Traditionshandwerk: Hans Großkopf führt den Familienbetrieb bereits in dritter Generation. Seine sechsjährige Enkeltochter will ihm bereits nachfolgen.
Traditionshandwerk: Hans Großkopf führt den Familienbetrieb bereits in dritter Generation. Seine sechsjährige Enkeltochter will ihm bereits nachfolgen. | Foto: Sandbiller

Tradition in der Gegenwart

Seit 1972 sorgt der Karlsruher Glasmaler Hans Großkopf für bunte Fenster

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An der Arbeitsweise habe sich nicht viel geändert: Hans Großkopf ist Glasmalermeister und arbeitet überwiegend nach den gleichen Methoden wie vor 100 Jahren. BNN-Redaktionsmitglied Christel Manzey hat im Rahmen der Serie „Tradition in der Gegenwart“ mit dem Handwerker über seinen selten gewordenen Beruf gesprochen.

Bunte Fenster aus drei Generationen

„Natürlich haben wir heute Hilfsmittel wie vollautomatische Öfen, aber die Werkzeuge sind weitestgehend gleich geblieben“, sagt Hans Großkopf. Mit Maschinen könne man in seinem Beruf wenig anfangen, gerade diese Handarbeit mache sein Handwerk aus. Sich selbst sieht Großkopf eher als Ausführender denn als Künstler. Die könnten kein Glas schneiden, das sei Sache der Handwerker.

Betritt man den Keller seiner Werkstatt in der Stephanienstraße, begibt man sich auf eine kleine Zeitreise: Hier findet man Fensterarbeiten aus drei Generationen – und auch Stücke, die man nicht sofort vermuten würde. „Das war das Gesellenstück meiner Tochter“, erklärt Großkopf und deutet auf ein Fenster mit einer Manga-Figur. Der Kreativität seien da keine Grenzen gesetzt, sagt er.

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Kaum noch private Aufträge

Gegründet wurde das Familienunternehmen 1902 von Großkopfs Großvater. Hans Großkopf übernahm den Betrieb bereits 1972 von seinem Vater, mit gerade einmal 25 Jahren. Seitdem sieht er zu, wie immer mehr Glasmalereien ihre Pforten schließen müssen. Besonders in den vergangenen zehn Jahren habe es viele Konkurrenten getroffen, erzählt Großkopf.

Früher seien die Aufträge zu gleichen Teilen von kirchlichen Einrichtungen, aber auch von Privatleuten, wie etwa von Gaststätten, gekommen. Heute gehe der Anteil der Privataufträge praktisch gegen null, sagt Großkopf.

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Bei den meisten Aufträgen handelt es sich um Fenster für Kirchen oder Kapellen, etwa in Friedhöfen oder Altersheimen. Großkopf hat aber auch schon Aufträge in Ungarn oder in Dubai angenommen. Dort gestaltete er ein Fenster für ein Justizgebäude.

Deutschlandweit gibt es nur noch zwei Schulen für Glasmaler

Betonglasfenster, Trinkgläser oder Lampenschirme fertige er schon seit mehreren Jahren keine mehr an. Das sei zu aufwendig und vielen Kunden schlicht zu teuer.

Einen Lehrling hat Großkopf ebenfalls schon seit längerem Zeit nicht mehr. In ganz Deutschland gebe es nur zwei Glasfachschulen. „Einen Lehrling habe ich immer nur dann genommen, wenn ich ihn auch behalten konnte“, betont Großkopf. „Ich finde es schade, wenn man jemanden ausbildet und der nach dem Abschluss keine Arbeit findet.“

Inzwischen beschäftigt Großkopf nur noch zwei Mitarbeiter. Einer der Gesellen ist seit 43 Jahren bei ihm beschäftigt. Wird es einmal eng, springen seine Kinder ein. Zwei von drei haben den Beruf des Glasmalers gelernt, beide möchten sich aber noch ein zweites Standbein aufbauen.

Sorgen, dass der Familienbetrieb mit der dritten Generation endet, hat Großkopf aber nicht. Seine sechsjährige Enkeltochter habe bereits Interesse angemeldet.

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