Erzbischof Stephan Burger stimmte bei der Pastoralkonferenz etwa 170 Teilnehmer auf den neuen Kurs ein. | Foto: Erzbischöfliches Ordinariat

Pastoralkonferenz in Freiburg

So möchte sich die katholische Kirche verändern

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Mit Spannung wurde die Pastoralkonferenz in Freiburg erwartet: Wie reagiert die Basis auf die geplanten massiven Veränderungen in der katholischen Kirche? Es gab Frust, Zuversicht und emotionale Wortwechsel.

In einer der internen Diskussionsrunden zeigte sich, wie viel Frust manche Teilnehmer mit nach Freiburg gebracht hatten. Etwa 170 Priester, Dekane und Diözesanräte diskutierten in kleinen Gruppen über „Pastoral 2030“ – das Projekt, das die Katholische Kirche im Erzbistum Freiburg zukunftsfähig machen soll. Dabei haben viele Pfarreien jüngste Reformen gerade erst umgesetzt. „War das für den Papierkorb?“, fragte eine Frau in einer der Runden frustriert. Das war noch am Freitag, zu Beginn der Pastoralkonferenz in der katholischen Akademie. Aus Frust wurde bis zum Samstag immer mehr Zuversicht und Aufbruchstimmung, wie einige Teilnehmer berichten. Jeder aber äußert Bedenken, ob die positive Botschaft bis in die kleinste Pfarrei zu transportieren ist.

Erzbischof: „Ich entnehme tiefe Ängste“

Die Konferenz war der Auftakt einer zweijährigen Diskussion. Nach Rücksprachen bis hinunter zu den Pfarreien soll Ende 2021 eine Reform beschlossen werden, die quasi alle Bereiche neu definiert: von den Ehrenamtlichen, der Leitung bis hin zur Seelsorge. Kernpunkt: Die Anzahl der Pfarreien soll von 224 auf etwa 40 reduziert werden – die Zuständigkeitsgebiete sollen größer werden, etwa den derzeitigen Dekanaten entsprechen.

Kirchenvertreter hatten sich gegenüber den BNN schockiert gezeigt, auch Erzbischof Stephan Burger sprach von Rückmeldungen: „Ich entnehme tiefe Ängste, vernehme Frustration, Sorgen und Bedenken, ob die Zukunft so gestaltet werden kann.“ Er könne sich Angenehmeres vorstellen, als der Erzbischof in die Geschichte einzugehen, „der eine derart einschneidende Neuorganisation der Erzdiözese in die Wege geleitet hat“. Angesichts der Entwicklung – weniger Gläubige, weniger Personal, weniger Kirchensteuereinnahmen – betonte Burger: „Ich sehe dazu keine Alternative.“

Auf Plakatwänden sind die Ergebnisse aus den Diskussionsrunden notiert. Es spricht für die angespannte Stimmung, wenn auf zwei Wänden der Wunsch nach Ehrlichkeit steht. Der Rastatter Dekan Josef Rösch steht vor einer der Plakatwände. „Das Arbeitspapier hat mir stark zu schaffen gemacht“, gibt er zu. Noch immer habe er Bauchweh. Pfarrer müssten künftig viel mehr Hilfe zulassen, um so ein großes Gebilde zu leiten. „Da sind große Entwicklungsschritte nötig“, sagt Rösch. „Ich sehe auch das Problem, leitende Pfarrer zu finden.“ Enttäuscht sei er, dass der Zölibat nicht Teil der Diskussion sein soll. „Für uns ist das ein Thema. Wenn wir da nicht ernst genommen werden, ist die Frage, wie wir bei anderen Themen ernst genommen werden.“

Wortwechsel bei Themen Zölibat und Frauen

Dass die Themen Zölibat und Frauen im Priestertum keine für die Konferenz sein sollen, hatte Erzbischof Burger schon in seiner Eröffnungsrede deutlich gemacht. In den internen Diskussionsrunden kam die Forderung aber häufig zur Sprache und wurde mit Applaus quittiert. Später, in der öffentlichen Abschlussdiskussion, kam es zu emotionalen Wortwechseln. Bei keinen Themen gab es so viel Applaus wie bei den Forderungen nach einem Ende des Zölibats oder dem Priestertum auch für Frauen.

Kirchensteuervertreterin Hildegard Junker aus Rheinau forderte: „Lasst verheiratete Männer bitte Priester sein, lasst Frauen bitte Priesterinnen werden. Wir wären glaubwürdiger und näher an der Gesellschaft.“
Erzbischof Burger antwortete, das werde in Rom entschieden: „Wenn ich darauf warte, fahre ich den Karren an die Wand.“ Außerdem löse das nicht alle Probleme. Burger wurde angesichts der mehrmaligen Forderungen emotional: „Da ist auf einmal der Bischof als Briefträger wichtig.“ Er sehe die Frauenpower. „Dann transportieren Sie das nach Rom, damit habe ich kein Problem.“ Die Kirche setze einen Rahmen. „Ich habe mich eidlich verpflichtet. Ich werde diesen Rahmen nicht sprengen.“

Eine Frau im siebenköpfigen Projektbeirat

An die Rahmenbedingungen will sich der Bruchsaler Dekan Lukas Glocker halten. „Auch wenn ich mir andere gewünscht hätte“, sagt er. „Die Sorgen sind weiterhin da. Aber wir gehen mit viel Optimismus ran, wir stellen uns der Wirklichkeit.“ Diözesanratsvorsitzende Martina Kastner sieht zu viele Vorgaben: „Wir dürfen alles – aber nicht an den Grundfesten rütteln.“ Dekan Hubert Streckert aus Karlsruhe spürt durch einige Anrufe, wie sensibel das Thema ist. „Man muss Bestehendes zerschlagen“, sagt er. „Ein epochaler Veränderungsprozess. Er klärt aber viele Dinge, die wir seit Jahren mit uns schleppen.“

Seit 2017 sei an dem Papier gearbeitet worden, erklärte Erzbischof Burger gegenüber den BNN. In dem siebenköpfigen Projektbeirat sei eine Frau vertreten. „Wir müssen den Weg gemeinsam gehen, das ist kein Alleingang“, betonte Burger und bilanzierte: „Es ist eine positive Energie hinten dran.“