Doppeldeckerbus
Ein Doppeldeckerbus fährt in Karlsruhe Touristen durch die Stadt | Foto: Sandbiller

Extratour am Ostermontag

Sightseeing im knallroten Doppeldeckerbus

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Mühelos stiehlt der knallrote Riese den gelben Stadt- und Straßenbahnen die Schau: Der Doppeldeckerbus rollt am Bahnhofsvorplatz ein und zieht die Blicke auf sich.

Doppeldeckerbus seit 2016 im Einsatz

Die Tür öffnet sich. Es kann losgehen zur Stadtrundfahrt. Der Karlsruher Tourismus und Willms Touristik bieten sie in dieser Form seit Mitte 2016 an. Und das mit wachsendem Erfolg. „2017 zählten wir 9.000 Passagiere, 2018 waren es 12.000“, berichtet Susanne Wolf von der Tourist-Information.

Informationen in verschiedenen Sprachen

Oft fahren Gäste aus dem Elsass und der Schweiz mit. Auch Karlsruher und Menschen aus der Region steigen zu. Andere kommen von weit her. An diesem Morgen sichert sich eine Neubürgerin die ersten Tickets für die City-Tour. Vor zwei Jahren zog die Frau aus der Ukraine der Lieben wegen ins Badische. Nun sind ihre Mutter und Tante zu Besuch und wollen etwas sehen.

„So gut kenne ich mich hier immer noch nicht aus. Insofern ist es gut, wenn uns der Bus zu den Sehenswürdigkeiten bringt“, erklärt die Gastgeberin. Sie nimmt sich für ihre Familie Kopfhörer: Informationen über die Stadt gibt es unter anderem in Englisch, Französisch, Russisch, Niederländisch, Spanisch, Chinesisch und Japanisch.

Es geht bis zum Turmberg

ZKM, Bundesanwaltschaft, Staatstheater, Pyramide, Schloss oder Turmberg: Die Tour führt innerhalb von gut zwei Stunden quer durch die Stadt. Wer will, kann an den einzelnen Stationen Halt machen und später in den nächsten Bus steigen. Dreimal wird die Route abgefahren.

Längere Pausen an den neun Stopps gibt es – abgesehen von der Turmbergterrasse – nicht. „Das ist im Prinzip ein Linienbus, der übrigens auch startet, wenn er leer ist“, erklärt der Fahrer.

Keine Tour ähnelt der anderen

Die Baustellen fordern ihn heraus: „Eigentlich ähnelt keine Tour der anderen.“ Das ZKM ist auf der Seite der Lorenzstraße derzeit beispielsweise schwer zu erreichen. Und rund um das Karlstor steht der Doppeldeckerbus im Stau. Mit 20 Minuten Verspätung rollt der Bus deshalb wenig später am Schloss vor.

Ob des Markgrafens Leidenschaft für Tulpenmädchen, Privilegienbrief oder Kunst im Vorgarten: Die Passagiere tauchen derweil ein in die Geschichte der Stadt – manchmal dem Verkehr geschuldet etwas zeitversetzt. Da geht es dann schon mal um die Kriegsstraße, während der Bus noch auf Höhe ZKM unterwegs ist. Die eine oder andere Durchsage bricht ab. „Das ist schade“, urteilen vier Reiseführer aus dem Elsass.

Plötzlich ist Russisch weg…

Sie wollen Touristen in die Region bringen und fahren probehalber mit. Für Karlsruhe und Heidelberg planen sie für ihre Kunden jeweils einen halben Tag ein. Am Schloss steigen sie erst mal aus. Der Doppeldecker fährt weiter zum Kreativpark Ost.

Die drei Frauen aus der Ukraine sind ebenfalls nicht mehr an Bord. Das russische Sprachprogramm funktioniert nicht mehr, lediglich Deutsch, Englisch und Französisch sind zu hören. Der Fahrer bedauert und verweist an die Tourist-Info. Für ihn geht es nun nach Durlach.

Cabriodach

Das Cabriolet-Dach ist an diesem Morgen geschlossen. „Es ist zu kühl“, meint der Chef am Steuer. Dennoch sind die Plätze oben besonders begehrt. Wolfgang Werner sitzt dort mit seinem Sohn Johannes. Der überlegt, in Karlsruhe Maschinenbau zu studieren. „Wir wollen uns mal umsehen“, berichten die Männer, die in Südfrankreich leben.
Roland Wilhelm und Bettina Guhl aus Interlaken sind drei Tage zu Gast in der Stadt, nachdem sie bisher auf dem Weg nach Holland nur vorbei fuhren. Eine Freundin schwärmte von Karlsruhe. Und auch die beiden sind schon voll des Lobes über das viele Grün, die Blumen, die Weitläufigkeit. „Man merkt, dass die Lebensqualität hoch ist. Nur so viele Radler sind wir nicht gewohnt. Da müssen wir aufpassen, dass wir nicht überfahren werden“, versichern die beiden – die das Geschehen dann aber erst einmal vom Bus aus verfolgen.

Service

Der Doppeldeckerbus verkehrt bis zum 22. Dezember mittwochs, freitags, samstags und sonntags, in den Sommerferien zudem donnerstags. Ebenso gibt es Fahrten am Ostermontag, am Pfingstmontag, an Himmelfahrt und Fronleichnam.

Am Bahnhof geht es um 10, 12.45 und 15.30 Uhr los. Tickets gibt es zum Preis von 18 Euro für Erwachsene beim Fahrer oder in der Tourist-Information.