Ein Sensor-Ei, das Daten über die Brut liefert, hat die Hochschule Karlsruhe entwickelt. | Foto: Jock

Zoo und Hochschule kooperieren

Sensor-Ei sendet Daten aus dem Nest der Karlsruher Hawaiigänse

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Ein Sensor-Ei, das Daten über die optimalen Bedingungen für die Brut liefert, hat die Hochschule Karlsruhe in Kooperation mit dem Karlsruher Zoo entwickelt. Nun soll es Brachvögeln in Mittelbaden untergeschoben werden. Die Art ist am Rande des Aussterbens.

Die Hawaiigänse im Karlsruher Zoo haben sich vorsichtshalber ans andere Ende des Geheges zurückgezogen – weit weg von ihrem mit Daunen ausgekleideten Nest am Boden. Fünf Eier hat die Hawaiigans bereits gelegt. Ein sechstes schiebt Jakob Kleikamp ihr nun unter. Das hat es in sich: Akku, drei Infrarot-Temperatur-Sender, ein Mikroprozessor, ein Feuchte- und ein Beschleunigungssensor stecken in der keine vier Zentimeter großen Plastikhülle.

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Daten über die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit wird das Ei ermitteln und dokumentieren, wie oft es gedreht wird. „Alles Parameter, die für den Erfolg einer Kunstbrut entscheidend sind“, erklärt der Karlsruher Zoodirektor Matthias Reinschmidt. Er hat das Projekt mit der Hochschule Karlsruhe – Wirtschaft und Technik angestoßen.

Im Jahr 2013, als Reinschmidt noch im Loro Parque auf Teneriffa  arbeitete, begann die Zusammenarbeit, erklärt Klemens Gintner, Professor für Elektronik und Sensorik an der Fakultät für Maschinenbau. Das optimale Sensor-Ei für einen Ara war damals das Ziel, berichtet er. Mehrere Bachelor-Studierende arbeiteten inzwischen an dem Projekt. Jakob Kleikamp hat nun ein funktionsfähiges Muster-Ei entwickelt. Die Hawaiigänse unterziehen es einem letzten Test.

Die Hawaiigänse attackieren den Fremdkörper

Gerade mal halb so groß wie die Eier der Hawaiigans ist das Sensor-Ei. Und prompt attackieren die Vögel den Fremdkörper und zerlegen ihn in seine Einzelteile. Beim zweiten Anlauf aber nimmt die Gans auch das falsche Ei mit unter ihre Fittiche. Es sendet zuverlässig die Daten. „Ab jetzt ist es einsatzbereit – und zwar über den gesamten Brutzyklus“, sagt Fahrzeug-Technologie-Student Kleikamp.

Grundlagenforschung zum Thema Vogelbrut

Auch wenn es bei seinem Test um die Technik und nicht um die Daten ging – sie sind überraschend. „Bis zu 39 Grad war die Bruttemperatur – damit hätte ich nicht gerechnet“, bekennt Reinschmidt. Nun solle das Ei im Freiland eingesetzt werden. „Im 3-D-Drucker wird ein Brachvogel-Ei kreiert und mit der Technik bestückt“, erklärt er.

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Der Brachvogel ist in Baden-Württemberg am Rande des Aussterbens. Die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe fördert Maßnahmen für die wenigen Tiere, die es zwischen Bühl und Lahr noch gibt.
Richtung biologische Grundlagenforschung zum Thema Vogelbrut geht das Projekt also.

Forschung gehört zu den Aufgaben eines Zoos

Matthias Reinschmidt, Karlsruher Zoodirektor

Die Einsatzmöglichkeiten seien vielfältig, sagt Reinschmidt, der großes Interesse an den weiteren Ergebnissen hat. „Forschung gehört zu den Aufgaben eines Zoos“, stellt er klar. Von technischer Seite ist das Projekt aber noch nicht abgeschlossen, so Gintner. Zwei Bachelor-Studierende werden an der Optimierung feilen: Das Ei soll noch kleiner werden, indem nur mit einer Platine gearbeitet wird. Und ein Update der Software soll das Auslesen der Daten erleichtern.

BNN-Bildband: Der Karlsruher Zoo