Bodenständige Majestät: Weihnachtsbaumkönigin Vanessa Frank hilft in den Wochen vor Weihnachten tatkräftig beim Christbaumverkauf auf dem elterlichen Hof in Rüppurr mit – zum Beispiel beim Verpacken der Bäume.
Bodenständige Majestät: Weihnachtsbaumkönigin Vanessa Frank hilft in den Wochen vor Weihnachten tatkräftig beim Christbaumverkauf auf dem elterlichen Hof in Rüppurr mit – zum Beispiel beim Verpacken der Bäume. | Foto: Jörg Donecker

Hygge oder Flamingo-Pink?

So schmückt die Deutsche Weihnachtsbaumkönigin Vanessa Frank ihre Nordmanntanne

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Stille Nacht, besinnliche Vorweihnachtszeit? Bei Vanessa Frank in Rüppurr ist der passende Ausdruck eher: geschäftig. Die amtierende Deutsche Weihnachtsbaumkönigin hilft seit Wochen auf dem elterlichen Hof beim Verkauf der Tannen und Fichten mit. Knapp 20 offizielle Termine als Repräsentantin der Christbaum-Industrie absolviert sie pro Saison.

Und den Christbaum im Wohnzimmer der Familie hat sie längst geschmückt: eine klassische Nordmanntanne in saftigem Dunkgelgrün, beleuchtet durch eine LED-Lichterkette. „Früher hatten wir auch mal Nobilis oder Kiefer“, erzählt die 24-Jährige.

Zurück zur Natur ist Trend beim Christbaum-Schmuck

Besonders die Kiefer eigne sich für Liebhaber von echten Kerzen am Weihnachtsbaum: „Die haben schöne Etagen und wachsen nicht so dicht.“ Echte Flämmchen am Tannen- oder eben Fichtenbaum seien heute durchaus noch beliebt. „Es gibt auch Familien, die echte Kerzen an den Baum machen“, sagt Vanessa Frank. „Da packt man die Bäume oft nochmal aus und guckt, ob sie geeignet sind“, erzählt sie vom gar nicht so majestätischen Tagesgeschäft auf dem Christbaumhof.

Die Lichter aus Wachs und Docht passen ja auch gut zu einem großen Trend in diesem Jahr: Man will zurück zur Natur, mit klassischen Kugeln, Strohsternen, ja sogar mit echten Lebkuchen und echten Tannenzapfen, eine gemütliche Atmosphäre schaffen, informiert das Weihnachtsbaum-Fachportal MeineTanne.de im Internet.

Herrscherin über den Christbaumschmuck ist Vanessa Frank im Wohnzimmer der Familie. Dieses Jahr hat sie sich für schlichtes Weiß an der traditionellen Nordmanntanne entschieden.
Herrscherin über den Christbaumschmuck ist Vanessa Frank im Wohnzimmer der Familie. Dieses Jahr hat sie sich für schlichtes Weiß an der traditionellen Nordmanntanne entschieden. | Foto: Jörg Donecker

Der Wohlfühltrend namens Hygge kommt, wie der Großteil der Samen für die hierzulande angebauten Nordmanntannen, aus Dänemark. Und er dringt, gemeinsam mit der Vorliebe der Skandinavier für minimalistische Dekoration, bis zum Baumschmuck in Karlsruher Wohnzimmern vor. Die Pracht ist zurückgenommen, Farben kommen nur wohldosiert zum Einsatz. Nicht, dass noch ein knallpink glitzernder Flamingo die Hygge-Gemütlichkeit stört!

Zwischen Hygge-Gemütlichkeit und Flamingo-Kitsch

Diesen Trend gibt es dieses Jahr nämlich auch: kitschig, knallig, mit möglichst viel Pink – manchmal sogar monochrom vom Stumpf bis zur Spitze am rosa Plastikbaum. Bei Franks in Rüppurr hängen in diesem Jahr Kugeln, Anhänger und (künstliche) Lebkuchensterne in wohlbemessener Zahl im tannengrünen Baum. Beherrschende Farbe ist Weiß, ergänzt durch gelegentlichen Goldglanz.

Und dann glitzert da doch noch ein wenig Extravaganz zwischen den Zweigen hervor: ein kleiner Pfau in Gold und Weiß. „Das war meine Mutter“, erklärt Vanessa Frank und lacht. „Sie will immer noch ein kleines Extra, etwas Besonderes am Baum.“

Ansonsten ist das Schmücken bei Familie Frank traditionell die Aufgabe der Tochter. Die Mutter stellt den Zierrat bereit, die Plätzchen kommen – weil der Rest der Familie zum Backen keine Zeit hat – von der Großmutter. „Der Schmuck ändert sich immer mal je nach Trends, dadurch, dass wir jedes Jahr auf den Großmarkt fahren“, erzählt die gelernte Hotelfachfrau, die sich wie die Eltern im Dezember fürs Weihnachtsbaumgeschäft extra Urlaub nimmt. „Letztes Jahr waren es Pastellfarben, dieses Jahr eher Weiß und Grün – oder eben quietschbunt.“

Weniger ist mehr – auch beim Schmuck am Weihnachtsbaum

Nicht viel Schmuck solle dieses Jahr am Baum hängen. „Es gibt aber auch Kunden, die sagen, sie wollen einen Baum mit mehr Ästen, damit sie mehr dranhängen können.“

Für die geschmückten Tannen in den Verkaufsräumen hat sich die Weihnachtsbaumkönigin für einen weiteren aktuellen Trend entschieden: ganz klassisch mit roten Kugeln und viel Gold. Und wo ist das Lametta? Sie schüttelt ihr königliches Haupt. „Das gibt’s eigentlich gar nicht mehr.“ Zwar seien mittlerweile auch „umweltfreundlichere“ Versionen der glitzernden Stanniolstreifen – nämlich aus Kunststofffasern – auf dem Markt. Die würden aber so gut wie gar nicht nachgefragt.

Die Weihnachtsbaumkönigin gibt im September das Zepter weiter

Einen Großteil der diesjährigen Christbaum-Ernte hat Familie Frank mittlerweile abverkauft. „Übrig bleiben wie immer die kleinen buschigen“, schmunzelt Vanessa Frank und lässt den Blick von Tanne zu Tanne schweifen. Ruhe kehrt auf dem Hof noch lange nicht ein, es muss ja noch aufgeräumt und abgeschmückt werden. „Das zieht sich meistens bis ins Neue Jahr.“

Für die Christbaum-Majestät stehen außerdem noch ein paar Messetermine im Januar an, bevor sie das Zepter dann im September weitergibt an eine neue junge Frau, die vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger ausgewählt wird.

Und dann? „Ich weiß nicht…!“ entfährt es ihr, und trotz ihres Lächelns schwingt ein wenig Weihnachts-Wehmut mit.