Flimmerkreis: Aus glasierter Keramik besteht der leicht und luftig anmutende „Red Ring“ von Bean Finneran. | Foto: Davis Klemm

Eine Kugel voller Sterne

Skulpturenplätze als Bestandteil der Kunstmesse

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Jörg Rothamel ist ganz auf Vorfreude gepolt. Will er doch auf der art ein besonderes Kunstwerk präsentieren. „Da kann man sich drin fühlen wie bei Major Tom“, sagt der Erfurter Galerist in Anspielung an die Kunstfigur, die David Bowie einst ins Musik-All katapultiert hat und die später von Peter Schilling – „Völlig losgelöst“ – reanimiert wurde. Rothamel bringt allerdings keine Blechbüchse auf die Messe, sondern eine Kugel aus Kiefernholz, konzipiert von Hiroyuki Masuyama. Der japanische Künstler hat auf dieses sphärische Gebilde Sternkarten projiziert und dort, wo sich die Gestirne abzeichnen, Löcher gebohrt, in die Glasfaserstifte gesteckt wurden. Die Sternenkugel ist begehbar, was allen, die ihr Inneres betreten, ein unvergleichliches Seherlebnis beschert, verspricht Rothamel, der überzeugt ist: „Die Leute werden Schlange stehen.“

Vertraute Namen

Die Arbeit des Japaners, der sich intensiv mit der romantischen Malerei auseinandergesetzt hat und der über ein vielseitiges Werk verfügt, wird auf einem der Skulpturenplätze (H2/D29) präsentiert, die längst als ein Markenzeichen der Karlsruher Kunstmesse etabliert sind. Einer, der hier gewissermaßen schon zu den festen Größen gehört, ist Herbert Mehler, der mit dem Metier des skulpturalen Gestaltens von Kindheit an vertraut ist (sein Vater war Holzbildhauer), der aber dann doch an der Nürnberger Kunstakademie erst einmal Malerei studierte, bevor er sich als Bildhauer einen Namen machte. Meglers gefältelte und gleichsam um ihre eigene Achse rotierenden Plastiken aus Corten-Stahl sind mittlerweile fast zu einem Markenzeichen der art geworden (H2/D29). Vertreten wird der Künstler von der Galerie Cyprian Brenner, die 1998 als SüdWestGalerie gegründet wurde.

Zum wiederholten Male sind auch Arbeiten von Rudolf Wachter (1923 bis 2011) auf der art zu sehen, der zu den eigenständigsten Holzbildhauern seiner Generation gehörte. Wiewohl im Zweiten Weltkrieg so schwer verletzt, dass ihm mit Anfang Zwanzig ein Bein amputiert werden musste, absolvierte Wachter zunächst in Oberammergau eine Lehre als Holzschnitzer, bevor er ein Bildhauerei-Studium an der Kunstakademie München aufnahm. Ein zwei Jahre währender Aufenthalt in Griechenland und ein Stipendium für die MacDowell Colony in Peterborough, New Hampshire bildeten weitere Grundlagen für ein eindrucksvolles Œuvre an Großskulpturen, von denen jetzt einige von der Galerie Wohlhüter auf die art gebracht werden (H2/C21).

Deutliche Anerkennung

Welche Bedeutung man der Bildhauerei beimisst, belegt nicht zuletzt eine neue Auszeichnung: Erstmals wird der mit 20 000 Euro dotierte und von der L-Bank gesponserte Loth-Skulpturenpreis vergeben. Er ist benannt nach dem Bildhauer Wilhelm Loth und folgt dem Prinzip des art-Karlsruhe-Preises: Ausgezeichnet wird nicht allein der Künstler, sondern auch der Aussteller. Immerhin bedeutet es einiges an Aufwand und verlangt eine nicht unerhebliche Vorleistung, um „tonnenschwere Werke auf die Messe zu bringen“, wie der Galerist Christian K. Scheffel erklärt. Unter 20 Positionen kann die Fachjury wählen, die das Preisträger-Gespann kürt. Die stilistische Bandbreite, mit der das Gremium (und das Publikum) konfrontiert wird, hat der von der Christian Mark Galerie vertretene Mexikaner Jorge Marin gleichsam auf den Punkt gebracht (H4/M02). Der Sohn eines Architekten hat eine Plastik gestaltet, die aus einem auf einer Kante stehenden Würfel, einer Kugel und einer männlichen Bronzefigur besteht. Die sich ihrerseits in akrobatischer Pose auf die glattpolierte Kugel stützt. Hier treffen die beiden Hauptrichtungen zusammen, die das Bild der Skulpturenplätze prägen. Da sind zum einen die dezidiert nicht-figürlichen Arbeiten wie der leicht und luftig anmutende „Red Ring“ (2016) der US-amerikanischen Keramikkünstlerin Bean Finneran, für die von der DavisKlemmGallery ein Skulpturenplatz eingerichtet wurde (H2/A05), oder die „Winkelergänzungen“ (1979-1985) von Vera Röhm, eine wichtige Vertreterin der Konkreten Kunst (die 1997 bereits mit dem Wilhelm-Loth-Preis der Stadt Darmstadt geehrt wurde). Zu sehen sind ihre Arbeiten bei gimpel & müller (H2/D05).
Zum anderen sind da etliche figürliche Positionen. Sie reichen von den neo-expressionistisch inspirierten farbigen Skulpturen des Bildhauers Hans Scheib (Cerny + Partner/ H3/J15) bis hin abstrahierten Köpfen, die Guido Häfner aus Cortenstahl fertigt (Premium Modern Art/Kunsthaus Lübeck/ H1/V04). Wer nach dem Besuch der diversen Positionen Lust auf mehr hat, dem empfiehlt sich ein Spaziergang durch die Stadt oder über den Campus Süd des KIT – auch dort gibt es jede Menge Skulpturenplätze.