischen Hochschule sowie als Dekan. Davor war er sieben Jahre lang an der Luthergemeinde Ettlingen. „Prägende Jahre sind das bei der ersten Pfarrstelle. Aber ich war schon etwas älter. Zuvor blieb ich vier Jahre zu Hause, als das erste von unseren fünf Kindern kam. Gegen solche Elternzeit gab es Widerstände.“

Jugendarbeit und Diakonie

Aus der Bewegung von Taizé, von vielen gesellschaftlichen Diskussionen und der Jugendarbeit geprägt sieht sich der promovierte Theologe, der mal Journalist werden wollte. Intellektuelle Vertiefung und Vermittlung an jungen Menschen liegen ihm am Herzen. Aber auch die Diakonie, wo er den Aufsichtsrat führt. Wenn der Prälat Urlaub nimmt von vielen Funktionen, dann geht es oft ans Meer. Nach Holland oder auf die Insel Hiddensee. „Dort vertrete ich im August den dortigen Pfarrer“.

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In Wolfenweiler im Markgräflerland wurde Traugott Schächtele als jüngstes von sieben Kindern 1957 in einem Elternhaus mit pietistischer Tradition geboren. Die Eltern waren beide Schneider, der Vater wurde hauptberuflich Prediger im evangelischen Gemeinschaftsverband AB. Schächtele studierte nach dem Zivildienst in einer Pfarrgemeinde zunächst katholische Theologie in Freiburg und dann wie vorgesehen evangelische Theologie in Tübingen, Basel und Heidelberg. Er war Lehrvikar in Wolfartsweier, Freistett und Ettlingen. Gemeindepfarrer war er von 1992 bis 1998 in Ettlingen an der Lutherkirche. Danach wurde er zum Dekan in Freiburg berufen.  Anschließend füllte er eine Professur für Systematik und Homiletik (Predigtlehre) an der evangelischen Hochschule Freiburg aus.  Seit 2010 ist er Prälat für den Kirchenkreis Nordbaden mit Sitz in Schwetzingen. Er und seine Frau haben fünf Kinder.