Der evangelische Stadtdekan Thomas Schalla erteilte dem Journalisten Andreas Zumach eine Absage für eine Rede zum Thema "Israels wahre und falsche Freunde" - und trat damit einen "Shitstorm" los. | Foto: Donecker

Vermittlungsversuch scheitert

Streit um abgesagten Israel-Vortrag: Landesbischof schaltet sich ein

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Eigentlich sollte der Journalist und Publizist Andreas Zumach, seit Jahrzehnten auch als Aktivist der Friedensbewegung bekannt, am 6. Dezember bei der Evangelischen Erwachsenenbildung in Durlach reden, und zwar bei der Veranstaltungsreihe „junge Alte“ zum Thema „Israels wahre und falsche Freunde“. Doch der Vortrag findet nun nach einer Intervention des evangelischen Stadtdekans Thomas Schalla in dieser Form nicht statt. Er begründet die von ihm veranlasste Absage damit, dass er „Schaden für das Verhältnis zwischen evangelischer Kirche und der Jüdischen Kultusgemeinde abwenden möchte“. Am Dienstag scheiterte dann auch ein Kompromissangebot, das Schalla Zumach gemacht hatte. Gleichzeitig erhob Zumach schwere Vorwürfe. Auch der Landesbischof hat sich unterdessen eingeschaltet und stärkt dem Dekan den Rücken.

Aus der jüdischen Kultusgemeinde hatte es offenbar deutliche Kritik am Auftritt Zumachs, der seit Jahren Korrespondent der „taz“ in Genf ist, gegeben. Dabei wurde auch auf Irritationen bei vergangenen Auftritten des Redners in Karlsruhe verwiesen. Zumach ist nämlich in einer Organisation namens „Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung (BIB)“ aktiv. Kritiker klassifizieren gleich gelagerte Bündnisse wegen Boykottaufrufen gegenüber israelischen Waren aus den besetzten Palästinensergebieten als „antisemitisch“.

Zumach: Schalla verletzt Recht auf Meinungsfreiheit

Aus der jüdischen Kultusgemeinde hatte es entsprechende Sorgen gegeben, diese wiederum wurden von der stellvertretenden Vorsitzenden Solange Rosenberg gegenüber dem Leiter der Evangelischen Erwachsenenbildung, Joachim Faber, in einem Brief mitgeteilt. Daraus resultierte die Absage durch den Dekan. Dies führt zu heftigem Unmut bei Andreas Zumach und dessen Unterstützern. In einem den BNN vorliegenden Brief an den Stadtdekan fährt jener selbst harte Geschütze auf: „Niemals zuvor seit 1973 ist ein Vortrag von mir aus inhaltlichen Gründen abgesagt oder verboten worden.“ Die Entscheidung Schallas verletze das Recht auf Meinungsfreiheit und trage zur Einschränkung des öffentlichen Diskurses bei. Der Publizist und Vortragsredner sieht eine „wohlorchestrierte und gut vernetzte Kampagne“ gegen Menschen, die sich zwar zur besonderen deutschen Verantwortung bekennen, aber auch für das völkerrechtlich verbriefte Recht der Palästinenser und deren Selbstbestimmung und Menschenrechte einträten. Über diese „Kampagne“ hätte Zumach bei seinem Vortrag sprechen wollen.
Andreas Zumach, UNO-Korrespondent, bei einem Vortrag in Rastatt. | Foto: Janke

„Shitstorm“ nach Absage

Eine allerdings genauso gut orchestrierte Kampagne trifft nun den Stadtdekan: Bei Schalla stapeln sich unterdessen die höchst kritischen Mails („ein Shitstorm“) zahlreicher Zumach-Unterstützer aus dem ganzen Land, auch die Redaktion erhielt viele Schreiben. Gegenüber den BNN sagt Schalla klar, dass niemand Andreas Zumach einen Antisemitismusvorwurf mache. Entsprechende Vorwürfe von Solange Rosenberg hatte diese übrigens selbst wieder zurückgezogen, nachdem ihr Zumach offenbar mit juristischen Konsequenzen gedroht hatte. „Ich habe das alles widerrufen. Ich wiederhole das nicht öffentlich“, so Rosenberg gegenüber den BNN. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Regierungspolitik Israels sei natürlich möglich, antwortet Schalla. Es stelle sich aber die Frage, ob diese Auseinandersetzung ausgerechnet jetzt und in den Einrichtungen der evangelischen Kirche Karlsruhes geführt werden müsste.  Zumach hat  noch einen anderen Auftritt in Karlsruhe. Am Tag vor der nun abgesagten Veranstaltung spricht er am 5. Dezember in der Stadtbibliothek. Thema ist „Neue Globale Ordnung oder Dritter Weltkrieg?“, Veranstalter sind die „Deutsche Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegner“ und die Stadtbibliothek.

Vermittlungsversuch gescheitert

Am Dienstag scheiterte schließlich ein Versuch, eine gemeinsame Lösung zu finden. Andreas Zumach lehnte einen Vorschlag des Stadtdekans ab, für eine breiter aufgestellte Veranstaltung zu dem Thema im Rahmen der Evangelischen Akademie zusammen mit weiteren Gesprächspartnern zur Verfügung zu stehen. Zumach erhob schwere Vorwürfe in Richtung Schalla. Vor der Absage habe  jener  nicht das Gespräch gesucht, so Zumach gegenüber den BNN. Auch sei es eine „üble Manipulation“ zu sagen, er könne sich mit einem Akademietermin als Alternative zu seinem Vortrag anfreunden. Außerdem habe sich Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh hinter Schalla gestellt . In dem den BNN vorliegenden Schreiben der persönlichen Referentin des Bischofs  hatte dieser offenbar von einer  “ Gesprächsebene“ gesprochen, , die „weniger auf Konfrontation und Abgrenzung“ setzt. „Damit hat die evangelische Kirche die Grundlage zerstört“, sagte Zumach.