An der Selbstverbuchungsstation: Claudia Krink und Volker Wittenauer von der Badischen Landesbibliothek zeigen, wie es funktioniert. Bis zu fünf Bücher kann der Computer gleichzeitig verbuchen.
An der Selbstverbuchungsstation: Claudia Krink und Volker Wittenauer von der Badischen Landesbibliothek zeigen, wie es funktioniert. Bis zu fünf Bücher kann der Computer gleichzeitig verbuchen. | Foto: Philipp Kungl

„Sehr gute Erfahrungen“

Selbstverbuchtes aus der Badischen Landesbibliothek

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Es war eine Zäsur – und eine „längst überfällige Maßnahme“: Vor einem halben Jahr stellte die Badische Landesbibliothek (BLB)  auf „Selbstverbuchung“ um. Was anfangs für manche  Nutzer – vor allem die älteren – etwas gewöhnungsbedürftig war, hat viele Vorteile. Und es werden auch nicht mehr Bücher geklaut als vorher – im Gegenteil.

Von Philipp Kungl

So lief es noch vor gar nicht langer Zeit: Ein stressiger Tag neigt sich dem Ende zu, in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe (BLB) will man noch rasch ein Buch ausleihen. Schnell ist der Band gefunden, gut gelaunt geht es zur Ausleihe an die Servicetheke. Doch die Schritte Richtung Feierabend werden jäh ausgebremst: Vor der Theke stehen Leute in einer langen Schlange und warten darauf, dass die Mitarbeiter ihre Bücher scannen – das dauert.

Schluss mit dem Schlangestehen in der Landesbibliothek

Inzwischen ist selbst an hochfrequentierten Tagen Schluss mit dem Schlangestehen in der Landesbibliothek. Im Dezember 2017 hat die BLB ihre Ausleih- und Rückgabestelle nach einer umfangreichen Baumaßnahme komplett auf Selbstverbuchung umgestellt.

Drei Stationen für die Selbstverbuchung

Das funktioniert so: Bestellungen aus dem Geschlossenen Magazin und dem Außenmagazin werden unter einem individuellen Abholcode für den Nutzer in einem Regal bereitgelegt. Im Freihandbereich sucht man sich – wie bisher auch – die gewünschten Bücher selbst heraus. „Doch statt zur Servicetheke geht der Nutzer damit nun an eine der drei neuen Selbstverbuchungsstationen“, erläutert der stellvertretende Direktor Volker Wittenauer. Bis zu fünf Bücher gleichzeitig kann man dort auf eine markierte Fläche stapeln: Der Computer erkennt mit zauberhafter Sicherheit, um welche Titel es sich handelt.

Etiketten mit Speicherchip und Antenne

„Im Einband befindet sich ein Etikett mit Speicherchip und Antenne, worauf alle erforderlichen Daten gespeichert sind“, sagt Wittenauer. Die moderne RFID-Technik (Radio Frequence Identification) macht dies möglich. Nun muss der Nutzer nur noch seinen Ausweis scannen. In wenigen Sekunden sind die Bücher verbucht – und damit ausgeliehen.

Rückgabe wie am Pfandautomaten

Auch die Rückgabe ist deutlich einfacher geworden: Ähnlich wie bei einem Pfandautomaten legt der Nutzer die Medien nach und nach auf ein Förderband. Wiederum erkennt das System, welches Buch zurückgegeben wird.

Hinter den Kulissen der hochmodernen und für die BLB maßgefertigten Anlage wird das Buch dann auf einem Band weiter transportiert und landet – je nach Standort – in einer Sammelwanne. Diese wird von Zeit zu Zeit von einem Mitarbeiter geleert, der die Bücher entsprechend einsortiert.

Auch die Rückgabe erfolgt am Automaten. Hinter den Kulissen wird das Buch auf einem Band weiter transportiert und landet - je nach Standort - in einer Sammelwanne.
Auch die Rückgabe erfolgt in der Badischen Landesbibliothek am Automaten. Hinter den Kulissen wird das Buch auf einem Band weiter transportiert und landet in einer Sammelwanne. | Foto: Philipp Kungl

„Das Ganze funktioniert mit 90 Prozent aller Medien“, sagt Wittenauer stolz. Nur solche, die den Automat beschädigen oder bei der automatischen Rückgabe beschädigt werden würden, etwa einzelne Notenpartituren, müssen noch nach dem alten Prozedere ausgeliehen und zurückgegeben werden.

Hemmschwelle schnell überwunden

Die Umstellung wurde innerhalb der Landesbibliothek lange geplant und schrittweise verwirklicht. Dennoch markierte eine Zäsur – vor allem für die Nutzer. Die BLB hat daher von Beginn an auf viel Kommunikation gesetzt.

„Mitarbeiter des Servicezentrums haben den Leuten ihre Fragen beantwortet und ihnen beim Verbuchen geholfen“, berichtet Claudia Krink, die den Bereich leitet. Viele Nutzer – rund 50 Prozent von ihnen sind Schüler und Studenten– kannten das System ohnehin schon von vergleichbaren Bibliotheken. Andere, vor allem auch Ältere, mussten zunächst eine kleine Hemmschwelle nehmen. „Als sie aber merkten, wie einfach und schnell das geht, wurde diese schnell überwunden“, erzählt Claudia Krink.

Jetzt darf man auch mit Tasche ins offene Magazin

Die Vorteile für den Nutzer liegen auf der Hand: Zum einen geht alles viel schneller, zum anderen können die Nutzer das offene Magazin der Landesbibliothek jetzt auch mit Taschen und Jacken betreten. Denn die Bücher sind – ähnlich wie im Einzelhandel – durch Detektoren an den Ausgängen gesichert. Außerdem kann man ausgeliehene Medien an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr durch einen Schlitz außerhalb der BLB zurückgeben. „Das wird sehr gerne genutzt“, so Wittenauer.

Personalressourcen freigesetzt

Auch für die Badische Landesbibliothek selbst ergeben sich durch die „Automatisierung“ neue Möglichkeiten. „Die zuvor doch sehr monotonen Arbeiten der Mitarbeiter übernehmen jetzt die Nutzer und der Computer“, sagt Wittenauer. Dadurch konnten mittlerweile Personalressourcen von etwa 27 Wochenstunden freigesetzt werden, die nun anderweitig genutzt werden, zum Beispiel für Schulungen oder Fachberatungen.

Bei Bücherdieben sehen die BLB-Mitarbeiter Rot

Und wie sieht es mit Bücherdieben aus? Können die jetzt ganz einfach die Selbstverbuchung umgehen und mit den Medien unkontrolliert die Bibliothek verlassen? Von wegen. Die ohnehin geringe Zahl der Diebstähle sei durch das neue System noch kleiner geworden, so Wittenauer. Ein lautes Signal und rotes Licht am Ausgang verhindern seiner Auskunft nach zuverlässig das bewusste – meist aber doch eher versehentliche – „Mitnehmen“ von Medien ohne Verbuchung.

Da sehen die Bibliotheksmitarbeiter Rot: Claudia Rink „schmuggelt“ (nur zur Demonstration) Bücher aus der BLB – und das Alarmsystem schlägt an.
Da sehen die Bibliotheksmitarbeiter Rot: Claudia Krink „schmuggelt“ (nur zur Demonstration) Bücher aus der Badischen Landesbibliothek – und das Alarmsystem schlägt an. | Foto: Philipp Kungl

Die Effizienz soll noch gesteigert werden

Insgesamt zieht Wittenauer eine sehr positive Bilanz der „längst überfälligen und wichtigen Maßnahme“. In Zukunft soll die Effizienz noch gesteigert werden, wenn die verbliebene Leihstelle und die Information an einer modernen Servicetheke zusammengelegt werden. „Wir hoffen, dass diese Maßnahme bald beginnen kann und das Prozedere für die Nutzer damit noch einfacher wird“, sagt Wittenauer.

Die Badische Landesbibliothek in der Erbprinzenstraße 13 in Karlsruhe bietet eine Auswahl von derzeit etwa 2,6 Millionen Medien aus allen Fachgebieten.  Hinzu kommt ein umfassendes Spektrum an Datenbanken und Netzpublikationen sowie der weltweite Zugang zu Information über das Internet. Zu den wichtigsten regionalen Aufgaben der BLB gehört die Sammlung, Erschließung und Bereitstellung der Publikationen aus und über Baden. Weitere Infos gibt es hier.