Die Sonne überstrahlt derzeit alles im Südwesten. | Foto: Pixabay

Sonne satt im Südwesten

So geht die Region mit der Hitze um

Anzeige

Sommer- oder Wintermensch? Pralle Sonne oder Schatten? Was bei den einen Glückshormone hervorruft, verdirbt anderen die Laune. Nicht alles am Sommer ist schön: Hitze am Baggersee oder im Biergarten – das mag fast jeder. Im heißen Büro oder in der Werkhalle sieht das schon anders aus.

Besonders gefährdet von der andauernden Hitze sind ältere und kranke Menschen. „Die Körpertemperatur steigt und damit auch der Flüssigkeitsverlust“, erklärt Martin Hausberg, Direktor der Medizinischen Klinik I am Städtischen Klinikum Karlsruhe. Würden die Patienten dann nicht genug Wasser trinken, drohen sie zu dehydrieren.

Höchste Priorität hat die Flüssigkeitszunahme auch in Seniorenzentren. So wolle man präventiv Herz-Kreislauf-Problemen vorbeugen, sagt Johannes Funk, Leiter des Seniorenzentrums Parkschlössle in Karlsruhe-Durlach. Die Hitzewelle lässt die Einsatzzahlen der Leitstelle Karlsruhe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) allerdings nicht ansteigen: Diese seien zuletzt konstant und nicht ungewöhnlich hoch gewesen, so der stellvertretende Leiter der Abteilung Rettungsdiente, Michael Schindel.

Ausgleich für Verluste während der WM

Getränkehersteller in der nördlichen Ortenau können der derzeitigen Hitze nur Positives abgewinnen. „Das heiße Wetter macht sich auf unseren Umsatz bemerkbar“, berichtet Siegbert Meier, Geschäftsführer der Brauerei Bauhöfer in Renchen-Ulm. Genaue Prozentzahlen will er allerdings nicht nennen. Nur soviel: „Der derzeitige Verkauf ist eine Entschädigung für die vergangene Fußball-WM.“

Alles entspannt am Baden-Airport

Flughafen-Sperrungen wegen Hitzeschäden wie in Hannover sind nach Ansicht des Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt angesichts der hohen Temperaturen auch anderswo möglich. Am Baden-Airport in Rheinmünster-Söllingen zeigt man sich hingegen völlig entspannt. Denn dort sind Start- und Landebahn sowie die Rollwege aus Asphalt, wie Airport-Chef Manfred Jung gegenüber den BNN erklärte. Der könne zwar durch die Hitze etwas weich werden. „Mehr als ungefährliche Spurrillen können sich aber nicht bilden“, betonte Jung.
Das Vorfeld bestehe hingegen aus Beton. Im Fall der Fälle stünden jedoch insgesamt zehn Abstellpositionen zur Verfügung. „Dann müsste man eben eine kurzfristig sperren.“ Auf den Flugverkehr habe das allerdings keine Auswirkungen.

Zootiere suchen sich einen Schattenplatz

Im Zoo nimmt man die Hitzewelle gelassen hin. „Die Tiere leiden bei uns nicht unter der Hitze“, sagt Maike Franzen vom Zoo Karlsruhe. Wie der Mensch auch könnten sie bei Bedarf jederzeit einen Schattenplatz aufsuchen, sich ins kühlere Gras legen oder auf Bäume zurückziehen. Für die Elefanten seien die Duschtemperaturen angepasst worden: „Im Winter duschen sie wärmer, für die Hitze jetzt haben wir das Wasser kälter eingestellt“, erklärt sie.

Eingeschränkte Schifffahrt

Die niedrigen Wasserstände der Flüsse im Südwesten schränken auch die Schifffahrt ein. Auf dem Oberrhein könnten die Frachter nur noch die Hälfte oder weniger der normalen Ladung transportieren, sagte der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Mannheim, Jörg Vogel. Am Pegel Maxau (Karlsruhe) beträgt die nutzbare Fahrrinnentiefe bei einem aktuellen Pegelstand von knapp 4,00 Metern noch rund 2,40 Meter. Ein 110 Meter langes Rheinschiff taucht nach Vogels Angaben leer bereits 60 bis 80 Zentimeter tief ein und braucht zehn Zentimeter Wassertiefe je 100 Tonnen Fracht. Statt mit 3 000 Tonnen oder mehr würden viele Schiffe jetzt nur mit 1 500 Tonnen beladen.

Viel zu tun in Baden-Baden

Immerhin: Mit viel Einsatz bleibt Baden-Baden bislang zumindest grün. „Bisher sind kaum Auswirkungen der Trockenheit zu spüren, da wir doch immer wieder Regenfälle in den vergangenen Wochen hatten“, sagt Thomas Hauck, Amtsleiter des Fachgebiets Forst und Natur. Allerdings laufe das Wasser nur oberflächlich ab und dringe nicht zu tiefen Wurzelwerken vor. Vom Wetter her wäre nun lang anhaltender Regen deutlich besser, erklärt Hauck.
Die Bäume im Stadtwald sowie in den Parks und Gärten leiden aktuell unter Trockenstress. Die Mitarbeiter des Fachgebiets Park und Garten sind im Stadtgebiet pausenlos im Einsatz. Blumenbeete, junge Bäume, Rasen – alles wird ausreichend gewässert. Mit Bewässerungssäcken für Bäume reagierte der städtische Bauhof in Achern auf die immer trockeneren Böden. Rund 100 Liter Wasser enthalten die Säcke, die um den Stamm der Bäume gelegt und fixiert werden.